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Gamper: "Mitarbeiter können im Moment ihres Pensionsantritts einen Antrag stellen und sich und den Ehe- oder Lebenspartner dann Jahr für Jahr weiterversichern."

Ergänzende Gesundheitsfürsorge für RGO

Christof Gamper war bei der Gründung des Wechselseitigen Krankenbeistandsvereins (WKV) vor zwanzig Jahren dabei. Seit damals hat er den Verein als Verantwortlicher für die Verwaltung betreut. Im Interview erklärt er, was diesen Verein so besonders macht.

Gamper: "Mitarbeiter können im Moment ihres Pensionsantritts einen Antrag stellen und sich und den Ehe- oder Lebenspartner dann Jahr für Jahr weiterversichern."

RN: Was ist der WKV?

Christof Gamper: Der WKV ist ein geschlossener Gesundheits-Fonds für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Raiffeisen-Geldorganisation mit einer einfachen, soliden Verwaltung. Ungewöhnlich für einen derartigen Fonds ist, dass er sich, trotz der relativ kleinen Mitglieder-Anzahl, selbst trägt. Dies ist nur möglich, weil die Struktur schlank gehalten und umsichtig geführt wird: sämtliche Gremien und der Vorstand arbeiten unentgeltlich. Sie werden für ihre Tätigkeit von der Arbeitgeberseite und den Gewerkschaften freigestellt. Hinzu kommt, dass die Mitglieder den Solidaritätsgedanken mittragen. Faktoren, die zum Erfolg dieses Fonds beitragen.

Wie ist der WKV entstanden?

Gamper: Dass ein Fonds zur zusätzlichen Gesundheitsvorsorge eingerichtet werden muss, gab der Kollektivvertrag vor, nachdem 1997 u.a. einkommenssteuerliche Änderungen in Kraft getreten sind. Wir haben - in Anlehnung an die nationale Organisation - einen Verein für Südtirol gegründet, um autonomer agieren zu können. Wir können so besser auf die Bedürfnisse der Menschen hier in Südtirol eingehen. Die Sanitätsbetriebe in Italien arbeiten nämlich unterschiedlich und bieten auch andere Dienste an. Die Zahlen belegen, dass unser Ansatz erfolgreich ist. Bisher war die Bilanz des WKV immer ausgeglichen.

Christof Gamper: "Pflegesicherung ist ein wichtiges Thema, mit dem wir uns seit 2015 aktiv befassen."

Was sagen die aktuellen Zahlen?

Gamper: Im letzten Jahr wurde ein Überschuss von 412.000 Euro erwirtschaftet. Der Großteil dieses Betrages wird als Rücklage für die Pflegesicherung verwendet. Seit der Gründung ist die Mitgliederzahl ständig gewachsen und beträgt derzeit 2.403. Für die Mitglieder wurden im abgelaufenen Jahr insgesamt 3.504 Schadensakten mit 7.323 Einzelfällen bearbeitet und eine Schadensliquidierung im Ausmaß von 1.150.314,88 Euro erzielt (Anm.: Stand 31.12.2016).

Welches sind die bisher wichtigsten Errungenschaften des WKVs?

Gamper: Eine große Errungenschaft ist sicher, dass der Fonds auch große Schäden abdeckt. Es war immer schon eines der wichtigsten Ziele des Vereins, Mitglieder auch in schwierigen Situationen, wie beispielsweise bei Krebserkrankungen oder bei kostspieligen Operationen, aufzufangen. Sie sind dabei nahezu zur Gänze abgedeckt, auch wenn sie private Gesundheitseinrichtungen nützen oder Spezialisten im Einzugsgebiet des WKVs hinzuziehen.

Wie weit reicht das Einzugsgebiet?

Gamper: Das Gebiet, wo Leistungen in Anspruch genommen werden können, umfasst Süd- und Nordtirol, Bayern, Vorarlberg, Trentino, Friaul-Julisch Venetien, Veneto, Emilia Romagna und die Lombardei. Zudem sind Noteinlieferungen weltweit gedeckt.

Wie sieht das Modell des WKVs für die künftige Pflegesicherung aus?

Gamper: Pflegesicherung ist ein wichtiges Thema, mit dem wir uns seit 2015 aktiv befassen. Der WKV ist beauftragt worden, auch die Leistungen im Bereich der Pflegesicherung zu verwalten. Der Kollektivvertrag der Raiffeisenkassen sieht diese Leistungen schon länger vor und ergänzt die öffentliche Pflegeabsicherung vom Land.

Welche Leistungen sind in diesem Bereich konkret vorgesehen?

Gamper: Künftig sollen alle Spesen, die in Zusammenhang mit der Pflege eines Mitglieds stehen und nicht von der öffentlichen Hand getragen werden, wie die Ausgaben für eine Hilfskraft oder notwendige Umbauarbeiten, über jährliche Beiträge rückvergütet werden. Dabei lehnt man sich an das Pflegestufen-Modell des Landes.

Gilt das auch wenn der Mensch bereits in Pension ist?

Gamper: Grundsätzlich ist es so, dass die Pflegeversicherung auch in der Pension weitergeführt werden kann. Die Beträge müssen dann allerdings selbst eingezahlt werden. Mitarbeiter können im Moment ihres Pensionsantritts einen Antrag stellen und sich und den Ehe- oder Lebenspartner dann Jahr für Jahr weiterversichern.

Wie wird sich der WKV weiterentwickeln?

Gamper: Konventionen mit Privatkliniken und privaten Ärzten aus allen Sektoren und Richtungen wird der WKV künftig weiter ausbauen. Es geht darum die Konditionen und Qualitätsstandards für die Mitglieder weiter zu verbessern. Künftig sollen auch eine digitale Plattform geschaffen und der interaktive Datenaustausch ausgebaut werden. Derzeit werden Leistungen noch immer auf Papier eingereicht. Die Umsetzung dieser und weiterer Maßnahmen bleibt jedoch eine Frage von Zeit und Ressourcen.

WKV der Raiffeisen-Geldorganisation

Die Abkürzung WKV steht für Wechselseitiger Krankenbeistandsverein, ein 1997 gegründeter Verein, der das Ziel hat, seinen Mitgliedern zusätzlich und ergänzend zur öffentlichen Gesundheitsvorsorge fürsorgliche Leistungen zur Verfügung zu stellen.

Im Dachfonds Mutual DOC sind drei Südtiroler Gesundheitsfonds zusammengeschlossen: der WKV, als geschlossener Fonds, die EMVA, auch ein wechselseitiger Gesundheitsfonds für Selbständige und Mutual Help, eine wechselseitige Hilfsgesellschaft, die für Unternehmen und deren Mitarbeiter, aber auch für den einfachen Bürger zugänglich ist.

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