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Papstaudienz: Der Mensch im Mittelpunkt

Anlässlich des 135. Jahrestages der Sozialenzyklika Rerum Novarum empfing Papst Leo XIV. heute im Vatikan Vertreter des genossenschaftlichen Kreditwesens – darunter Delegationen der Raiffeisenkassen sowie der BCC-Banken.

Der Papst erinnerte daran, dass Banken „in erster Linie mit Menschen und nicht mit Kapital zu tun haben“. Hinter Zahlen stünden Frauen und Männer, Familien und Betriebe, die Unterstützung, Vertrauen und Perspektiven brauchen.

Leo XIV. unterstrich die große Verantwortung der Banken für die strukturelle und kulturelle Entwicklung einer Gesellschaft. Kapital, Investitionen und wirtschaftliche Entscheidungen müssten immer dem Wohl des Menschen dienen. Finanzinstitute seien aufgerufen, sich an einer „Ethik der Solidarität“ zu orientieren und ihre Rolle als gegenseitige Unterstützungs- und Gemeinschaftseinrichtungen weiterhin aktiv wahrzunehmen.

Mit seiner Namenswahl knüpft Papst Leo XIV. bewusst an das soziale Vermächtnis von Papst Leo XIII. an, dem Verfasser der Sozialenzyklika Rerum Novarum. Die Enzyklika gilt bis heute als Grundstein der katholischen Soziallehre und stellt soziale Gerechtigkeit, Verantwortung und das Gemeinwohl in den Mittelpunkt.

Es waren rund 250 Vertreter*innen der italienischen Kreditgenossenschaften sowie des Dachverbandes Federcasse zugegen, darunter 16 Obleute der Südtiroler Raiffeisenkassen gemeinsam mit Verbandsobmann Herbert Von Leon und Andreas Mair am Tinkhof, Leiter des Bereichs Banken im Raiffeisenverband Südtirol.

„Für uns war es ein überaus bedeutendes Erlebnis, Teil jener Delegation gewesen zu sein, die heute den Papst treffen durfte“, so Herbert Von Leon, Obmann des Raiffeisenverbandes. Besonders wertvoll sei die Botschaft gewesen, dass Genossenschaften das Wohl der Gemeinschaft über den Gewinn des Einzelnen stellen. 

Federcasse-Präsident Augusto Dell’Erba betonte dazu: „Die Botschaft und der Inhalt von Rerum Novarum sind aktueller denn je. Wer an Wirtschaft denkt, muss zugleich an Finanzen und an den sozialen Zusammenhalt der Menschen denken – beides kann nicht getrennt betrachtet werden.“

Deutliche Worte fand der Papst auch gegen das „egoistische Anhäufen von Kapital“. Vielmehr gelte es, soziale Strukturen und Beziehungen zu fördern, die den Menschen in den Mittelpunkt stellen. 

 

Fotos: Raiffeisenverband, @VaticanMedia