„Die Glaubwürdigkeit unserer wissenschaftlichen Arbeit“

Praxisrelevante Erkenntnisse für die Berglandwirtschaft, das war das Ziel der Studie des Forschers an der Freien Universität Bozen, Thomas Zanon. Ihm wurde ihm Rahmen einer Tagung mit der Accademia dei Georgofili der erste Studienförderpreis des Raiffeisenverbandes Südtiroler überreicht.

Vergangene Woche richtete der Raiffeisenverband Südtirol, der zu seinen 360 Mitgliedern die großen Genossenschaften der Berglandwirtschaft zählt, gemeinsam mit der Accademia dei Georgofili eine Tagung zur Nutztierhaltung im alpinen Raum aus. Akkreditiert war diese von der Berufskammer der Agronomen und Forstwirte Bozen. Der mit 2.500 Euro dotierte Studienförderpreis des Raiffeisenverbandes ging an den Forscher der Freien Universität Bozen, Thomas Zanon.

Herr Zanon, Sie haben den Studienförderpreis des Raiffeisenverbandes für Ihre wissenschaftliche Arbeit „Auswirkungen von Beweidung, Rasse und Fütterung auf die Qualität und das Mikrobiota der Milch in alpinen Systemen“ erhalten – könnten Sie grob das Ziel Ihrer Studie erläutern?

Ziel der Studie war es, den Einfluss verschiedener alpiner Milchproduktionssysteme auf die Zusammensetzung und mikrobiologische Qualität von Kuhmilch zu untersuchen. Im Fokus standen Herden mit unterschiedlichen Fütterungsintensitäten, Rinderrassen und Haltungsformen. Im Vergleich zu Vorgängerstudien wurden hierbei erstmals eine größere Anzahl an Praxisbetrieben für die Untersuchung berücksichtigt, um praxisrelevante Erkenntnisse für die Berglandwirtschat zu generieren. 

Welches sind die wichtigsten Ergebnisse?

Die Ergebnisse belegen, dass nicht der Betrieb oder die Rasse, sondern die Jahreszeit und das damit verbundene Fütterungsmanagement die Milch am stärksten prägen. Während im Sommer die Vielfalt der Mikroorganismen auf den Almen steigt, welche eine mögliche positive Auswirkung auf die sensorischen und organoleptischen Eigenschaften der Milch haben kann, sind im Winter vor allem probiotisch wirksame Firmicutes vermehrt vorhanden. Potenziell problematische Actinobacteria, die Euterentzündungen verursachen können, nehmen hingegen ab.

Über welchen Zeitraum und in welchem Umfang wurde die Studie erstellt?

Die Studie wurde im Zweijahreszeitraum von 2021 bis 2022 durchgeführt. Insgesamt wurden 12 Bergmilchviehbetriebe mit den Rassen Südtiroler Grauvieh und Braunvieh in der Untersuchung berücksichtigt. Es wurden für jeden Betrieb jeweils 5 Milchkühe ohne klinische Eingriffe/Behandlungen im Hinblick auf Eutergesundheit im Juli 2021 und Februar 2022 beprobt. Für die chemischen und mikrobiologfischen Untersuchung standen 120 Probesammlungen zu Verfügung. 

Wie und wo wird die Studie zur Anwendung kommen?

Die Ergebnisse der Studie liefert neuartige Erkenntnisse über die Auswirkung der Fütterung und Haltung der Tiere auf die mikrobiologische Zusammensetzung der Milch. Letztere gibt Aufschluss über mögliche gesundheitliche und technologisch relevante Eigenschaften der Milch für die Lebensmittelproduktion. 

Landesrat Luis Walcher hat bei der Tagung am Freitag hervorgehoben, dass Sie als Forscher im universitären Umfeld Weise Theorie und Praxis in einzigartiger vereinen. Als wie wichtig erachten Sie selbst diese Verknüpfung?

Die Verknüpfung von Theorie und Praxis erachte ich als zentral für die Weiterentwicklung unserer Landwirtschaft und für die Glaubwürdigkeit der wissenschaftlichen Arbeit. Theorie allein bleibt abstrakt, wenn sie nicht im praktischen Umfeld überprüft und angewandt wird. Umgekehrt verliert Praxis an Innovationskraft, wenn sie nicht durch wissenschaftliche Erkenntnisse gestützt und weiterentwickelt wird. Gerade im universitären Umfeld sehe ich es als meine Aufgabe, Brücken zu bauen: Wir müssen Forschungsergebnisse so aufbereiten, dass sie für Landwirte, Verbände und politische Entscheidungsträger verständlich und nutzbar sind. Gleichzeitig fließen die Erfahrungen aus der Praxis zurück in die Forschung und schärfen unsere Fragestellungen. Diese Wechselwirkung schafft nicht nur Mehrwert für die landwirtschaftliche Produktion und Nachhaltigkeit, sondern stärkt auch das Vertrauen zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. In diesem Sinne ist die Verbindung von Theorie und Praxis nicht nur wichtig, sondern unverzichtbar für eine zukunftsfähige Landwirtschaft.