WIFO – Wirtschaftsbarometer Sommer 2026: Hohe Energiepreise und Inflation belasten das Geschäftsklima

Der neue Inflationsdruck, ausgelöst durch den Krieg im Iran und den Anstieg der Energiepreise, belastet die Ertragslage der Südtiroler Unternehmen. Dennoch dürfte diese auch heuer in etwa 90 Prozent der Fälle befriedigend ausfallen. Das WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen erwartet, dass das Südtiroler BIP im Jahr 2026 um 0,6 Prozent wachsen wird.

Wie das WIFO - Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen in einer Presseaussendung schreibt, hat die schwierige internationale geopolitische Lage, mit dem anhaltenden Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran sowie den wiederholten Blockaden der Straße von Hormus, zu einer leichten Verschlechterung des Geschäftsklimas der Südtiroler Unternehmen gegenüber dem Frühjahr geführt. 

Der vom WIFO berechnete Index ist um 3,7 Punkte auf 15,9 gesunken. Die Unternehmen beklagen insbesondere einen breiten Kostenanstieg und eine allgemeine Verschlechterung der betrieblichen Wettbewerbsfähigkeit. Die Investitionen stagnieren, auch aufgrund der großen Ungewissheit. Die Umsatzentwicklung wird heuer vom Anstieg der Verkaufspreise profitieren, dürfte sich jedoch gegenüber dem Vorjahr verlangsamen. Das Umsatzwachstum wird weiterhin von den größeren Unternehmen getragen, während kleinere Betriebe mit weniger als zehn Beschäftigten mit einem Rückgang der Absatzmengen rechnen.

Trotz dieser Schwierigkeiten gehen 89 Prozent der Unternehmen davon aus, eine (zumindest) befriedigende Ertragslage zu erreichen. Die Erwartungen unterscheiden sich jedoch stark zwischen den einzelnen Sektoren: Am größten ist der Optimismus im Tourismus und im Transportwesen, wo mehr als neun von zehn Unternehmen mit einer zufriedenstellenden und häufig sogar guten Ertragslage rechnen. Verhaltener fallen hingegen die Prognosen der landwirtschaftlichen Genossenschaften und der Einzelhandelsunternehmen aus.

Die Beschäftigungsentwicklung ist weiterhin positiv: In der ersten Jahreshälfte 2026 belief sich die Zahl der unselbstständig Beschäftigten in Südtirol auf über 234.400, das sind 2,0 Prozent mehr als im selben Zeitraum des vergangenen Jahres. Auch die Einstellungsabsichten der Unternehmen bleiben positiv, wenn auch mit einer leichten Abschwächung gegenüber dem Frühjahr.

Internationale Wirtschaft: Der Krieg im Nahen Osten bremst das Wachstum

Der Krieg im Nahen Osten verursacht eine Verlangsamung der Konjunktur weltweit. Das geringere Angebot aus dem Persischen Golf hat die Energiepreise sowie die Preise zahlreicher wichtiger Rohstoffe für Industrie und Landwirtschaft deutlich steigen lassen und damit die Inflation beschleunigt. Auf internationaler Ebene bestehen zudem weitere Ungewissheitsfaktoren sowohl im Handel als auch in der Geopolitik, insbesondere der Krieg in der Ukraine und die Zwischenwahlen in den Vereinigten Staaten. Vor diesem Hintergrund hat die OECD ihre Schätzungen für das globale BIP-Wachstum nach unten korrigiert, von 3,4 Prozent im Frühjahr auf aktuell +2,8 Prozent.

Auch wenn die teilweise Unterbrechung der Gas- und Erdöllieferungen vor allem die asiatischen Länder direkt getroffen hat, hat die europäische Wirtschaft angesichts ihrer starken Abhängigkeit von internationalen Lieferungen ebenfalls unter dem kräftigen Anstieg der Energiepreise gelitten. Laut OECD dürfte sich das Wachstum im Euroraum heuer auf +0,8 Prozent verlangsamen, während die Inflationsrate auf 2,8 Prozent steigen wird. In den Vereinigten Staaten dürfte die Preissteigerung 2026 sogar 3,7 Prozent erreichen, das BIP-Wachstum sollte jedoch bei rund zwei Prozentpunkten bleiben.

Auch heuer wird Italien weniger wachsen als der europäische Durchschnitt

Laut OECD dürfte die italienische Wirtschaft auch 2026 lediglich um einen halben Prozentpunkt wachsen. Grund dafür sind die negativen Auswirkungen der steigenden Energiepreise auf den Konsum, die Kaufkraft der Haushalte, die Investitionen und die Exporte. Einen positiven Beitrag zum Wachstum dürfte hingegen auch heuer noch der Nationale Aufbau- und Resilienzplan (PNRR) leisten. Die Entwicklung am Arbeitsmarkt blieb in den ersten Monaten des Jahres positiv: Im Mai 2026 lag die Beschäftigungsquote bei 63,0 Prozent, während die Arbeitslosenquote auf 5,0 Prozent sank.