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Die Vollblüte der Äpfelbäume in der Talsohle wird heuer zwischen 8. und 10. April erwartet.

Apfelblüte: heuer 7–9 Tage früher als im langjährigen Mittel

Seit 1975 erhebt das Versuchszentrum Laimburg Daten zum Einfluss der Witterung und des Klimas auf die jahreszeitliche Entwicklung des Apfels. Für dieses Jahr erwarten die Experten des Versuchszentrums die Vollblüte der Sorte Golden Delicious am Standort Laimburg um den 9. April.

Die Vollblüte der Äpfelbäume in der Talsohle wird heuer zwischen 8. und 10. April erwartet.

Der Vegetationsverlauf des Apfels hängt von Faktoren wie der Sorte und der Unterlage, der Lage (Boden und Standort) und dem jeweiligen klimatischen Verlauf des Jahres ab. Am Versuchszentrum Laimburg (220 m ü. d. M.) werden seit 1975 systematisch Erhebungen zur Phänologie der Südtiroler Hauptsorte Golden Delicious und seit 1997 bei der Apfelsorte Cripps Pink (Pink Lady®) durchgeführt. Die Wissenschaftler des Versuchszentrums Laimburg erheben derzeit die Daten der laufenden Saison.

Golden Delicious: Vollblüte in der Talsohle zwischen 8. und 10. April zu erwarten

Aktuell befindet sich die Sorte Golden Delicious (Stand 29.03.2021) am Standort Laimburg im sog. „Grünknospenstadium“, d. h. die noch geschlossenen Einzelblüten beginnen damit sich voneinander zu lösen. Wie lange wird es nun aber noch bis zur Vollblüte dauern? Dies genau zu prognostizieren, ist nicht einfach und erfordert viel Sachkenntnis und Erfahrung. Schon seit 46 Jahren werden am Versuchszentrum Laimburg die phänologischen Stadien des Apfels erhoben. Im „günstigsten“ Fall vergingen vom „Grünknospenstadium“ bis zur Vollblüte gerade einmal elf Tage, es kann aber auch 24 Tage lang dauern. Trotzdem kann eine Prognosegenauigkeit von +/- 2 Tagen erreicht werden.  

„Die Vollblüte, bei der mindestens 50 % der Blüten geöffnet sind und erste Blütenblätter abfallen, wird dieses Jahr bei der Sorte Golden Delicious am Standort Laimburg wahrscheinlich um den 9. April erreicht werden, da laut Hydrographischem Amt eine überdurchschnittlich warme Karwoche bevorsteht“, prognostiziert Edmund Ebner von der Arbeitsgruppe „Pomologie“ des Versuchszentrums. Wenn es nicht zu einem Kaltlufteinbruch kommt, könnte die Vollblüte sogar noch ein bis zwei Tage früher eintreten. „Damit würden dieses Jahr erstmals höchstens zehn Tage vom Grünknospenstadium bis zur Vollblüte vergehen, was einen neuen Rekord in der Entwicklung der Blütenknospen bedeuten würde“, erklärt Edmund Ebner. „Wir lägen dann etwa acht bis neun Tage früher als im langjährigen Mittel der letzten 46 Jahre, wonach die Vollblüte im Schnitt erst am 17. April eintrat.“

Cripps Pink/Pink Lady®

Die frühblühende Sorte Cripps Pink befindet sich aktuell im „Rotknospenstadium“, d. h. die Blütenstiele strecken sich, die Kelchblätter sind leicht geöffnet und Blütenblätter gerade erkennbar. Bei dieser Sorte ist den Experten des Versuchszentrums zufolge heuer im Vergleich zu Golden Delicious mit einer um vier Tage früheren Vollblüte zu rechnen, also um Ostermontag, 5. April.

Historische Sorten

In der „physischen Genbank“ des Versuchszentrums Laimburg sind u. a. auch 120 alte Lokalsorten ausgepflanzt. Die historische Sorte „Spätblühender Taffet“ beispielsweise blüht ca. 20 Tage nach Golden Delicious. Die israelische Sorte Anna, die keinen kommerziellen Marktwert besitzt, weist einen niedrigen Kältebedarf auf und treibt somit früher aus. Am Standort Laimburg hat diese Sorte bereits am 29.03.2021 zu blühen beginnen, die Vollblüte ist in den kommenden Tagen zu erwarten.

Frostgefahr nicht zu unterschätzen

Die Prognosegenauigkeit des Vollblütedatums hängt dabei wesentlich von der Witterung der kommenden Tage ab. Dieses Jahr war es bis Monatsmitte überdurchschnittlich warm, was einen rasanten Vegetationsfortschritt zur Folge hatte. Zwischen dem 17. und 24. März waren dann aber in acht Tagen gleich sechs Frostnächte zu verzeichnen, an denen am Standort Laimburg die Frostberegnung eingeschaltet werden musste. Durch den Einsatz der Frostberegnung wurde die Bodentemperatur abgekühlt und damit der rasante Vegetationsverlauf stark eingebremst. 2017 hatte eine einzige Frostnacht am 20.04. genügt, um in großen Apfelanbaugebieten Europas und in höheren Lagen Südtirols Mengen- und Qualitätseinbußen zu verursachen.

Ob die vor kurzem eingetretenen Frostnächte auch für die Ernte 2021 Qualitätseinbußen bedeuten, wird man spätestens Ende Mai/Anfang Juni abschätzen können. „Je später der Blühbeginn, umso geringer das Risiko, größere Schäden durch Spätfröste zu erleiden“, fasst Edmund Ebner zusammen.

Die Knospe im Eis – So funktioniert der Frostschutz

Um die jungen frostempfindlichen Knospen oder Blüten vor Nachtfrösten zu schützen, wird in Anlagen mit Oberkronenbewässerung die Frostschutzberegnung eingeschaltet. Wenn die dabei ausgebrachten Wassertröpfchen aufgrund der tiefen Temperaturen gefrieren, also ihren Aggregatszustand von flüssig zu fest ändern und sich in Form von Eis um die Knospen bzw. Blüten legen, wird Kristallisationswärme frei. Diese Kristallisationswärme hält die Temperatur des Eises bei 0 °C und verhindert dadurch, dass die im Eis eingeschlossenen Pflanzenteile erfrieren.

Seit wenigen Jahren werden in jenen Obstanlagen, aber auch Rebanlagen, in denen keine Frostschutzberegnung möglich ist, Paraffinkerzen aufgestellt. Dabei handelt es sich um mit Paraffinwachs gefüllte Eisenbehälter. Diese Paraffinkerzen werden in Frostnächten angezündet und können durch die freiwerdende Wärme die Temperatur in der Anlage um einige wenige Grad Celsius anheben. Bei Temperaturen von -2 bis -3 °C werden 200 bis 300 Kerzen pro Hektar aufgestellt, wobei die Kerzen eine Brenndauer von ca. acht Stunden haben. In einer Nacht fallen dafür Kosten zwischen 2000 und 3000 Euro an. „Pflanzen vor dem Frost mittels Beregnung oder Paraffinkerzen zu schützen ist jedoch nur sinnvoll, wenn keine Windfröste vorliegen, da ansonsten der Effekt dieser Methoden nicht genutzt werden kann“, erklärt Ebner.

Das Versuchszentrum Laimburg ist die Forschungsinstitution für die Landwirtschaft und Lebensmittelqualität in Südtirol. Das Versuchszentrum Laimburg betreibt vor allem angewandte Forschung mit dem Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit der Südtiroler Landwirtschaft zu steigern und die Qualität landwirtschaftlicher Produkte zu sichern. Über 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten jährlich an etwa 350 Forschungs- und Versuchsprojekten aus allen Bereichen der Südtiroler Landwirtschaft, vom Obst- und Weinbau bis hin zu Berglandwirtschaft und Lebensmitteltechnologie. Das Versuchszentrum Laimburg wurde 1975 gegründet.

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