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Hagelschlag: die Anzahl und die Heftigkeit der Hagelschläge haben in den letzten Jahren zugenommen.

Heinrich Huber: „Eine finanzielle Deckung braucht es“

Nach zwölf Jahren als Direktor des Hagelschutzkonsortiums ist Heinrich Huber kürzlich in den Ruhestand getreten. In dieser Zeit hat sich das Bewusstsein für die Absicherung deutlich verstärkt.

Hagelschlag: die Anzahl und die Heftigkeit der Hagelschläge haben in den letzten Jahren zugenommen.

Herr Huber, wie blicken Sie auf ihre Tätigkeit als Direktor des Hagelschutzkonsortiums zurück?

Heinrich Huber: Ich habe das Hagelschutzkonsortium 2006 von meinem Vorgänger Helmuth Rimbl übernommen, der das Konsortium nach der Gründung im Jänner 1973 aufgebaut hat und es zudem gemacht hat, was es noch heute ist – das größte Konsortium Italiens. Heute können wir sagen, dass jene Obstbauern, die keinen aktiven Schutz ihrer Anlagen durch Hagelnetze bzw. Frostberegnung haben, fast zu hundert Prozent bei uns Mitglied sind, von den Weinbauern haben wir rund zwei Drittel als Mitglieder und auch aus dem Beeren- und Gemüsebereich haben wir immer mehr Mitglieder.

Heinrich Huber war seit 2006 bis August 2017 Direktor des Hagelschutzkonsortiums.

Wie hat sich die Bedeutung der Hagelversicherung, die ja als Mehrgefahrenversicherung eine ganze Reihe von Witterungsschäden abdeckt, verändert?

Huber: Man kann sagen, dass am Anfang meiner Zeit die Hagelversicherung noch nicht von allen Mitgliedern als so wichtig gesehen wurde. Mittlerweile ist es so, dass es heute auf jeden Fall irgendeine finanzielle Deckung braucht, wo die aktiven Mittel wie Hagelnetz und Frostschutzberegnung nicht greifen. In meiner Zeit sind die Versicherungswerte von 250 Mio. auf über 500 Mio. Euro angestiegen. Also mehr oder weniger wird heute in Südtirol alles  versichert, was intensiv angebaute Kulturen sind.

Warum ist heute ein Versicherungsschutz gegen die Witterungsunbilden so wichtig?

Huber: Wenn wir an die Hagelschläge 2013 und 2017 denken, war das  eine Größenordnung, die bisher nicht gegeben hat, die Gewitter sind jetzt viel heftiger und wenn es schauert, dann schauert es stark; beim Frost ist das ähnlich. Hinzu kommt, dass sich die Wirtschaft  entsprechend entwickelt hat, die Investitionen und die finanziellen Belastungen sind heute in der Landwirtschaft sehr hoch. Wer intensiven Obstbau betreibt, muss heute mit Investitionen von 40.000 bis 50.000 Euro pro Hektar rechnen, früher hat eine Anlage vielleicht 20 bis 30  Millionen Lire gekostet. Ein Totalausfall ist heute schwer zu verkraften oder kann existenzielle Folgen haben.

Die Versicherungsprämien, welche die Landwirte abschließen, werden heute zu 70 Prozent von der EU gefördert – auch in Zukunft noch?

Huber: Bis 2020 hinaus steht das Förderprogramm und man geht davon aus, dass es auch bis 2027 bestehen bleibt. Die EU setzt eher noch stärker auf das Risikomanagement, also in dem Sinne, dass sie die proaktive Absicherung wie eine Hagelversicherung fördert. Das sieht man auch daran, dass der Beitrag letzthin von 65 auf 70 Prozent erhöht worden ist.

Der Großteil der Landwirte hat heuer wieder eine Hagelversicherung abgeschossen. Wie hoch ist der gesamte Versicherungswert und wie viel wurde dafür an Prämien bezahlt?

Huber: Der versicherte Wert der heurigen Versicherungskampagne beläuft sich auf rund 453 Mio. Euro, davon betrifft über ein Drittel den Frostschutz. Heuer haben wir 45 Mio. Euro an Prämien gezahlt und bekommen ungefähr 32 Mio. Euro, also die 70 Prozent, vom Staat und EU bezuschusst.

Sie sind eingetragener Hagelschätzer und werden unter anderem in diesem Bereich weiterhin tätig bleiben. Was wünschen Sie Ihrem Nachfolger Manfred Pechlaner, der schon bisher als Assistent der Geschäftsleitung an Ihrer Seite tätig war?

Huber: Ich wünsche meinem Nachfolger, dass ihm die Tätigkeit als Direktor genauso viel Freude macht, wie sie es mir gemacht hat. Er hat einen sehr guten Obmann mit einem aufgeschlossenen Vorstand an seiner Seite, der für jede Weiterentwicklung immer offen war. Das Südtiroler Hagelschutzwesen ist in Italien als vorbildhafte Einrichtung anerkannt.

INTERVIEW: THOMAS HANNI

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