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Die Kinder, die den Waldkindergartens in Lichtenstern am Ritten besuchen, verbringen die gesamte Zeit im Freien. Nur wenn es ganz stark regnet bietet ein Tipi Schutz.

Waldkinder Lichtenstern am Ritten

Waldkinder Lichtenstern ist der Name der neu gegründeten Sozial-Genossenschaft am Ritten. Sie betreibt einen Waldkindergarten und eine Waldschule. Wie aus einer spontanen Elterninitiative eine alternative Bildungseinrichtung geworden ist.

Die Kinder, die den Waldkindergartens in Lichtenstern am Ritten besuchen, verbringen die gesamte Zeit im Freien. Nur wenn es ganz stark regnet bietet ein Tipi Schutz.

Als Ingrid Mair und Ute Mayr vor mittlerweile sieben Jahren beschlossen ihre Kinder im Freien zu betreuen, statt sie in einen Kindergarten zu schicken, waren sie vor allem begeistert: „Das erste Jahr sind wir mit zwei Kindern im Wald gesessen und haben nicht so genau gewusst, ob das überhaupt was wird“, erinnert sich Mair. Die eigentliche Ideengeberin Ute ist im Laufe des ersten Jahres verstorben. Leander Bechtold kam als Pädagoge dazu und nach und nach ist aus der spontanen Idee ein Waldkindergarten geworden.

Im zweiten Jahr besuchten bereits acht Kinder den Waldkindergarten und heute kommen Neuanmeldungen für die Betreuungsplätze im Waldkindergarten auf eine Warteliste. Die große Nachfrage liegt Ingrid Mair zufolge an der positiven Wirkung, die das ständige Draußen-Sein auf Kinder hat: „Im Wald zu sein ist ausgleichend und beruhigend. Es ist ansteckend zu sehen mit welcher Neugierde und Freude sich Kinder im Wald bewegen, wie sie entdecken, erforschen und einfach ausgeglichen sind“, so Ingrid Mair. Der Waldkindergarten ist mittlerweile offiziell anerkannt.

Das rasche Anwachsen der Initiative brachte die Initiatoren an organisatorische Grenzen. Ingrid Mair: „Bereits im ersten Jahr war klar, dass wir – auch versicherungstechnisch - alles auf breitere Beine stellen müssen. Wir haben zunächst einen Verein gegründet, weil das einfach die kostengünstigste Variante war und haben uns dann für die Gründung einer Sozialgenossenschaft entschieden. Im Moment sind wir ganz froh über diese Entscheidung“, betont Mair. Seit dem 1. September ist die Initiative als „Sozialgenossenschaft Waldkinder Südtirol“ eingetragen.

Waldschule: eine logische Konsequenz

Aus dem Waldkindergarten ist inzwischen eine Waldschule entwachsen. Für die Eltern der „Waldkinder“ war die Schule eine logische Konsequenz: unvorstellbar für sie, ihre Kinder in eine normale Regelschule zu schicken. Heute besuchen 23 Kinder unterschiedlicher Jahrgänge den Unterricht am Ritten, der sich auf die Grundlagen der Montessori-Pädagogik stützt. Die Kinder sind nicht in Klassen eingeteilt. Jedes Kind ist für sich und doch in der Gemeinschaft. Wenn beispielsweise ein Kind aus dem zweiten Schuljahr und ein Kind aus dem vierten Schuljahr sich für dasselbe Thema interessieren, erarbeiten sie es gemeinsam: jeder nach seinen Möglichkeiten. Ruth Gasser, eine der insgesamt sieben Lehrpersonen, die hier unterrichten, meint dazu: „Sie unterstützen sich gegenseitig und können sich auch zurückziehen, wenn sie etwas allein erarbeiten möchten.“ Auch sie ist überzeugt davon, dass Kindern der Wald guttut: „Vor allem Kinder mit ausgeprägtem Bewegungsdrang kommen hier zur Ruhe. Im Wald entstehen ganz natürlich Situationen, wo Kinder merken, wenn ich leise bin, kann ich auch mehr sehen, mehr beobachten und mehr spüren. Wer ein Eichhörnchen beobachten möchte, wird automatisch leiser“, weiß Ruth Gasser, die hier auch ihre eigenen Kinder unterrichtet und täglich von Brixen nach Lichtenstern pendelt.

Der Wald ist Schulraum und Anschauungsobjekt zugleich für Tiere, Pflanzen oder die jahreszeitlichen Veränderungen. Gasser und Mair zufolge wird jedem Kind die Möglichkeit geboten sich zu entwickeln, zu lernen und zu erleben. Das macht die Waldschule zu etwas Besonderen. Ingrid Mayr: „Das schöne und gleichzeitig herausfordernde ist, dass ich jedes Kind dort sein lassen kann, wo es gerade in seiner Entwicklung steht, aber auch gleichzeitig Möglichkeiten schaffe und aufzeige, wie es sich weiterentwickeln kann. Das ist das wunderbare hier.“

Insgesamt wünscht sich Ingrid Mayr, dass die Waldschule weiterwachsen kann. Und dass es noch viele mutige Menschen im Land gibt, die auf diesen Weg oder einen ähnlichen weitermachen.

Derzeit ist die Schule noch nicht als offizielle Bildungseinrichtung von Südtirol anerkannt. Das Anerkennungsverfahren für die Waldschule läuft jedoch.

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