Raiffeisen Energy: Zusammenarbeit und erneuerbare Energiequellen

Nicht erst seit Beginn des Ukrainekrieges steht der Energiemarkt im Zentrum der allgemeinen Aufmerksamkeit. Die globale Erderwärmung, Klimaschutz und steigende Energiepreise erfordern konkrete Maßnahmen zur Klimawende. Mit der Übernahme von Infosyn 4.0 GmbH und Umbenennung in Raiffeisen Energy hat der Raiffeisenverband konkrete Schritte gesetzt, um seine Mitgliedsgenossenschaften im Bereich Energie professionell zu unterstützen. Wie es dazu kam, erläutert Gisella Novelli, Managing Director von Raiffeisen Energy.

Raiffeisen Nachrichten: Am 3. Dezember 2021 übernahm der Raiffeisenverband die Anteile der Infosyn 4.0 GmbH, die bisher der Konverto AG gehörten und hat daraus Raiffeisen Energy GmbH gemacht. Können Sie uns erzählen, wie es dazu kam?

Gisella Novelli: Der Raiffeisenverband war schon länger auf der Suche nach neuen Möglichkeit Genossenschaften im Bereich Fernwärme- Wasser- und Energie zu unterstützten und zwar über die klassischen Dienste, wie Steuern- und Buchhaltungsservice, hinaus. Er wollte die Mitglieder auch beim Austausch mit den Regulierungsbehörden und bei der Gestaltung von Geschäftsprozessen fachlich zur Seite stehen. Aus diesem Grund hat der Raiffeisenverband die Firma Infosyn 4.0 GmbH übernommen und deren Leistungen integriert. Raiffeisen Energy ist praktisch die Kirsche auf der Torte. Mit der Schaffung von Raiffeisen Energy ist auch von außen klar erkennbar, dass wir zur Raiffeisengruppe gehören. Damit haben die Mitgliedsgenossenschaften einen einzigen Ansprechpartner, der alle 360 Grad-Leistungen anbietet.

Wie kann sich eine Mitgliedsgenossenschaft die Arbeit von Raiffeisen Energy vorstellen?

Gisella Novelli: Der Raiffeisenverband informiert die Mitglieder über unsere Dienstleistungen. Als Softwareunternehmen liefern wir die Software für die Verwaltung und das Management für sämtliche Prozesse im Energiebereich also Strom, Gas und Fernwärme. Für kleinere Kunden übernehmen wir die Fakturierung, Meldungen und Norm-Anpassungen. Wir informieren unsere Kunden über neue Normen und Gesetze und inwieweit sie davon  betroffen sind. Unsere Abteilungen bieten auch juristische Begleitung und Trading. Zusammen mit Alperia kümmern wir uns auch um den Verkauf und Einkauf von Energie.

Wie wird sich Raiffeisen Energy künftig weiterentwickeln?

Gisella Novelli: Im Bereich Energy brauchen wir neue Geschäftsmodelle. Ich glaube sehr stark an Zusammenschlüsse und die Zusammenarbeit, vor allem für die Kleinen. Die zwei Ziele von Raiffeisen Energy sind: Die Bildung von Energiegemeinschaften und die Nutzung von erneuerbaren Quellen zu fördern. Wenn sich die Genossenschaften und kleinen Gesellschaften zu einem starken Netzwerk zusammenschließen, können sie gemeinsam verwalten und gestalten. Das ist der Weg für mich.

Wie weit ist die Umsetzung?

Gisella Novelli: Mit dem Projekt Energiegemeinschaften sind wir gemeinsam mit dem Raiffeisenverband gestartet und haben schon viele Anfragen bekommen. Sobald die geseztlichen Rahmenbedingungen passen, können wir starten. Einen Businessplan haben wir inzwischen erarbeitet, kennen den Break-even-point und wissen, wann es sich wirtschaftlich auszahlt eine Energiegemeinschaft zu gründen. Im Bereich Netzwerkvertrag sind wir in der Analyse- und Planungsphase. Auch hier gibt es schon Genossenschaften, die ihr Interesse bekundet haben. In Kürze starten wir mit den ersten Schritten der Durchführung und rechnen damit, bis zum 31.12.2023 die erste Phase der Zusammenschlüsse abzuschließen.

Das heißt die Energiewende in Südtirol ist eingeleitet?

Gisella Novelli: Ja, diese neuen Geschäftsmodelle brauchen wir dringend. Für die Kleinen wird es immer schwieriger, denn der bürokratische Aufwand nimmt zu und die Kosten steigen. Wir müssen Wege finden, die Kleinen zu unterstützen und sie gegenüber der Provinz und Rom zu vertreten – ganz im Sinne der Raiffeisenidee.

Wie bringen Sie die kleinen Genossenschaften dazu diesen Schritt zu machen?

Gisella Novelli: Wir sprechen alle einzeln an, informieren sie und erarbeiten ein Projekt mit ganz konkreten Schritten. Das Gemeinsame ist der Schlüssel für den Erfolg der neuen Generation im Bereich Energie. Schön ist, dass unser ganzes Team dran glaubt.

Wie sind Sie dazu gekommen in diesem Bereich zu arbeiten?

Gisella Novelli: Da muss ich mich beim Generaldirektor des Raiffeisenverbandes, Paul Gasser, bedanken. Es war Zufall. Ich habe in der Vergangenheit zwischen 2000 und 2010 im Energiebereich gearbeitet und mich dann beruflich verändert. Letztes Jahr, im Gespräch mit Herrn Gasser habe ich meine Meinung über Energiethemen ausgesprochen und daraufhin hat er mich gefragt, ob ich nicht für die heutige Raiffeisen Energy GmbH arbeiten möchte: ich hatte Vorwissen und ähnliche Werte. Ich war begeistert von diesem Vorschlag. Es ist eine herausfordernde Aufgabe, die auch viel Genugtuung gibt und zufrieden macht. 

Man sieht Ihnen die Begeisterung an. Was fasziniert Sie an diesem Bereich?

Gisella Novelli: Meine persönlichen Werte entsprechen den Werten der Organisation, der ich angehöre und außerdem ist der Bereich Energie komplex und ich liebe Komplexität. Wenn man keine Veränderungen mag, ist das nicht der richtige Job.

Gibt es etwas, das Sie abschließend noch hinzufügen möchten?

Gisella Novelli: Als ich letztes Jahr gekommen bin hat mich keiner gekannt. Inzwischen haben wir schrittweise gegenseitiges Vertrauen aufgebaut. Die Genossenschaften rufen an, arbeiten mit und sprechen ganz offen. Ich bedanke mich für dieses Vertrauen unserer Kunden und Genossenschaften.

Vielen Dank für das Gespräch!

Gisella Novelli stammt aus Bozen, hat viele Jahre im Ausland gearbeitet (USA, Nordeuropa, Nordafrika und Deutschland). Seit 17 Jahren ist sie wieder in Bozen und freut sich hier zu sein. Sie liebt Veränderungen und Herausforderungen.