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Blauburgunder im Vergleich: Im Anschluss an die Referate fand die Wein-Verkostung statt.

Meraner Weinbautag in der Kellerei Meran

Über 140 Weinbauern und Interessierte waren der Einladung zum traditionellen Meraner Weinbautag im Veranstaltungsraum der Kellerei Meran gefolgt um sich über die neuesten Entwicklungen und Themen im Weinbau zu informieren.

Blauburgunder im Vergleich: Im Anschluss an die Referate fand die Wein-Verkostung statt.

Josef Ladurner vom Bezirksausschuss Südtiroler Beratungsring begrüßte die Anwesenden zur Veranstaltung, die gemeinsam von der Kellerei Meran und dem Südtiroler Beratungsring organisiert wurde.

Andreas Kraus, Amtsdirektor im Amt für Obst- und Weinbau brachte alle Teilnehmenden auf den den aktuellen Stand im Bereich der Pflanzregelung im Weinbau:

  • Die unentgeltlichen Pflanzgenehmigungen aus der Weinmarktordnung werden auch 2018 im Ausmaß von 1 Prozent der Rebfläche der Provinz Bozen verteilt, also wiederum 54,5 ha.
  • Die entsprechenden Gesuche können einen Monat lang (zwischen dem 15.02. und 15.03.2018) abgegeben werden.

Kraus erwartet sich, dass die einreichbare Fläche für Betriebe auf 3.000 Quadratmeter beschränkt werde, das hänge allerdings von der Anzahl der Gesuche ab. Scheinpachtverhältnisse zwischen Südtiroler Betrieben und Flächen in anderen Provinzen bzw. Regionen werden jedenfalls nicht mehr geduldet. Er wies auf die Bestimmungen hin, die in Kürze auf Staatsebene erlassen werden, nach welchen eine Verschiebung der Pflanzengenehmigungen aufgrund einer Rodung wahrscheinlich erst nach 5 Jahren zugelassen werden kann.

Großes Interesse beim Meraner Weinbautag in der Kellerei Meran
von links nach rechts: Thomas Weitgruber (Südtiroler Beratungsring), Gerd Innerebner und Josef Terleth (Versuchszentrum Laimburg), Andreas Kraus (Amt für Obst- und Weinbau), Alexander Gottardi (Weingut Gottardi) und Stefan Kapfinger (Kellerei Meran)

Paul Hafner vom Südtiroler Beratungsring sprach über die Voraussetzung für hohe Traubenqualität und Ertragssicherheit. Ihm zufolge beginnt die Gesundheit und Qualität der Reben bereits bei der Auswahl der geeigneten Sorten und Klone entsprechend je nach Standort. Neben dem Schnitt und der Bewässerung ist für ein ausgewogenes Wachstum auch die ausreichende Nährstoffversorgung über den gut strukturierten Boden notwendig. Das Ziel sind homogene Anlagen mit einer ausgeglichenen Stockbelastung.

Josef Terleth vom Versuchszentrum Laimburg zeigte die Vorteile und Risiken einer Sortenumstellung durch Standortveredelung auf. Wenn die Pflanzen nicht zu alt sind und die Anlage den Anforderungen der modernen Qualitätsproduktion entsprechen, kann die Sorte durch Standortveredlung umgestellt werden. Für eine erfolgreiche Standortveredlung muss auf kontrolliertes Edelreisermaterial zurückgegriffen werden und die Pflege vor, während und nach der Veredlung ist besonders wichtig. Ebenso wichtig ist der Pflanzenschutz, denn nur gesunde Blattmasse garantiert gut verholzte Triebe, die im Frühling abgeschnitten werden können. Der größte Vorteil der Standortveredlung gegenüber der Neuanlage besteht im kürzeren Ernteausfall. Als Risiken sind Unwetter, Hagel und Spätfröste zu bedenken, die diese Umstellungsmethode beeinträchtigen können. Terleth empfiehlt daher, eine Sortenumstellung durch Standortveredlung nur dann vorzunehmen, wenn alle Voraussetzungen stimmen.

Nach der Pause referierte Gerd Innerebner vom Versuchszentrum Laimburg über die Stationäre Applikationstechnik als Alternative zum Sprüher in Steillagen. Dabei wird das Pflanzenschutzmittel mit fix in der Rebzeile installierten Düsen ausgebracht.

Seit 2014 steht am Versuchszentrum Laimburg eine Pilotanlage, mit der die Pflanzenschutzmittel stationär ausgebracht werden können. In den vergangenen Jahren wurde untersucht, ob diese Technik in ihrer biologischen Wirksamkeit mit einer mobilen Sprüherbehandlung vergleichbar ist. Nach vier Versuchsjahren berichtet Innerebner, dass die biologische Wirksamkeit der Behandlungen gegen den Echten und Falschen Mehltau bei beiden Applikationssystemen vergleichbar ist. Einzig der Peronospora-Blattbefall war in Jahren mit hohem Infektionsdruck bei der "stationären Spritztechnik" etwas höher.

Über den Blauburgunder sprach der Winzer und Weinhändler Alexander Gottardi, vom Weingut Gottardi aus Neumarkt - Mazzon. Diese im Weinberg extrem anspruchsvolle Rebsorte sei knifflig im Keller und unbeständig in der Flasche. Nur wenige Lagen weltweit sind geeignet, einen komplexen Wein hervorzubringen. Südtirols sonnenüberflutete Steilhänge werden zunehmend als Herkunft von hochwertigen Blauburgunder-Weinen erkannt. Die Sorte erfordert eine schonende Behandlung von der Ernte über das Rebeln bis zur Vergärung und Lagerung. Gottardi weiß, dass bei diesem Wein nicht nur Kellertechnik und Kellermeister, sondern auch die Weinfreunde gefordert sind: Seine oftmals helle Farbe suggeriert einen "leichten Wein" und auch seine Lagerfähigkeit wir häufig unterschätzt, so dass die Weine zu jung getrunken werden.

Zum Schluss berichtete Josef Terleth vom Versuchszentrum Laimburg noch über die Entwicklungen und Erfahrungen bei Blauburgunder-Klonen. In verschiedenen Projekten wurden im gesamten Südtiroler Weinbaugebiet verschiedene Klone auf deren Anbaueignung geprüft. Dabei zeigt der Blauburgunder seine genetische Vielfalt, denn neben den klassischen Klonen mit kleinen, kompakten Trauben gibt es auch kleinbeerige und lockerbeerige Klone. In Sachen Weinqualität hat sich allerdings gezeigt, dass kein Weg an den französischen Qualitätsklonen vorbeiführt. Terleth berichtet jedoch von zwei deutschen Spätburgunderklonen, die sehr interessant hinsichtlich der Traubengesundheit und der Weinqualität sind. Die beiden Klone wurden mit dem französischen Klon 165 verglichen und zeigten sich als gute Alternativen zu den französischen Qualitätsklonen.

Durch Maßnahmen wie Düngung, Bewässerung, Laubarbeiten, Ertragsregulierung und Rebschnitt gedeihen vitale Reben die eine hohe Traubenqualität erreichen.

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