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Biobauer Alexander Agethle im Gespräch mit Roland Furgler von Ethical Banking.

Sinn und Nutzen stiften

Seit 20 Jahren vergibt Ethical Banking Förderkredite und unterstützt damit besondere Projekte, die Sinn und Nutzen stiften. Ein erfolgreiches Hilfe-zur-Selbsthilfe-Modell.

Biobauer Alexander Agethle im Gespräch mit Roland Furgler von Ethical Banking.

Zum genossenschaftlichen Auftrag der Raiffeisenkassen gehört es, sorgfältig mit den Spargeldern der Mitglieder und Kunden umzugehen und sie sichtbar und transparent im Tätigkeitsgebiet einzusetzen. Ethical Banking folgt dieser Raiffeisen-Tradition und arbeitet nach dem klassischen Leitgedanken von Friedrich Wilhelm Raiffeisen, sprich Solidarität, Hilfe zur Selbsthilfe und Selbstverantwortung.

Roland Furgler leitet seit 2011 den Bereich Ethical Banking.

Es war Helmut Bachmeyer, der als Mitarbeiter der Raiffeisenkasse Bozen das Ethical Banking Projekt in die Wege geleitet hat. Heute betreiben 24 Raiffeisenkassen dieses Geschäftsfeld mit. Insgesamt wird derzeit ein Volumen von 28 Mio. Euro verwaltet, wobei bereits über 70 Prozent dieser Einlagen als Förderkredite weitergegeben worden sind. Roland Furgler, Leiter des Bereichs Ethical Banking, sagt: „Damals sind immer mehr Kunden auf uns zu gekommen, die gesagt haben, wir wollen auch ein Projekt, wo wir genau wissen, was mit unserem Spargeld passiert“.

Unterschweighof in Ulten, ein weiteres Finanzierungsprojekt von Ethical Banking

Gutscheinprojekt

Eine der vielen Ethical Banking Projekte führt nach Schleis im Oberen Vinschgau. Dort führt der bekannte Biobauer Alexander Agethle mit seiner Familie die Hofkäserei Englhorn. Die Neubaufinanzierung der Käserei und des Hofladens wurde über einen Ethical Banking Förderkredit der Linie „Biologische Landwirtschaft“ abgewickelt. Für Alexander Agethle ist der Hofladen ein ganz wichtiges Element: „Einmal, weil wir über den persönlichen Kontakt die ehrlichste und glaubwürdigste Möglichkeit haben, unsere Philosophie auch zu übermitteln, und zum anderen ist der Ab-Hof-Verkauf ein wichtiges Standbein geworden“. Daneben setzt Alexander Agethle auch sein Gutscheinprojekt für den Käsevorverkauf erfolgreich um, und das funktioniert so: Der Kunde kauft den Käse vorab und bekommt die investierte Summe als Naturalien zurück. Für 500 Euro beispielsweise bekommt er zehn Jahre lang zwei Kilogramm Käse pro Jahr. Dieses alternative Finanzierungsmodell ist auch bei Ethical Banking Machern gut angekommen, erinnert sich Agethle und ergänzt: „Was uns bestärkt hat, ist die Tatsache zu spüren, da sind viele Leute, die dir das Vertrauen geben, in das was du machst, die das gut finden, was du machst, das ist letztlich eine unglaubliche Kraft, die wir alle in der Familie spüren, das ist nicht ein Druck, sondern hat sich als eine Kraft erwiesen.“

Sieben Förderkreditlinien

Neben der Förderkreditlinie für die Biologische Landwirtschaft fördert Ethical Banking mit den Spargeldern auch Projekte in folgenden Bereichen: Gerechter Handel, Bäuerlicher Notstandsfonds, Weniger Handicap – Menschen mit Beeinträchtigung, Erneuerbare Energien, Energetische Sanierung und Handwerk in Südtirol.

Der Sparer kann nicht nur wählen, in welchem Bereich die Raiffeisenkasse das Geld anlegen soll, sondern er beeinflusst mit seinem Verzicht auf Rendite auch den Förderzinssatz. Roland Furgler: „Weil wir den Durchschnittszinssatz aller Sparer pro Linie als Kreditzinssatz weitergeben, das ist ein Merkmal, das es eigentlich nur bei uns gibt, das bedeutet, je mehr verzichten, desto günstiger wird das geförderte Projekt für den Kreditnehmer.“

Allerdings sind Kredite durch die anhaltende Niedrigzinsphase seit Jahren ohnehin schon günstig. Das macht dem Modell des Ethical Banking zwar ein bisschen zu schaffen, aber: „Die Menschen, die sich für diese alternative Geldanlage interessieren, sind umso bewusster eingestellt, weil sie die Idee des Ethical Banking gut finden“, meint Furgler und ergänzt: „Auf der anderen Seite – wir haben immer tiefere Zinsen gezahlt als der Markt, weil wir eben dadurch Förderkredite vergeben können“.

Nachhaltiges Wohnen: Für den Bau dieses Wohnhauses in Ulten, das einem  Baumhaus ähnelt, wurde auch ein Förderkredit der Linie „Erneuerbare Energien“ beansprucht.

Nachhaltiges Wohnkonzept

Beispielsweise auch Förderkredite im Bereich der erneuerbaren Energien. Einen solchen Förderkredit in Kombination mit der Linie Biologische Landwirtschaft hat Thomas Egger in Anspruch genommen. Der Energie- und Umweltberater aus St. Pankraz in Ulten hat sich damit seinen Traum erfüllt und ein nachhaltiges Energie- und Wohnkonzept verwirklicht. „Das Haus haben wir wirklich versucht, so nachhaltig wie möglich zu machen“. Das Holz wurde zu 100 Prozent von einem Bauern bezogen und es wurde versucht, einheimische, lokale Firmen zu beauftragen. Der Bau wurde an das Gelände und an die Umgebung angepasst. „Fast ist ein Baumhaus daraus geworden“, sagt Egger. Und weiter zum Energiekonzept seines Hauses meint er: „Wir versuchen die gesamte Energie- und Stromversorgung so autark wie möglich zu machen – mit einem Batteriespeicher, auch dass wir unser Elektroauto damit betanken können und auch den Bedarf vom Haushalt autark mit dem Strom unserer Fotovoltaikanlage zu decken.“

In den 20 Jahren des Bestehens, hat Ethical Banking unzählige Projekte gefördert. Für die Zukunft denkt man bei Ethical Banking neben den bisherigen sieben Förderkreditlinien auch über weitere neue Linien nach. Allerdings: Neue Linien auf die Beine zu stellen, ist nicht ganz so einfach, denn hinter jedem Projekt muss auch immer Sinn und Nutzen stehen und auch die Kreditrückzahlung muss gewährleistet sein. Eine dieser neuen Linien könnte in Zukunft aber im Bereich der Elektromobilität liegen, meint Roland Furgler.

 

Aktion „Lass dich überraschen“

Anfang Mai hat Ethical Banking unter dem Motto „Lass dich überraschen – in Zeiten wie diesen gemeinsam wachsen!“ eine neue Aktion gestartet, um in der Coronazeit die kleinen lokalen Kreisläufe zu unterstützen. Bei der Aktion handelt es sich um eine Gemeinschaftsaktion mit mehreren lokalen Weinproduzenten bzw. Eigenbaukellereien. Roland Furgler erklärt: „Wir versuchen einfach einen Lichtblick aufzuzeigen in diesen schwierigen Zeiten, wo besonders auch die Weinbetriebe von Umsatzeinbußen sehr stark betroffen sind. Hotellerie und Gastronomie gibt es im Moment kaum. Mit der Aktion bieten wir den Sparern, aber auch allen Konsumenten, die Möglichkeit, einen Überraschungskarton mit sechs Flaschen Rot- oder Weißwein oder bunt gemischt zu bestellen“. Und das ist ganz einfach per E-Mail über info(at)ethicalbanking.it möglich. Diese besondere Aktion ist begrenzt und läuft bis zum 29. Mai dieses Jahres.

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