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30 Jahre Sozialgenossenschaft Coccinella: "Wie eine große Familie"

Die Sozialgenossenschaft Coccinella betreut Kinder im Alter von wenigen Monaten bis drei Jahren. Am 30. November 2025 feiert sie ihr 30jähriges Bestehen. Vizeobfrau Manuela Forrer blickt im Interview zurück - und stellt Diego Tristan Borelli vor, der einst als Kleinkind bei Coccinella betreut wurde und heute im Team als Kinderbetreuer arbeitet.

Frau Forrer, über die Arbeit der Sozialgenossenschaft Coccinella haben Sie einmal gesagt: "Es gibt keine andere Arbeit, in der der Tag mit einer Umarmung beginnt”.
Manuela Forrer: Genau so ist es. Die Umarmung eines Kindes, das dich mit einem Lächeln begrüßt, zeigt dir, dass du etwas Schönes und Wichtiges tust. Auch wenn ich heute nicht mehr direkt mit Kindern arbeite, erfüllt es mich, Familien zu unterstützen. Wenn ich merke, dass wir den Eltern wirklich helfen können, gehe ich zufrieden nach Hause.

Heuer feiert die Sozialgenossenschaft Coccinella ihr 30jähriges Bestehen. Was sehen Sie, wenn Sie zurückblicken?
Forrer: Eine beeindruckende Entwicklung. Heute betreiben wir 25 Kleinkindertagesstätten in der gesamten Provinz – vom Ritten über das Eisacktal bis ins Überetsch, etwa in Kurtinig, und neuerdings auch im Burggrafenamt mit den Standorten Mölten und Gargazon. Wir sind regional stark verwurzelt. Auch unser Dienst hat sich seit 2012 stark verändert: Damals war die Rolle der Kinderbetreuerin noch wenig anerkannt. Heute sind unsere Mitarbeitenden qualifiziert, viele sind akademisch ausgebildet, und die pädagogische Arbeit steht im Mittelpunkt. Auch die Räumlichkeiten und Materialien haben sich verbessert – wir setzen auf Holz, natürliche Stoffe und ein kontinuierlich weiterentwickeltes pädagogisches Konzept.

Eine Besonderheit bei Coccinella ist die Zweisprachigkeit ...
Forrer: Genau. Wir bemühen uns, durch muttersprachlich italienische und deutsche Mitarbeiter*innen ein zweisprachiges Umfeld zu schaffen. Das wird von den Eltern sehr geschätzt – auch wenn dieser Weg im Kindergarten nicht fortgesetzt wird. Zumindest legen wir die Grundlagen.

In diesen 30 Jahren haben sich auch Familien geändert…
Forrer: Sehr sogar. Früher betreuten wir auch Kinder von Müttern, die gar nicht arbeiteten. Heute haben Familien Vorrang, in denen die Eltern berufstätig sind. Auch die Öffnungszeiten haben sich angepasst: Früher blieben die Kinder oft bis zum Abend, heute liegt die maximale Betreuungszeit bei acht Stunden pro Tag – das ist auch ein Schutz für die Kleinen. Die Eltern sind heute präsenter, interessierter und möchten verstehen, wie wir arbeiten. Besonders die Eingewöhnungsphase hat sich stark verändert: Früher durften Eltern die Einrichtung kaum betreten, heute nehmen wir uns mindestens zwei Wochen Zeit, um gemeinsam mit ihnen Schritt für Schritt Vertrauen aufzubauen. Das ist ein großer Fortschritt.

Gibt es etwas, auf das Sie besonders stolz sind?
Forrer: Auf die Entwicklung der Genossenschaft und darauf, wie sie gewachsen ist. Ich selbst habe als Kinderbetreuerin begonnen und bin heute Vizeobfrau – ein langer, aber schöner Weg. Besonders berührt es mich, wenn ehemalige Kinder, wie Diego, heute Teil unseres Teams sind. Auch die Wertschätzung der Eltern tut gut – und der Abschiedsschmerz, wenn die Kinder in den Kindergarten wechseln, zeigt, wie eng die Bindung geworden ist.

Diego Tristan Borelli, Sie waren bereits als Kind hier und arbeiten heute als Kinderbetreuer bei Coccinella. Wie kam das?
Diego Tristan Borelli: Ich kenne Coccinella praktisch mein ganzes Leben lang. Ich war zweieinhalb Jahre alt, als ich in die Einrichtung an der Talfer kam. Später nahm ich an den Sommerprogrammen teil und half, sobald es möglich war, bei der Organisation mit. Während der Schulzeit, im Alter zwischen 15 und 18 Jahren, habe ich hier mein Praktikum absolviert. Mein Interesse an diesem Beruf war schon immer groß, auch wenn ich zunächst einen anderen Weg eingeschlagen habe. Ich machte eine Ausbildung als Kfz-Mechaniker, entschied mich dann aber, die Ausbildung an der Levinas zu absolvieren, um Kinderbetreuer zu werden. Mein Ziel war es, eines Tages bei Coccinella zu arbeiten.

Wie ist es heute, hier zu arbeiten?
Borelli: Sehr schön. Die Arbeit mit den Kleinsten erfüllt mich. Jeder Tag ist anders, voller neuer Eindrücke. Ein glückliches Kind zu sehen, eine Umarmung oder eine Zeichnung geschenkt zu bekommen – das sind besonders wertvolle Momente. Außerdem ist es ein sicherer Beruf mit geregelten Arbeitszeiten, ohne Nachtschichten oder Feiertagsarbeit – auch das ist wichtig.

Es ist jedoch immer noch ein sehr weiblich geprägter Beruf, oder?
Borelli: Ja, das stimmt. Anfangs war es nicht einfach, in einem fast ausschließlich weiblichen Umfeld zu arbeiten, aber ich wurde sehr herzlich aufgenommen. In meiner Einrichtung gab es bereits einen weiteren männlichen Kollegen und unseren Koch, den ich seit Jahren kenne. Das hat mir den Einstieg erleichtert.

Wie wichtig ist die Anwesenheit männlicher Kinderbetreuer?
Borelli: Sehr wichtig. Kinder verbinden weibliche Bezugspersonen oft mit ihrer Mutter und männliche mit dem Vater. Eine männliche Bezugsperson ermöglicht andere Spiel- und Erfahrungsformen, oft mehr körperlichere Aktivitäten. Außerdem ist in manchen Familien die Vaterfigur aus beruflichen oder anderen Gründen wenig präsent – da kann eine männliche Bezugsperson in der Kita ein wichtiges Gegengewicht sein.

Vom Automechaniker zum Kinderbetreuer - was war die größte Herausforderung?
Borelli: Anfangs war es die Reaktion mancher Eltern auf einen männlichen Betreuer. Einige taten sich schwer, Vertrauen zu fassen – teils wegen meines jungen Alters, teils weil sie einen männlichen Betreuer einfach nicht gewohnt waren. Mit der Zeit haben sie mich kennengelernt, und die Vorurteile sind verschwunden.

Wie kann man sich den Tagesablauf bei Coccinella vorstellen?
Borelli: Der Tag beginnt mit der Begrüßung und freiem Spiel, danach folgt der Morgenkreis und eine kleine Jause. Ab 10 Uhr finden je nach Wochenplan verschiedene Aktivitäten statt – Spaziergänge, Malen, freies Spielen oder Gartenzeit. Gegen 11 Uhr essen wir gemeinsam zu Mittag, anschließend kommt Körperpflege, Ruhe und Entspannung. Einige Kinder werden früher abgeholt, andere bleiben bis 16 oder 17 Uhr. Der strukturierte Tagesablauf gibt den Kindern Sicherheit. Und durch das gemeinsame Leben in der Gruppe lernen sie Rücksicht zu nehmen, zu teilen und gemeinsame Rhythmen zu finden – eine wertvolle Vorbereitung für die Schule und das Leben.

Wie würden Sie Coccinella abschließend beschreiben?
Borelli: Wie eine große Familie. Ich wurde als Kind aufgenommen und konnte mich hier sei es persönlich als auch beruflich weiterentwickeln und entfalten. Ich fühle mich Teil einer Realität, die wirklich an das glaubt, was sie tut. Darauf bin ich stolz.

Vielen Dank für das Gespräch!

Zum 30-jährigen Bestehen organisiert die Sozialgenossenschaft Coccinella eine Jubiläumsveranstaltung im Hotel Sheraton am 30.11.2025 um 11 Uhr – ein Rückblick auf drei Jahrzehnte engagierte Arbeit und gemeinsames Wachsen.