Sonstige
Plattform Land
Die Ergebnisse der Workshops wurden auf der Abschlussveranstaltung diskutiert: v. l. Simon Ruatti, Jasmin Ladurner, Tanja Rainer, Thomas Schölzhorn, Andreas Schatzer, Michael Epp und Ulrich Höllrigl. 

Was Jugendliche wollen 

Warum junge Menschen in Dörfern bleiben oder abwandern, wollten der Südtiroler Jugendring und die Plattform Land wissen. In vier verschiedenen Gemeinden haben die Jugendlichen im Rahmen von Workshops ihre Ideen und Anliegen vorgebracht. Die Ergebnisse liegen nun vor. An allen Abenden wurde ein Thema besonders intensiv diskutiert. 

Die Ergebnisse der Workshops wurden auf der Abschlussveranstaltung diskutiert: v. l. Simon Ruatti, Jasmin Ladurner, Tanja Rainer, Thomas Schölzhorn, Andreas Schatzer, Michael Epp und Ulrich Höllrigl. 

Wenn es um Maßnahmen gegen Abwanderung und für attraktive ländliche Räume geht, sind Jugendliche gefragt. Denn meist sind es junge Menschen, die in die Städte ziehen. Was braucht eine Gemeinde also, um für Jugendliche attraktiv zu sein? Diese Frage haben sich der Südtiroler Jugendring und die Plattform Land gestellt und in vier Workshops in Naturns, Moos in Passeier, Uttenheim und Bozen (für die Gemeinden im Umland und im Unterland) die Jugendlichen selbst zu Wort kommen lassen. Auf der Abschlussveranstaltung „Land & Jugend“ im Kloster Neustift wurden nun die Ergebnisse präsentiert. 
„Das größte Anliegen der jungen Menschen auf dem Land ist das leistbare Wohnen“, sagte Peter Grund vom Südtiroler Jugendring. „Der Bau eines Eigenheimes ist dabei genauso genannt worden wie das Mieten einer Wohnung.“ In Uttenheim bemängelten die Jugendlichen, dass es so gut wie keine Mietwohnungen gibt und junge Menschen daher zu Hause wohnen bleiben oder in andere Gemeinden ziehen müssen. Abhilfe könnte die Nutzung von Leerständen schaffen. In Moos in Passeier wurde die Innenverdichtung als wichtiges Thema genannt; im Workshop in Bozen waren es die hohen Preise bei Kauf oder Miete einer Wohnung. In Naturns war die Vereinbarkeit von Tourismus und Einheimischen auf dem Wohnungsmarkt ein Thema. 

Auf der Herbstveranstaltung der Plattform Land wurde klar, dass die Gemeinden in Südtirol den Anliegen der Jugendlichen offen gegenüber stehen.

Wichtig für die Attraktivität der eigenen Gemeinde ist auch das Freizeit- und Sportangebot. „Dabei geht es nicht nur um Freizeit-Infrastrukturen wie Sport- und Kinderspielplätze, sondern auch um Kursangebote und das Angebot von Vereinen.“ Zugleich wünschen sich die Jugendlichen Strukturen, wo sie unter sich sind und auch mal feiern können.  

Hohe Priorität hat für Jugendliche das Thema Arbeitsplätze. „Ein großer Wunsch und häufig genannt sind attraktive Arbeitsmöglichkeiten.“ Besonders an flexiblen Arbeitszeitmodellen, wie das Arbeiten von zu Hause aus, sind die jungen Menschen interessiert. Auch sollte die Landesverwaltung Arbeitsplätze in den ländlichen Raum verlegen. Was es im ländlichen Raum mehr braucht, sind Arbeitsplätze für Akademiker. Den Jugendlichen beim Workshop in Naturns war zudem eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie Teilzeitarbeitsplätze ein Anliegen. In Bozen wurde die Vielfalt an Arbeitsplätzen als Anliegen genannt; in Uttenheim werden Unternehmen vor Ort als wichtig empfunden.

Der vierte Schwerpunkt, der bei allen Workshops zur Sprache kam, ist die Mobilität. „Jugendliche wünschen sich gut aufeinander abgestimmte Fahrpläne, um lange Wartezeiten zu vermeiden, und direkte Verbindungen in die urbanen Zentren“, so Grund. Mehrfach erwähnt wurde auch die Förderung von Fahrgemeinschaften. In Bozen kam der Vorschlag für eine App, die Mitfahrgelegenheiten anzeigt. Auch mehr Parkplätze an den Bahnhöfen und der Ausbau der Nightliners gehören zu den Anliegen der Jugendlichen. 
Weitere Themen, die die Jugendlichen bewegen, sind das Ehrenamt, Bildungsmöglichkeiten und das schnelle Internet. 

Insgesamt, und das wurde auf der Herbstveranstaltung der Plattform Land auch klar, stehen die Gemeinden in Südtirol den Anliegen der Jugendlichen offen gegenüber. Ein gutes Beispiel dafür ist die Gemeinde Truden. „Wir werden ein Mehrgenerationenhaus errichten, wo junge Menschen günstig in Miete wohnen können“, erklärte Bürgermeister Michael Epp. Zur Wertschätzung für die jungen Menschen gehört in Truden auch der Kinder- und Jugendgemeinderat. Abgesehen von diesen Projekten ist es Epp ein Anliegen, in engem Austausch mit den Jugendlichen zu stehen. Um Abwanderung zu verhindern, müsse noch besser kommuniziert werden, welch hohe Wohnqualität es auf dem Land gebe – besonders für junge Familien. 
Auf eine sehr positive Bevölkerungsentwicklung und viele Angebote für junge Menschen in Vahrn wies der Bürgermeister von Vahrn und Präsident der Plattform Land, Andreas Schatzer, hin. Ein besonderes Anliegen seien die Bergfraktionen Schalders und Spiluk. Hier gelte es, attraktive Angebote zu schaffen. 
Einig waren sich alle Teilnehmer, darunter die Jugendvertreter Simon Ruatti aus Naturns und Thomas Schölzhorn aus dem Passeiertal, dass junge Menschen in Entscheidungen auf Gemeindeebene mit einbezogen werden müssen. Auch die Landtagsabgeordnete Jasmin Ladurner unterstrich, wie wichtig das Engagement von Jugendlichen in einer Gemeinde sei. Viele Themen, die in den Gemeinden diskutiert werden, betreffen die Jugendlichen direkt. 
Ein generelles Modell für alle Gemeinden, wie Jugendliche mehr eingebunden werden können, gebe es nicht, denn jede Gemeinde habe ihre Eigenheiten. Darauf verwies die Vorsitzende des Südtiroler Jugendrings Tanja Rainer. Erfreulich ist, wenn einige Gemeinden mit positivem Beispiel vorausgehen.  

Auch in der Schweiz ist das Thema „Jugend und ländlicher Raum“ aktuell. Bereits seit einigen Jahren vergibt die „Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete“ die Auszeichnung „Jugendfreundliche Bergdörfer“ an Gemeinden, die sich besonders für die Belange der Jugendlichen einsetzen – ein Modell, das vielleicht auch in Südtirol bald Realität werden könnte. 
Für Plattform-Land-Geschäftsführer Ulrich Höllrigl ist das Rennen um die jungen Menschen im ländlichen Raum auf alle Fälle eröffnet. Viele Gemeinden engagieren sich bereits stark, um ihre Zukunft damit zu sichern. „Es ist zu überlegen, ob in Pilotgemeinden ein Modell ähnlich wie in der Schweiz umgesetzt werden kann. Auch könnten Co-Working-Spaces in ländlichen Gemeinden ein interessantes Modell werden.“

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