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Genossenschaftsverband Bayern
In der von Verbandspräsident Jürgen Gros moderierten Diskussionsrunde diskutierten Wirtschaftsforscher Achim Wambach mit Sandra Bindler, Vorstandsvorsitzende der Münchner Bank eG, Philipp Depiereux, CEO der etventure GmbH, und Eckhard Schwarzer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Datev, über die Chancen des genossenschaftlichen Geschäftsmodells in der digitalen Welt.

Bayerns Genossenschaften auf dem Weg in die Netzwerkökonomie

Mehr als 1.100 Gäste aus Politik, Wirtschaft und der Genossenschaftsorganisation nahmen mitte Juli am 120. Verbandstag des Genossenschaftsverbands Bayern (GVB) in Unterschleißheim bei München teil.

In der von Verbandspräsident Jürgen Gros moderierten Diskussionsrunde diskutierten Wirtschaftsforscher Achim Wambach mit Sandra Bindler, Vorstandsvorsitzende der Münchner Bank eG, Philipp Depiereux, CEO der etventure GmbH, und Eckhard Schwarzer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Datev, über die Chancen des genossenschaftlichen Geschäftsmodells in der digitalen Welt.

Wie der Genossenschaftsverband Bayern in einer Aussendung schreibt, fand der diesjährige Verbandstag unter dem Motto „Geschäftsmodell Genossenschaft: nah – innovativ – digital“ statt. Verbandspräsident Jürgen Gros formulierte es bei einer Podiumsrunde so: „Im Kern sprechen wir heute darüber, wie das digitale Update des Genossenschaftsmodells aussieht.“

Für diese Transformation stehen Bayerns Genossenschaften auf einer soliden Grundlage, wie GVB-Verbandsratsvorsitzender Wolfgang Altmüller zum Auftakt betonte. Die Unternehmen verfügten nicht nur über hohe Innovationskraft, die sie in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder bewiesen haben. „Sie können auch mit einem Versprechen gegenüber den Internetgiganten punkten. Es ist das Versprechen, den Kunden und das Mitglied auf einer menschlichen Ebene zu verstehen“, so Altmüller.

Internetkonzerne: Wambach fordert schlagkräftige Missbrauchsaufsicht

„Die digitale Marktwirtschaft stellt die bisherigen Strukturen auf den Kopf“, machte Gastredner Achim Wambach deutlich. Der Präsident des Mannheimer Wirtschaftsforschungsinstituts ZEW hat sich intensiv mit der Frage auseinandergesetzt, welche Veränderungen die Digitalisierung bewirken kann. In seinem Vortrag zeigte er auf, wie Daten zunehmend bedeutender werden als Preise, wie Monopolbildung den Wettbewerb behindert und wie die „Sharing Economy“ mit dem Eigentumsgedanken konkurriert. Dennoch hat nach Ansicht von Wambach auch die Internetwirtschaft das Potenzial, Wohlstand zu schaffen. Das erfordere jedoch staatliches Eingreifen, um Wettbewerbseinschränkungen zu verhindern, insbesondere durch große Internetkonzerne wie Facebook oder Amazon.

„Die alten Leitplanken, mit denen die Soziale Marktwirtschaft die wohlstandsmehrenden Kräfte schützte, passen heute nicht mehr. Sie müssen erneuert werden“, forderte der renommierte Ökonom, der auch der Monopolkommission vorsitzt. Er sprach sich für eine schlagkräftige Missbrauchsaufsicht aus. Wambach: „Wenn Wettbewerbs- und Sozialpolitik umdenken und ihr Instrumentarium schärfen, kann es auch morgen produktiven Wettbewerb und auskömmliche Arbeit für alle geben.“

Mitgliedernetzwerk als Basis zum Aufbau von Plattformen

Im Anschluss nahm der Wirtschaftsforscher an der von Gros moderierten Diskussion teil. Gemeinsam mit Sandra Bindler, Vorstandsvorsitzende der Münchner Bank eG, Philipp Depiereux, CEO der etventure GmbH, und Eckhard Schwarzer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Datev, diskutierten sie über die Chancen des genossenschaftlichen Geschäftsmodells in der digitalen Welt.

„Wir haben ein Riesen-Netzwerk“, stellte Bankerin Bindler fest. Dabei verwies sie auf die 2,9 Millionen Mitglieder der bayerischen Genossenschaften. Dieses könnten die Unternehmen nutzen, um eigene Online-Plattformen aufzubauen, sagte Datev-Vorstand Schwarzer. Es reiche aber nicht, sich auf dem derzeitigen Erfolg auszuruhen. Die Unternehmen müssten sich darüber Gedanken machen, ob ihre Geschäftsmodelle perspektivisch von Wettbewerbern unterlaufen werden könnten. „Wir müssen uns ständig hinterfragen“, mahnte Schwarzer. Dazu gehöre es auch, in Unternehmen Silodenken durch eine stärkere Kultur der bereichsübergreifenden Zusammenarbeit abzulösen.

Digital-Berater Depiereux empfahl den Genossenschaften, bei der Weiterentwicklung ihrer Geschäftsmodelle die Nutzer in den Mittelpunkt zu stellen. „Fragen Sie Ihre Kunden, was sie wollen und brauchen“, sagte er. Auf dieser Basis sollten die Unternehmen neue Leistungen entwickeln und testen, bevor sie auf den Markt gebracht werden. So ließen sich erfolgversprechende Produktideen ermitteln.

Verbandstag 2020 findet auf dem Nockherberg statt

Der Verbandstag des GVB ist ein Netzwerktreffen der mittelständischen bayerischen Wirtschaft und findet jedes Jahr statt. Neben Vertretern der 1.242 Mitgliedsgenossenschaften nehmen Verbund- und Kooperationspartner, politische Entscheider und Journalisten an dem Austausch teil. Der nächste Verbandstag am 16. Juli 2020 wird erstmals auf dem Nockherberg in München ausgerichtet.

Der Genossenschaftsverband Bayern e.V. (GVB)

Der Genossenschaftsverband Bayern e.V. (GVB) vertritt seit mehr als 125 Jahren die Interessen bayerischer Genossenschaften. Zu seinen 1.242 Mitgliedern zählen 236 Volksbanken und Raiffeisenbanken sowie mehr als 1.000 Unternehmen aus Branchen wie Landwirtschaft, Energie, Handel, Handwerk und Dienstleistungen. Sie bilden mit rund 50.000 Beschäftigten und 2,9 Millionen Anteilseignern eine der größten mittelständischen Wirtschaftsorganisationen im Freistaat. (Stand: 31.12.2018)

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