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Schnapsbrennen hat in der Kellerei Algund Tradition: bereits in den 20er Jahren wurde hier aus den Trestern der Mitglieder Schnaps hergestellt.

Kellerei Algund: Vielfältiges Geschäftsmodell

Seit 110 Jahren besteht die Genossenschaft Kellerei Algund im Zentrum von Meran. Der langjährige Obmann Karl Prunner lässt die abwechslungsreiche Geschichte der Genossenschaft Revue passieren und erklärt, wie es der Genossenschaft gelingt, trotz neuem Geschäftszweig, dem Ursprung verbunden zu bleiben.

Schnapsbrennen hat in der Kellerei Algund Tradition: bereits in den 20er Jahren wurde hier aus den Trestern der Mitglieder Schnaps hergestellt.

Im Interview zählt Karl Prunner, amtierender und langjähriger Obmann der Genossenschaft Kellerei Algund, die Ereignisse und Jahreszahlen aus der Genossenschaftsgeschichte auf und lässt Anekdoten einfließen. Eine gewisse Zufriedenheit schwingt mit, wenn er von seiner Genossenschaft spricht. Mit Recht, denn heute steht die Genossenschaft Kellerei Algund gut da.

Karl Prunner, der amtierende und langjährige Obmann der Genossenschaft Kellerei Algund.

„Die Geschichte der Kellereigenossenschaft Algund ist lang und abwechslungsreich“, so Prunner und verweist gleich auf die beiden zentralen Entscheidungen, die den Verlauf der Genossenschaftsgeschichte nachhaltig geprägt haben: die Fusion mit der Kellereigenossenschaft Marling (Heute Kellerei Meran Burggräfler) im Jahr 1984 und die Umwandlung des Kerngeschäfts von Kellerei auf Parkplatzbewirtschaftung.

Mit dem Ankauf des „Albert Marchettischen Weinhandels und Realität“ in der heutigen Galileistraße im Jahr 1909 hatten sich die 37 Gründungs-Mitglieder für einen Sitz im Stadtzentrum entschieden. Damals suchte man die Nähe der umliegenden Gasthäuser, um den Absatz der eigenen Weine zu sichern, da es Import und Export noch nicht wirklich gab.

Das Gebäude der Kellerei Algund: Mit dem Ankauf des „Albert Marchettischen Weinhandels und Realität“ in der heutigen Galileistraße im Jahr 1909 hatten sich die 37 Gründungs-Mitglieder für einen Sitz im Stadtzentrum entschieden.
Vor zwei Jahren wurde auch das kleine rote Haus schräg gegenüber dem heutigen Verkaufsraum erneuert. Hier ist die „Schnaps-Küche“ der Kellerei Algund untergebracht.
Karl Prunner: "Der hier gebrannte „Algunder Treber“ trägt seit den 90jahren in Anlehnung an EU Verordnungen und italienische Schutzbestimmungen die Qualitätsmarke „Grappa“."

Prunner: „Unter den zahlreichen Veränderungen bedeutete die Fusion im Jahr 1984 den größten Einschnitt im Dasein unserer Genossenschaft, denn damit ging die Wein-Produktion an die Burggräfler Kellereigenossenschaft über.“ Den Bezug zum Weinbau hält die Genossenschaft nach wie vor: Nicht nur die Schnapsbrennerei und das Detailgeschäft für Weine der Meraner Kellerei am Sitz der Kellerei Algund im Zentrum von Meran zeugen davon, auch die Übernahme und Erneuerung der Lausenbergergüter im Jahre 2000, inklusive der Erhaltung von Reblandschaft, zeigen ihr Engagement und ihren Einsatz für den Weinbau im Burggrafenamt.

Die besondere Lage im Zentrum von Meran, erwies sich später als wahrer Glücksfall und führte schließlich dazu, dass die Mitglieder den entsprechenden Statutenänderungen zustimmten und das Kerngeschäft von Kellerei auf Parkplatzbewirtschaftung änderten. Spätestens nach dem Bau der Tiefgarage im Jahr 2002 machte sich diese Entscheidung bezahlt. Die Genossenschaft Kellerei Algund wird heute in der Sparte „sonstige Genossenschaften im Raiffeisenverband“ geführt.

Unter den Mitgliedern der Genossenschaft gibt es heute kaum noch reine Weinbauern, sagt der Obmann: „Viele leben von Tourismus, Apfelanbau und Weinbau.“ Insgesamt kämen alle Mitglieder der Keller Meran Burggräfler zusammen auf insgesamt 240-250 Hektar Rebfläche. Dass sich das kaum mehr ändern wird, liegt daran, dass Gebiete für Weinbau mittlerweile klar ausgewiesen wurden und nur mehr Hanglagen dafür vorgesehen sind.

Seit der Fusion 1984 werden die Trauben der Mitglieder nach Marling in die Kellerei Meran Burggräfler transportiert und dort zu Wein verarbeitet und verkauft.

Für ihn war die Fusion im Rückblick die wichtigste Entscheidung im Verlauf seiner Obmannschaft. Heute ist er dankbar für die Möglichkeiten, die er als Obmann der Algunder Kellerei hatte: „Mir hat die Arbeit Spaß gemacht, man lernt viele interessante Menschen kennen.“

Das Besondere der Kellerei Algund sind die Mitglieder: „Die Algunder waren immer schon stolz auf ihre Kellerei.“ Daher war es ihnen auch wichtig im Zuge der Fusionsverhandlungen den Namen und das Kellereigebäude zu erhalten.

Nach der Fusion stand das Kellereigebäude in der Galileistraße längere Zeit leer. Der Keller wurde zeitweise als Party-Keller genutzt und Räume vermietet. Das Interesse der umliegenden Schulen an der Nutzung des Kellereiareals aus Platzmangel war groß, die Stadtverwaltung legte dafür bereits ein Angebot für eine langfristige Miete vor. Prunner erinnert sich: „Erst als wir uns entschlossen haben, auch im Interesse der Kaufleute, eine große öffentliche Tiefgarage zu bauen – übrigens die Erste im Zentrum von Meran – ist es uns gelungen, der Genossenschaft eine neue Tätigkeit zu geben. 2002 haben wir in knapp einem Jahr, einen Parkplatz und eine Tiefgarage verwirklicht.“

Mit dem neuen Jahrtausend wandte sich die Kellereigenossenschaft neuen Aufgaben zu und beschloss eine weitereichende Statutenänderung und die Namensänderung in Kellerei Algund. In den nachfolgenden Jahren konnte das Gebäude renoviert werden und vor zwei Jahren wurde auch das kleine rote Haus schräg gegenüber dem heutigen Verkaufsraum erneuert. Hier ist die „Schnaps-Küche“ untergebracht, die in der Kellerei Algund Tradition hat: bereits in den 20er Jahren wurde aus den Trestern der Mitglieder Schnaps hergestellt. Der hier gebrannte „Algunder Treber“ trägt seit den 90jahren in Anlehnung an EU Verordnungen und italienische Schutzbestimmungen die Qualitätsmarke „Grappa“.

Damit ist Prunner bei den neuen Plänen, der Kellerei Algund. Die Genossenschaft möchte nicht nur einen neuen Verkaufsraum errichten, sondern den großräumigen Keller für die Lagerung und Schauraum von Sekt der Meraner Kellerei ausbauen. Für das neue Projekt konnte der bekannte Vinschger Architekt Werner Tscholl gewonnen werden.

Den Status einer Genossenschaft zu halten war dem Obmann und den Mitgliedern immer sehr wichtig – auch wenn es über all die Jahre immer schwieriger geworden war eine „genossenschaftskonforme“ Tätigkeit zu haben. „Wir haben jetzt zwar keine Steuerbegünstigung mehr wie Genossenschaften, aber wir sind noch immer eine Genossenschaft und möchten das auch bleiben.

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