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Südtiroler Raiffeisenkassen: Im Austausch mit deutschen Banken

Wie setzen Regionalbanken Veränderungen um? Wie gelingt es, Strategien nicht nur zu entwickeln, sondern auch in die Praxis zu integrieren? Und was können Südtiroler Raiffeisenkassen von Banken in Deutschland lernen? Beim Entscheider-Forum 2026 trafen Führungskräfte aus Südtirol und Deutschland aufeinander – und sprachen offen über Herausforderungen, Erfahrungen und Lösungswege.

Bereits zum sechsten Mal fand am 25. September das Entscheider-Forum statt. Der Raiffeisenverband Südtirol hatte gemeinsam mit Ulrich Thaidigsmann, Consulting für Entscheider in Genossenschaftsbanken und Sparkassen, Führungskräfte aus Südtiroler Raiffeisenkassen und deutschen Regionalbanken in die Haselburg oberhalb von Bozen eingeladen. Thaidigsmann brachte die Kernthemen auf den Punkt: „Wie bedeutet Kundenorientierung in Zeiten von KI und Digitalisierung? Und wie sichern wir das Kerngeschäft einer Bank im Wettbewerb mit Neobrokern? Spannende Fragen, zu denen der Management-Austausch von Bank-Entscheidern aus Südtirol und Deutschland wertvolle neue Impulse ergab.“

Vertreterinnen und Vertreter aus 19 Südtiroler Raiffeisenkassen trafen in der Haselburg auf Frank Kraaz, Vorstandsmitglied der VR-Bank Ludwigsburg, Hans-Jörg Maier, Vorstandsmitglied der Volksbank Bühl, Bernd Hochberger, Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse München, und Stephan Vomhoff, Geschäftsführer von Heidelberger Erfolgsimpulse.

Im siebenstündigen Austausch standen Themen im Fokus, die Regionalbanken dies- und jenseits des Brenners beschäftigen:

  • Strategieentwicklung und -umsetzung, 
  • Führung und Unternehmenskultur, 
  • Personalengpässe und 
  • die Frage, wie Banken Veränderungen schneller umsetzen können

Roman Guagliardi vom Fachbereich Aus- und Weiterbildung im Raiffeisenverband, der das Entscheider-Forum mitorganisiert hat, zeichnen diese unterschiedlichen Perspektiven den Wert dieses Formats aus: „Vom grenzüberschreitenden Austausch untereinander profitieren alle: Es hilft, die eigenen Herausforderungen aus neuen Blickwinkeln zu betrachten, Erfahrungen offen zu teilen und daraus konkrete Impulse für die eigene Arbeit mitzunehmen.“

Auch Michael Santa, Vizedirektor der Raiffeisenkasse Schlern-Rosengarten, sieht im grenzüberschreitenden Austausch die Stärke des Entscheider-Forums und in der Expertise von Ulrich Thaidigsmann, der im genossenschaftlichen Bankensektor sehr gut verankert ist und die branchenspezifischen Herausforderungen im In- und Ausland kennt. Besonders interessant war es für ihn zu erfahren, wie Banken in Deutschland mit bestimmten Fragestellungen umgehen: Welche Lösungen haben sie entwickelt? Was wurde bereits ausprobiert? Und was hat sich in der Praxis bewährt? „Das ist sehr wichtig für uns, da sie viele Dinge schon ausprobiert haben, für die wir oft zu klein sind“, sagt Santa. Bemerkenswert fand er die Bereitschaft, Wissen zu teilen und auch über Erfahrungen zu sprechen, die nicht ohne Weiteres von außen sichtbar werden.

Die Größenverhältnisse unterscheiden sich zum Teil erheblich: Einzelne der vertretenen deutschen Banken erreichen Dimensionen, die mit jenen des gesamten Südtiroler Raiffeisenverbundes vergleichbar sind. Gerade deshalb eröffne der Austausch Einblicke in andere Herangehensweisen und Strukturen.

Vom „Inside-out“ zum „Outside-in“

Ein weiterer Schwerpunkt des Entscheider-Forums war der Blick auf die Kundinnen und Kunden. Dabei ging es um die Frage: Wie schaffen traditionelle Banken den Perspektivwechsel von „Inside-out“ zu echtem „Outside-in“?

Stephan Vomhoff, Geschäftsführer Heidelberger Erfolgsimpulse, bringt diesen Ansatz auf eine einfache Formel: „Also nicht: Was wollen wir als Bank verkaufen? Sondern: Was beschäftigt unsere Kundschaft gerade wirklich – und welche Antwort können wir darauf geben?“

Damit verbunden sind konkrete Herausforderungen. Wie kann angesichts veränderter Zinsen eine intelligente Einlagenstrategie aussehen, die nicht beim nächsten Sonderangebot endet? Wie gelingt es Banken, ihre Leistungen so zu erklären, dass Kundinnen und Kunden deren Relevanz erkennen? Und wie können gerade kleinere Regionalbanken ihre besondere Stärke – Nähe, kurze Entscheidungswege und die genaue Kenntnis ihres Marktes – konsequent nutzen?

Doch auch die beste Strategie bringt wenig, wenn sie nicht umgesetzt wird. Deshalb beschäftigten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer damit, wie strategische Vorhaben fokussiert und schneller in die Praxis gebracht werden können. Diskutiert wurde unter anderem die OKR-Methode als Möglichkeit, Prioritäten klarer zu setzen und dem „zu viel auf einmal“ entgegenzuwirken.

Fazit: Veränderung ist nicht allein eine Frage von Methoden und Prozessen. Führung, Unternehmenskultur und Emotionen spielen ebenso eine Rolle. Hinzu kommt der zunehmende Personalengpass, der Banken vor neue organisatorische und strategische Fragen stellt. Und dass Banken in Südtirol und Deutschland trotz unterschiedlicher Rahmenbedingungen vieles verbindet.