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Vollversammlung: Raiffeisenverband zieht Bilanz

Raiffeisenverband Südtirol zieht positive Bilanz – Außergewöhnliches Geschäftsjahr 2020 – Raiffeisen-Genossenschaften: „Ökosystem unternehmerischer Vielfalt“ – Verwaltungs- und Aufsichtsrat neu gewählt.

Mit einer erweiterten Wertschöpfung von 1,4 Mrd. Euro zeigt sich das Raiffeisen-Genossenschaftswesen im Geschäftsjahr 2020 trotz Covid-19-Pandemie ungebrochen stark und leistungsfähig. Das wurde bei der Jahresvollversammlung des Raiffeisenverbandes im Kurhaus Meran betont. Dabei wurde auch der Verwaltungs- und Aufsichtsrat neu gewählt. Verbandsobmann Herbert Von Leon wurde im Amt bestätigt.

„Das Geschäftsjahr 2020 war ein außergewöhnliches Jahr, das den Raiffeisen-Genossenschaften ein hohes Maß an Einsatz und Flexibilität abverlangte“, sagte Verbandsobmann Herbert Von Leon in seiner Rede. Die 39 Raiffeisenkassen samt der Raiffeisen Landesbank haben sich als verlässliche Partner für Mitglieder und Kunden erwiesen. In der Krise gewährten sie rasche Darlehensstundungen und Überbrückungskredite und trugen zu günstigen Finanzierungen für Familien und Unternehmen bei. Die landwirtschaftlichen Genossenschaften entwickelten sich unterschiedlich: Die Obstgenossenschaften erzielten im Geschäftsjahr 2019/20 eine gute Vermarktungssaison. Die Kellereigenossenschaften mussten aufgrund des Lockdowns einen für die Sparte ungewohnten Markteinbruch verzeichnen. Die Molkereigenossenschaften blicken auf ein schwieriges, aber stabiles Geschäftsjahr 2020 zurück. Die Sozialgenossenschaften mussten 2020 ihre Dienste aufgrund der Pandemiebestimmungen zeitweise einstellen. Auch die weiteren Genossenschaften der Segmente Energie & Wasser, Konsum & Dienstleistungen und Soziales & Non-Profit waren durch die Pandemie mit neuen Herausforderungen konfrontiert, konnten ihrem Auftrag gut nachkommen.

6.000 Euro Bruttowertschöpfung je Haushalt

Ende 2020 zählte der Raiffeisenverband 363 Mitglieder, davon 329 Genossenschaften (mit 164.262 Einzelmitgliedern) und 34 Körperschaften ohne Revisionspflicht. 36 Prozent der Südtiroler Genossenschaften sind dem Raiffeisenverband angeschlossen. VerbandsobmannHerbert Von Leon: „Unsere Mitgliedsgenossenschaften konnten 2020 ihre große wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung im Land untermauern. Gerade in der Krise hat sich das Genossenschaftsmodell durch flexibles Agieren und Zusammenhalt bewährt.“ Die Raiffeisen-Genossenschaften weisen zusammen eine Bilanzsumme von 22 Mrd. Euro auf und erwirtschafteten eine erweiterte Wertschöpfung von 1,4 Milliarden Euro, was über 6.000 Euro an Bruttowertschöpfung je Haushalt in Südtirol entspricht. Sie erbringen Leistungen zugunsten der über 8.000 Mitarbeiter in Höhe von 430 Millionen Euro. Die Gesamtauszahlungen an die Mitglieder der landwirtschaftlichen Genossenschaften der Sparten Obst, Wein und Milch für die angelieferten Waren betrugen rund 700 Millionen Euro. Sie bilden damit ein starkes Rückgrat der kleinstrukturierten landwirtschaftlichen Betriebe und sind ein Garant für den Erhalt des ländlichen Raumes.

Lanze für genossenschaftliche Vielfalt

„Die Raiffeisen-Genossenschaften sind für viele Südtiroler zum Alltag geworden. Es gibt wohl kaum einen Haushalt, der nicht die Leistung einer Raiffeisen-Genossenschaft in Anspruch nimmt“, meinte Generaldirektor Paul Gasser in seiner Rede. Gasser brach eine Lanze für die große Vielfalt des Genossenschaftswesens und sagte: „Unsere Genossenschaften bilden zusammen ein einzigartiges Ökosystem unternehmerischer Artenvielfalt, das ein wirkungsvolles und wohltuendes Gegengewicht zum Trend der globalen Gleichschaltung darstellt.“ Dabei hob er den permanenten Einsatz des Raiffeisenverbandes für den Schutz und Erhalt dieser genossenschaftlichen Vielfalt und der unternehmerischen Eigenständigkeit der Mitgliedsgenossenschaften hervor. In dieser Hinsicht konnte der Raiffeisenverband im Geschäftsjahr 2020 beispielsweise mit der Anerkennung des institutsbezogenen Sicherungssystems (IPS) für die Raiffeisenkassen durch die Aufsichtsbehörde einen besonderen Erfolg einfahren. Nach einem jahrelangen zähen Ringen konnte mit dem IPS die Eigenständigkeit und die genossenschaftliche Ausrichtung der 39 Raiffeisenkassen gesichert und eine Konzernbildung abgewendet werden. „Die Erreichung des italienweit ersten IPS ist ein herausragendes Beispiel genossenschaftlicher Interessenvertretung“, betonte HerbertVon Leon und hob dabei auch die notwendige politische Unterstützung dankend hervor.

Bewegtes und erfolgreiches Geschäftsjahr

Das Geschäftsjahr 2020 war für den Raiffeisenverband als ein bewegtes, aber erfolgreiches Jahr. „In einem von Covid-19 verunsicherten Umfeld richteten wir unser Augenmerk neben dem Schutz und der Gesundheit der Mitarbeiterschaft vor allem auf die Stärkung der Stabilität und Leistungsfähigkeit der Mitgliedsgenossenschaften“, sagte Verbandsobmann Herbert Von Leon. In der Pandemie erweiterte der Raiffeisenverband seine Beratungs- und Unterstützungsleistungen, die von Mitgliedern verstärkt genutzt und nachgefragt wurden. Gleichzeitig setzte er die Neuausrichtung der Verbandsorganisation fort und trieb strategische Projekte voran. So wurde mit der Gründung der RIS KonsGmbH das Rechenzentrum des Raiffeisenverbandes in eine eigene Konsortialgesellschaft ausgelagert und die strategische Neuausrichtung des IT-Bereichs abgeschlossen. Im Geschäftsjahr 2020 wurden zudem die Umsetzung eines Kunden Service Centers vorangetrieben und weitreichende Schritte in Richtung Digitalisierung des Verbandes gesetzt. „Wir wollen damit nicht nur die Effizienz der Abläufe steigern, sondern vor allem die digitale Interaktion mit unseren Mitgliedern weiter verstärken“, sagte Generaldirektor Paul Gasser. Neben zahlreichen anderen Projekten wurde im Geschäftsjahr 2020 auch eine Markenstrategie zur Führung des Giebelzeichens als Marke genossenschaftlichen Handelns erarbeitet.

Zahlreiche Ehrengäste

An der Jahresvollversammlung im Kurhaus Meran nahmen neben den Vertretern der Mitgliedsgenossenschaften zahlreiche Ehrengäste teil. Darunter unter anderem EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann, Kammerabgeordnete Renate Gebhard, Senator Dieter Steger, Senator Meinhard Durnwalder, Confcooperative-Präsident Maurizio Gardini, Federcasse-Präsident Augusto dell’Erba, der Obmann des Raiffeisenverbandes Tirol Hermann Kuenz und der Präsident des Genossenschaftsverbandes Trient Roberto Simoni sowie der Aufsichtsratsvorsitzende der Raiffeisen Landesbank Kärnten Robert Lutschnounig teil. Landeshauptmann Arno Kompatscher richtete sich in einer Videogrußbotschaft an die Vollversammlung. Darin betonte er unter anderem, dass das Genossenschaftswesen die Pandemie gut bewältigen konnte und im vergangenen Jahr mit dem IPS es gelungen ist, die Eigenständigkeit der Raiffeisenkassen als lokale Genossenschaftsbanken zu erhalten.

Geehrt

Im Rahmen der Vollversammlung wurden auch die ausgeschiedenen Verwaltungsräte geehrt, darunter Obmannstellvertreter Erich Ohrwalder, der fast 21 Jahre im Verwaltungsrat des Raiffeisenverbandes tätig war. Ebenso wurde der langjährige Revisionsdirektor Robert Nicolussi geehrt. Er leitete fast 20 Jahre lang erfolgreich die Revisionsdirektion im Raiffeisenverband und ist im vergangenen Oktober in den Ruhestand getreten. Für seine langjährige Tätigkeit im Schlichtungskollegium wurde Baron Carl Eyrl geehrt.

Gremien neu bestellt

Bei der Vollversammlung des Raiffeisenverbandes wurde der Verwaltungs- und Aufsichtsrat neu gewählt.

Der neue Verwaltungsrat setzt sich wie folgt zusammen: Herbert Von Leon, Robert Zampieri, Andreas Tappeiner, Alois Karl Alber, Michael Bradlwarter, Georg Egger, Georg Kössler, Ursula Thaler, Thomas Oberhofer, Johann Josef Spechtenhauser, Johannes Runggaldier, Kaspar Platzer, Andreas Sapelza, Paulina Schwarz, Eva Pramstrahler, Nikolaus Kerschbaumer, Karl Hofer

Der neue Aufsichtsrat setzt sich wie folgt zusammen: Josef Auer (Vorsitzender), Andreas Josef Jud und Florian Kiem (effektive Mitglieder), Manuela Hochrainer und David Feichter (Ersatzmitglieder)

Am Nachmittag traf sich der neugewählte Verwaltungsrat zur konstituierenden Sitzung, bei welcher Herbert Von Leon zum Verbandsobmann, Robert Zampieri zum 1. Obmannstellvertreter und Alois Karl Alber zum 2. Obmannstellvertreter gewählt wurden. Als Mitglieder des Vollzugsausschusses wurden Paulina Schwarz und Andreas Sapelza ernannt.