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Der Neves-Stausee im Talschluss des Mühlwalder Tals bei Lappach im Ahrntal. Entlang der Ahr sollen laut Gewässerschutzplan keine neuen Krafwerke mehr enstehen.

Strittiger Gewässerschutz

Der Entwurf zum Gewässerschutzplan aus dem Umweltressort des Landes stellt wenige neue E-Werke in Südtirol in Aussicht. Dagegen stemmt sich der Südtiroler Energieverband - er will bei der Entscheidung über die Ausweisung von "sensiblen Gewässerzonen" mit eingebunden sein.

Der Neves-Stausee im Talschluss des Mühlwalder Tals bei Lappach im Ahrntal. Entlang der Ahr sollen laut Gewässerschutzplan keine neuen Krafwerke mehr enstehen.

Der Name des Kongresses in der Eurac, bei dem am Freitag der Gewässerschutzplan besprochen wurde, brachte den Spagat auf den Punkt, den das Land im Moment bewältigen will: "Der Schutz der Fliessgewässer und die Perspektiven der hydroelektrischen Nutzung in Südtirol". Anders gesprochen: Gewässerschutz und angemessene wirtschaftliche Nutzung der Südtiroler Flusskreisläufe können miteinander. Vorausgesetzt, es bestehen klare Regeln. Jüngste Medienberichte, wonach es in Zukunft nahezu keinen Spielraum mehr für neue E-Werke geben wird, revidierte Umwelt-Ressortdirektor Forian Zerzer. „Die Goldgräber-Stimmung im Südtiroler Energiesektor ist sicher vorbei. Aber es wird auch in Zukunft noch Möglichkeit geben, neue Energiewerke aufzustellen. Der Bewertungsprozess über die Zulassung neuer Wasserkraftwerke wird insgesamt transparenter, präziser und gerechter ablaufen. Neben ökologischen Fragen, werden so auch ökonomische Fragen miteinbezogen“. Zerzer bezog sich auf der Fachtagung zum Gewässerschutz auch auf die konkreten Kriterien für sensible Gewässer, die vorab in der Tageszeitung Dolomiten veröffentlicht wurden. Demnach werden im vorläufigen Gewässerschutzplan des Landes 386 Wasserläufe als „sensible“ Gewässer festgelegt und somit als Zonen deklariert, in denen kein weiteres E-Werk mehr gebaut werden kann. Lediglich 34 Flüsse werden für die Wasserkraft-Nutzung ausgewiesen.

 

Stellungnahme des Südtiroler Energieverbandes

34 Flüsse bei rund 400 laufenden Ansuchen für neue Kraftwerke. So viele soll es laut Florian Zerzer nämlich im Moment geben. Entsprechend reagiert der Südtiroler Energieverband am Freitag, auch weil man sich vor vollendete Tatsachen gestellt sieht: „Mit Verwunderung nimmt der SEV zur Kenntnis, dass Mitglieder der Expertenrunde Energie und die betroffenen Fachverbände wesentliche Einzelheiten eines "technischen" - und mit der Führungsebene offenbar nicht abgesprochenen - Positionspapiers aus der Zeitung erfahren. (...) Der Expertenrunde Energie wurde am 22. Mai vom Amt für Gewässerschutz ein Kriterienkatalog als Diskussionsgrundlage vorgelegt und kontrovers diskutiert. Das heute in den Dolomiten zitierte Papier ist weitaus detaillierter und schließt Südtiroler Gewässer bis auf 34 Ausnahmen von der hydroelektrischen Nutzung de facto aus“.

Beim Südtiroler Energieverband kündigt man an, seine Position zu diesem Sachverhalt in der kommenden Woche intern abzusprechen und den zuständigen Entscheidungsträgern in der Landesverwaltung dann eine entsprechende Stellungnahme zukommen zu lassen. Zudem verweist man auf die Expertenrunde Energie am 23. Juni, wo das Thema Gewässerschutz im Mittelpunkt steht.

Solcher Kritik aus der Energiewirtschaft sowie der bereits geäußerten aus den Gemeinden konterte man im Umweltressort bereits vorab, dass die Wasserwirtschaft nicht zu kurz komme. Laut Flavio Ruffini, dem Leiter der Umweltagentur, habe Südtirol mit einer Stromproduktion von 10.760 KwH pro Einwohner bereits die intensivste Gewässernutzung im ganzen Alpenbogen. Von derzeit 1040 Kraftwerken werde es nur mehr eine maximale Steigerung auf 1200 geben, so Ruffini. Eine imaginäre Grenze, die in den kommenden Wochen wohl weiter für Zündstoff sorgen wird.

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