Raiffeisenverband
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Stabil und solide: Raiffeisenverband zieht Bilanz über Geschäftsjahr 2021

Der Raiffeisenverband Südtirol zog heute Bilanz über ein gutes Geschäftsjahr 2021. Trotz pandemiebedingter Einschränkungen entwickelte sich das Raiffeisen-Genossenschaftswesen positiv und zeigt sich solide, stabil und leistungsstark. 

„Für den Raiffeisenverband war 2021 ein intensives und erfolgreiches Jahr“, sagte Verbandsobmann Herbert Von Leon im Pavillon des Raiffeisenhauses. Dabei wurde der Raiffeisenverband seiner Rolle als Interessenvertreter der Mitgliedsgenossenschaften gut gerecht. Als Errungenschaft nannte Von Leon die Novellierung des Regionalgesetzes Nr. 1/2000, um die strengen staatlichen Vorgaben für die Leitungsorgane von Banken an die lokalen Gegebenheiten anzupassen. „Dadurch können in den Raiffeisenkassen auch weiterhin Menschen aus der Breite der Bevölkerung als Verwaltungsräte tätig sein und die Basis der Mitglieder bleibt angemessen vertreten“, sagte Von Leon. Ebenso unterstützte der Raiffeisenverband das im Regionalrat beschlossene Gesetz für die Bürgergenossenschaften. „Eine zukunftsträchtige Form, um Gemeinwohl und aktive Bürgerbeteiligung vor Ort zu stärken“, so Verbandsobmann Von Leon. In Zusammenarbeit mit den Energieunternehmen Alperia und Regalgrid Europe bündelte der Raiffeisenverband im Berichtsjahr das Know-how für die Gründung genossenschaftlicher Energiegemeinschaften. 

Mitgliedsgenossenschaften entwickeln sich positiv

Die Mitgliedsgenossenschaften des Raiffeisenverbandes konnten sich im zweiten Pandemiejahr trotz steigendem Kostendrucks positiv entwickeln. Die Raiffeisenkassen mit der Raiffeisen Landesbank verzeichneten Zuwächse bei den Einlagen und Ausleihungen: Die direkten Kundeneinlagen stiegen um 8 Prozent auf 13,7 Mrd. Euro, die Ausleihungen stiegen um 5 Prozent auf über 11 Mrd. Euro; der Überschuss lag mit 143 Mio. Euro deutlich über dem 10-Jahres-Durchschnitt. Die landwirtschaftlichen Genossenschaften entwickelten sich unterschiedlich und konnten trotz starker Kostensteigerungen ihre Markposition behaupten. Die Obstgenossenschaften blicken auf ein positives Geschäftsjahr 2020/21 zurück und zahlten den Mitgliedern über 415 Mio. Euro aus. Die Kellereigenossenschaften verzeichneten nach dem Markteinbruch im Vorjahr eine rege Nachfrage und zahlten den Mitgliedern für die angelieferten Trauben 72,6 Mio. Euro aus. Die Molkereigenossenschaften verbuchten ein schwieriges Geschäftsjahr und zahlten den Milchlieferanten mit 213 Mio. Euro etwas weniger als im Vorjahr aus. Die 54 Energiegenossenschaften produzierten im Geschäftsjahr 249 Gigawattstunden Strom und 395 Gigawattstunden Fernwärme. Die 11 Einkaufs- und Konsumgenossenschaften erzielten gute Ergebnisse und stärkten die lokale Nahversorgung durch neue Geschäftseröffnungen. Die Sozialgenossenschaften steigerten ihren Umsatz nach der schwierigen Pandemie um 15 Prozent deutlich und verbuchten steigende Mitgliederzahlen. Dem Raiffeisenverband gehören weiters Viehwirtschaftsgenossenschaften, sonstige landwirtschaftliche Genossenschaften, Wassergenossenschaften, Wohnbau- und Parkplatzgenossenschaften, Kindergarten- und Kulturheimgenossenschaften und sonstige Genossenschaften an.

„Genossenschaften sind gut für Südtirol“

Generaldirektor Paul Gasser, der mit Jahresende nach 13 Jahren an der Spitze in den Ruhestand tritt, betonte, dass sich die Leistungsstärke der Raiffeisen Genossenschaften in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten unverändert gut und stabil entwickelt hat. Beispielhaft nannte er die Raiffeisenkassen, die heute einen Marktanteil von über 50 Prozent halten und allein in den letzten 5 Jahren ihre Einlagen um fast 30 Prozent und die Kredite um 25 Prozent steigern konnten. Generaldirektor Gasser hob auch die Bedeutung der landwirtschaftlichen Genossenschaften des Obst-, Wein-, Milch- und Tierzuchtsektors für das Überleben der kleinstrukturierten Landwirtschaftsbetriebe hervor. „Dadurch blieb Südtirol weitgehend vom Prinzip „wachse oder weiche“ verschont, welches in anderen Ländern viele Landwirte zur Auflassung ihrer Betriebe zwingt“, meinte Gasser. Alle 369 Mitglieder des Raiffeisenverbandes fördern die Verteilung von Wohlstand und Lebensqualität und die lokale Beschäftigung. Mit einer im Berichtsjahr erarbeiteten neuen Markenstrategie für das Raiffeisen-Giebelzeichen mit dem gemeinsamen Marken-Claim „Raiffeisen Genossenschaften. Gut für mich. Gut für Südtirol“ soll künftig die Bedeutung und Vielfalt der Raiffeisen-Genossenschaften in der Öffentlichkeit sichtbarer und greifbarer gemacht werden.

Zahl der Einzelmitglieder stark gestiegen

Von den knapp 900 Genossenschaften in Südtirol gehören über ein Drittel dem Raiffeisenverband an. Ende 2021 zählte er 369 Mitglieder, davon 338 Genossenschaften und 31 Körperschaften ohne Revisionspflicht. Als neue Mitglieder kamen eine Einkaufs- und Konsumgenossenschaft, sieben Wohnbaugenossenschaften und sechs Genossenschaften des Segments „Soziales & Non Profit“ dazu. Verbandsobmann Herbert Von Leon: „Die Mitgliedsgenossenschaften haben 2021 ihre wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung im Land weiter gefestigt“. Die Zahl der Einzelmitglieder erhöhte sich um fast 30 Prozent von über 164.000 auf 211.430. So konnte die Wechselseitige Hilfsgesellschaft Mutual Help, welche Leistungen in der privaten Gesundheitsvorsorge bietet, ihre Mitgliederzahl enorm ausweiten. Die Raiffeisen-Genossenschaften weisen zusammen eine Bilanzsumme von 24,5 Mrd. Euro auf und erwirtschafteten eine erweiterte Wertschöpfung von 1,43 Milliarden Euro, was über 6.300 Euro an Bruttowertschöpfung je Haushalt in Südtirol entspricht. Sie erbringen Leistungen zugunsten der über 8.300 Mitarbeitenden in Höhe von 430 Millionen Euro. „Die Zahlen zeigen, dass die Raiffeisen Genossenschaften Großartiges leisten und gut für Südtirol sind“, meinte Generaldirektor Paul Gasser.

„Raiffeisen Welfare“ gestartet

„Im Geschäftsjahr 2021 stand die Stärkung der Stabilität und Leistungsfähigkeit unserer Mitgliedsgenossenschaften im Vordergrund“, sagte Verbandsobmann Von Leon. Dazu gehörte eine wirksame Netzwerkarbeit. So richtete der Raiffeisenverband einen neuen Koordinierungsausschuss für die Energiegenossenschaften ein, um angesichts der Umwälzungen im Energiesektor deren Interessen gezielt zu vertreten. Durch die Einrichtung von Koordinierungstischen auf zentraler Ebene hat man der internen Vernetzung Rechnung getragen. Dies gilt für IT der Raiffeisenkassen und ihrer Verbundpartner, für die Digitalisierung in der Landwirtschaft und für die Aus- und Weiterbildung in der Raiffeisenorganisation wurde der internen Vernetzung Rechnung getragen. Mit neuen Managementtools wie einer digitalen Zeiterfassung und einem Ticketingsystem sowie mit einem in der Umsetzung befindlichen neuen digitalen Kundenportal trieb der Raiffeisenverband intern die Digitalisierung voran. Mit „Raiffeisen Welfare“ wurde im Berichtsjahr ein innovatives Leistungspaket zur betrieblichen Wohlfahrt eingeführt, das neben den Mitarbeitenden auch von Dritten über die Organisation hinaus beansprucht wird. Der Zugriff auf die Welfare-Leistungsangebot erfolgt über eine interaktive Online-Plattform und umfasst Produkte und Dienstleistungen vorwiegend lokaler Lieferanten.

Zahlreiche Ehrengäste

An der Jahresvollversammlung im Raiffeisenhaus in Bozen nahmen neben den Vertretern der Mitgliedsgenossenschaften zahlreiche Ehrengäste teil. Darunter unter anderem Abt Eduard Fischnaller vom Kloster Neustift, EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann, Senator Dieter Steger, Senator Meinhard Durnwalder, Landesrätin Maria Hochgruber Kuenzer, SBB-Obmann Leo Tiefenthaler und Direktor Siegfried Rinner, Federcasse-Präsident Augusto dell’Erba, Maurizio Cannistraro (Direktor Banca d’Italia, Filiale Bozen), der Direktor der OeNB West Armin Schneider, der Obmann des Raiffeisenverbandes Tirol Hermann Kuenz, Marc-Dominic Plomitzer von der R+V Versicherung in Wiesbaden, die Präsidentin Monica Devilli und der Direktor Stefano Ruele von Coopbund Alto Adige Südtirol, Handelskammer-Präsident Michl Ebner sowie die Direktorin des Amtes für die Entwicklung des Genossenschaftswesens Manuela Paulmichl teil.