1.800 Flaschen Bio-Apfelsaft und gelebte genossenschaftliche Praxis 

Sieben Monate nach ihrer Gründung ziehen die Mitglieder der Schülergenossenschaft OFL Fruit der Fachoberschule für Landwirtschaft in Auer eine positive Bilanz. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: 1.800 Flaschen Bio-Apfelsaft – produziert, abgefüllt und etikettiert – stehen im schuleigenen Hofladen zum Verkauf bereit. Gleichzeitig haben sich die Schülerinnen und Schüler fundierte Kenntnisse über das Genossenschaftswesen angeeignet. 

Vor kurzem blickten die 20 Schülerinnen und Schüler der vierten Klasse der landwirtschaftlichen Oberschule in Auer im Rahmen eines Workshops im Raiffeisenhaus in Bozen auf die bisherige Tätigkeit ihrer Schülergenossenschaft zurück. Karl Heinz Weger, Mitgliederbetreuer, sowie Sophie Raifer vom Fachbereich Soziales & Non Profit, die das Projekt begleiteten, bedankten sich bei den Jugendlichen für ihr großes Engagement und die konstruktive Zusammenarbeit. „Vor sieben Monaten habt ihr am Happacherhof die Schülergenossenschaft gegründet und inzwischen mit Leben erfüllt“, betonten sie anerkennend. 

Ausgangspunkt der Arbeit bildete das von den Schülerinnen und Schülern selbst erarbeitete Statut. Darin wurden die Tätigkeitsfelder der Schülergenossenschaft klar definiert: die Verarbeitung und Veredelung landwirtschaftlicher Produkte, deren Vermarktung, die Umsetzung von Nachhaltigkeitsprojekten sowie Initiativen zur Stärkung des Gemeinschaftssinns. 

In den vergangenen Monaten setzten die Jugendlichen ihre Genossenschaftsidee konsequent um. Von der Geschäftsidee, eigenen Bio-Apfelsaft herzustellen, durchliefen sie den gesamten Produktionsprozess – von der Ernte und Reinigung der Äpfel über die Entsaftung und Erhitzung bis hin zur Abfüllung, Etikettierung und Vermarktung des Endprodukts. Der Bio-Apfelsaft aus Topaz-Äpfeln, insgesamt in 1.800 Flaschen abgefüllt, wird nun im schuleigenen Hofladen angeboten. Das Etikett ließen die Schülerinnen und Schüler in Anlehnung an die bereits bestehenden Weinetiketten der landwirtschaftlichen Oberschule entwerfen. 

Mit dem Projektverlauf und den erzielten Ergebnissen zeigten sich die Mitglieder der Schülergenossenschaft sehr zufrieden. Obmann Christoph Peterlin und Vizeobfrau Irene Trienbacher hoben insbesondere den starken Zusammenhalt innerhalb der Gruppe hervor: „Zusammenhalt und Vertrauen in der Gemeinschaft sind sehr wichtig. Wir konnten darauf vertrauen, dass jede und jeder die zugeteilte Arbeit gewissenhaft erledigt. Nur so kann man gemeinsam etwas schaffen“, erklärten sie. 

Diese Einschätzung teilten auch die Mitglieder des Verwaltungsrates – Matthias Zuech, Manuel Bampi, Anna Oberhofer, Simon Schweiggl und Emma Stenico. Auch die weiteren Mitglieder der Genossenschaft bewerteten das Projekt positiv: Jonas Alber, Matthias Bauer, Simon Grossgasteiger, Lena Gufler, Dominik Kienzl, Nikolaia Mamming, Lena Maoret, Sindy Montibeller, Simon Pinzger, Jakob Profanter, Raphael Stuffer, Celine Thurner und Amelie Werth. Besonders die praktischen Tätigkeiten, wie das Abfüllen des Saftes sowie die Auseinandersetzung mit Vermarktungsfragen, seien laut den Mitgliedern sehr lehrreich gewesen. Zudem konnten Problemlösungskompetenz und Verantwortungsbewusstsein gestärkt werden, da es der Gruppe gelang, auch bei Herausforderungen – etwa beim richtigen Erhitzen des Saftes – gemeinsam Lösungen zu finden. 

Genossenschaftliches Denken als zentrale Erfahrung 

Vertrauen, gegenseitige Unterstützung und die Aufteilung von Aufgaben nach individuellen Stärken standen im Mittelpunkt der gemeinsamen Arbeit. „Es gibt keinen Menschen, der alles kann. In der Genossenschaft werden die Kompetenzen aufgeteilt – davon profitieren alle, und gemeinsam erreicht man mehr“, lautete eine zentrale Erkenntnis. Gleichzeitig erfuhren die Jugendlichen, dass Entscheidungsprozesse in der Gemeinschaft Zeit und Geduld erfordern, wenn unterschiedliche Meinungen und Perspektiven aufeinandertreffen. 

Einblick in Marketing und Vermarktung 

Wie wichtig Marketing und Sichtbarkeit für den wirtschaftlichen Erfolg eines Produktes sind, verdeutlichte Cornelia Kupa vom Fachbereich Marketing. „Ziel ist es, mit der Obstproduktion Einnahmen zu erzielen. Dafür muss man wissen, wie ein Produkt bekannt gemacht und am Markt positioniert wird“, erklärte sie und gab den Jugendlichen praxisnahe Einblicke in Vermarktungsstrategien. 

Karl Heinz Weger hob abschließend die Bedeutung von Schülergenossenschaften hervor: „Solche Initiativen fördern unternehmerisches, betriebswirtschaftliches und kooperatives Denken und stärken zugleich das Gemeinschaftsgefühl.“ 

Kontinuität und Ausblick 

Die Schülergenossenschaft OFL Fruit Gen. setzt auf Kontinuität. In enger Zusammenarbeit mit dem Lehrpersonal – unter der Federführung des betreuenden Fachlehrers Martin Nock – sowie mit Unterstützung des Raiffeisenverbandes Südtirol werden sich auch die nachfolgenden Schülerinnen und Schüler mit dem Genossenschaftswesen beschäftigen, das Projekt übernehmen und weiterführen. 

Die Idee der Schülergenossenschaft stammt ursprünglich aus Deutschland, wo 2006 das erste Projekt dieser Art umgesetzt wurde. In Südtirol wurde 2019 an der Fachschule für Hauswirtschaft und Ernährung in Tisensdie erste Raiffeisen-Schülergenossenschaft unter dem Namen „hondgmocht – hausgmocht“ gegründet, die bis heute aktiv ist. Die positiven Erfahrungen der OFL Fruit Gen. zeigen, dass dieses Modell auch weiterhin großes Potenzial für eine praxisnahe Ausbildung junger Menschen bietet.