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Mitgliedsgenossenschaft
Oswald Angerer, Obmann des neu gegründeten Landesverbandes der Eigenverwaltungen, vor dem Fischerteich in Laas, einem beliebten Naherholungsgebiet, und den Laaser Leiten, ebenfalls Eigentum der Eigenverwaltung.

Ein Verband für Eigenverwaltungen

Seit kurzem gibt es in Südtirol einen Landesverband der Eigenverwaltungen. Und wenn es nach dem neu gewählten Obmann Oswald Angerer geht, sind schon bald über 80 Prozent der Südtiroler Eigenverwaltungen Mitglied der neu gegründeten Genossenschaft.

Oswald Angerer, Obmann des neu gegründeten Landesverbandes der Eigenverwaltungen, vor dem Fischerteich in Laas, einem beliebten Naherholungsgebiet, und den Laaser Leiten, ebenfalls Eigentum der Eigenverwaltung.

„Eine Eigenverwaltung ist wie eine kleine Gemeinde innerhalb einer Gemeinde, deshalb heißt man die Präsidenten oft auch die kleinen Bürgermeister“, sagt Oswald Angerer, der frisch gewählte Obmann des neu gegründeten Landesverbandes der Eigenverwaltungen. Dass es nun einen Landesverband gibt freut ihn, denn bisher gab es lediglich einen losen Zusammenschluss in einem Arbeitskreis, der beim Südtiroler Bauernbund angesiedelt war: „Bis heute haben alle Eigenverwaltungen ihr eigenes Süppchen gekocht“, meint Angerer. Er ist überzeugt, dass sich mit der Gründung des Landesverbandes die Zusammenarbeit und der Austausch unter den insgesamt 116 Südtiroler Eigenverwaltungen verbessern wird. Seit kurzem ist der Landesverband auch Mitglied im Raiffeisenverband Südtirol.

Der Obmann Oswald Angerer und Eigentum der Eigenverwaltung im Hintergrund: Wald und die Schrägbahn zum Marmorbruch in Laas.

Eigenverwaltungen, umgangssprachlich auch Fraktionen genannt, kümmern sich um Liegenschaften (Grundstücke, Gebäude u.a.), die im Grundbuch mit dem Vermerk versehen sind, dass die Parzellen den Gemeinnutzungsrechten unterworfen sind. Von diesen Nutzungsrechten profitieren all jene Menschen, die seit mindestens vier Jahren im eingetragenen Gebiet leben: sie dürfen beispielsweise die Weiden und Almen nutzen oder Holz aus dem Wald beziehen.

Eine Zusammenarbeit zwischen den Eigenverwaltungen sei vor allem im Bereich Aus- und Weiterbildung für die Sekretäre geplant, betont Angerer: „Die meisten Sekretäre sind berufstätig und machen die Arbeit für die Eigenverwaltung nebenbei. Und in den letzten Jahren ist die Bürokratie enorm gewachsen.“ Deshalb versucht der Verband die Aus- und Weiterbildung für Verwalter und Sekretäre zu fördern und sie bei der Abwicklung ihrer Arbeit zu unterstützen oder auch Ansprechpartner in Rechtsfragen zu sein.

Eines der wichtigsten Anliegen des Verbandes bleibt jedoch die Bündelung der Kräfte: „Als Verband möchten wir den Eigenverwaltungen eine stärkere Stimme nach außen und ein größeres Gewicht bei Verhandlungen mit Gemeinden und Land verleihen. Das ist besonders wichtig, wenn es - wie derzeit – um die Überarbeitung von Gesetzen für Eigenverwaltungen geht“, unterstreicht Angerer im Interview. Eigenverwaltungen, seien ein Teil der Geschichte und bei den Menschen stark verankert. Angerer: „Ich sehe wie sich die Leute befleißen, den Wald in Ordnung zu halten, vielfach Schutzwald oder auch die Weiden, die Almen, dass die wirklich bewirtschaftet werden. Das soll sich auch in Zukunft nicht ändern.“

Historisch gesehen lässt sich die Gemeinschaftsnutzung von Wald und Weide bis ins Mittelalter zurückverfolgen. Seit Einführung des Grundbuches Anfang des vorigen Jahrhunderts sind diese Nutzungsrechte auch gesetzlich verankert. Die meisten Eigenverwaltungen in Südtirol wurden in den Jahren zwischen 1954 und 1957 gegründet. Die Bewirtschaftung und Pflege von Almen, Wäldern und Naherholungsgebieten zählen zu den Kernaufgaben von Eigenverwaltungen. Die Tätigkeit der Eigenverwaltungen geht jedoch über rein landwirtschaftliche Nutzungsrechte hinaus. Manche sind beteiligt an Wasserwerken, Skigebieten, bauen Obst an oder haben - wie in Laas Anteil an den Marmorbrüchen. Sie kümmern sich auch um die Erhaltung der Wege und unterstützen lokale Vereine und Verbände.

Eigenverwaltungen gibt es auch in anderen Regionen Italiens, im benachbarten Ausland in Österreich und der Schweiz. Und auch da gibt es bereits Austausch in Form eines Forschungsprojektes. Vor kurzem hat der Verband ein Forschungsdoktorat in die Wege geleitet, bei dem es darum geht die Gemeinnutzungsgüter im Vergleich zwischen den Ländern Südtirol, Schweiz und Österreich zu erforschen.

Warum der Landesverband der Eigenverwaltung als Unternehmensform die Genossenschaft gewählt hat begründet Angerer folgendermaßen: „Eine Genossenschaft ist von der Handhabung her und von den Grundsätzen her ohne Zweck der Privatspekulation ausgerichtet.“ Es geht auch um die rechtliche Stellung.

Eigenverwaltungen

In Südtirol gibt es insgesamt 116 Eigenverwaltungen, weitere 70 werden ersatzweise von Gemeindeausschüssen geführt. Gemeinnutzungsgüter sind per Gesetz unveräußerlich. Ein Grundstück darf demnach nur in genau festgelegten Fällen wie Grenzregelungen, Zufahrts- oder Zubehörsflächen - sofern die Rechte der Nutzungsberechtigten nicht wesentlich geschmälert werden und mit positivem Gutachten des Landesrates für Landwirtschaft - verkauft, erworben oder getauscht werden.

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