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Brücke statt Barriere: Digitalisierung inklusiv gestalten

Am 17. Mai begehen die Vereinten Nationen den World Telecommunication and Information Society Day, um das Bewusstsein für die Chancen zu schärfen, die das Internet und Kommunikationstechnologien für die Gesellschaft bieten. Gleichzeitig sollen Wege aufgezeigt werden, um die digitale Kluft zu überwinden, damit Digitalisierung eine Brücke und keine Barriere darstellt.

Der Raiffeisenverband nimmt den Welttag der Telekommunikation und Informationsgesellschaft zum Anlass, um auf die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit Beeinträchtigung hinzuweisen, beim Zugang zu Internet oder anderen Kommunikationstechnologien. Generaldirektor Christian Tanner hebt hervor: „Die Digitalisierung hat unseren Alltag grundlegend verändert. Vielen Menschen mit Beeinträchtigung brachte die technologische Entwicklung neue Möglichkeiten der Teilhabe. Andere hingegen sehen sich mit neuen Hürden konfrontiert. Daher ist es wichtig, deren Bedürfnisse mitzudenken und Unterstützung zu bieten.“

Auch Richard Stampfl, Landesvorsitzender des Vereins adlatus, der sich für die Mobilität und gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigung einsetzt, bringt diese Ambivalenz auf den Punkt: „Digitalisierung insgesamt ist eine wunderbare Sache, die viele Chancen bietet, aber auch Barrieren darstellt, die es abzubauen gilt.“

Im Interview unterstreicht er: „Vereine wie adlatus schauen, dass Menschen barrierefrei unterwegs sein können. Wir sprechen mit Gaststätten über barrierefreie Toiletten, weisen auf die Bedürfnisse von beeinträchtigten Menschen hin und beraten Organisationen auch bei der Gestaltung einer barrierefreien Webseite. Es ist nicht einfach, sich vorzustellen, welche Probleme Menschen mit Beeinträchtigung haben.“

Dass digitale Lösungen im Alltag enorme Erleichterungen bieten, zeigt der Blick auf Hilfsmitteln für sehbehinderte Menschen bis hin zu sprach-gesteuerten Anwendungen oder Onlineschulungen: „Technologien können Selbstständigkeit fördern und Abhängigkeiten reduzieren. Jemand, der sehbehindert ist, kann mit dem Handy beispielswiese Straßenschilder oder Anzeigetafeln mit einer digitalen Lupe lesbar machen. Oder mit einem einfachen Videoanruf kann blinden oder sehbeeinträchtigten Menschen weitergeholfen werden, wenn sie sich verirrt haben oder nicht mehr weiterwissen“, so Stampfl.

Auch Online-Angebote im Bereich Bildung und Finanzdienstleistungen bieten mehr Selbstbestimmung, da man unabhängig von Ort und Zeit lernen, Studien abschließen oder Bankgeschäfte erledigen kann. 

Wenn Digitalisierung zur Hürde wird

Doch so groß die Chancen der neuen Errungenschaften sind, so real sind auch die Herausforderungen. Denn nicht alle Menschen haben Zugang zu digitalen Technologien – sei es aus finanziellen Gründen, aufgrund fehlender Kompetenzen oder wegen körperlicher bzw. kognitiver Einschränkungen. Auch ältere Menschen tun sich mitunter schwer mit Handys oder Internet. Werden Dienstleistungen ausschließlich digital angeboten, kann das Menschen ausschließen und ihr Handeln einschränken.

Auch sprachliche Barrieren spielen bei der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben eine große Rolle – nicht nur für Menschen mit Beeinträchtigung, sondern auch für Personen mit geringer Sprachkompetenz oder ohne Alphabetisierung: „Menschen mit nicht Deutsch oder Italienisch als Muttersprache oder nicht alphabetisierte Menschen stehen vor einer Barriere. Eine einfache Sprache kann da zu mehr Selbstständigkeit verhelfen,“ so Stampfl. Eine sogenannte Leichte Sprache folgt genauen Regeln wie das Büro für Leichte Sprache OKAY des Südtiroler Verbandes Lebenshilfebetont. Es bietet umfassende Unterstützung bei der Übersetzung in leichtes Italienisch oder Deutsch in einfache Sätze und gut verständlichen Wörtern und zusätzlichen Erklärungen für Fachbegriffe. 

Damit liegt ein zentraler Schlüssel zur digitalen Teilhabe in der barrierefreien Gestaltung von Webseiten und Angeboten. Das bedeutet, dass Inhalte in einfacher Sprache formuliert, klar strukturiert und in großer Schrift publiziert werden. 

Barrierefreiheit ist mehr als Technik

Doch Barrierefreiheit ist mehr als Technik – sie erfordert ein Umdenken, da spezielle Bedürfnisse nicht automatisch mitgedacht werden. Ein oft unterschätzter Aspekt ist die soziale Dimension der Digitalisierung. Die fortschreitende Digitalisierung kann zur Isolation beitragen und dadurch sowohl die physische als auch die psychische Gesundheit negativ beeinflussen. Dazu betont Stampfl: „Persönliche Begegnungen im Alltag, beispielsweise mit netten Bankbeamten oder Busfahrer*innen, bleiben essenziell – sei es im Alltag oder im Verein. 

Sensibilisierung und Bildung

Um die Vorteile der Digitalisierung für alle zugänglich zu machen, braucht es gezielte Maßnahmen. Stampfl nennt drei zentrale Ansatzpunkte: „Die einfache Sprache, Schulungen vor allem für Menschen mit Beeinträchtigung und gesellschaftliche Sensibilisierung. Denn die digitale Welt ist kompliziert und es ist wichtig, dass alle Menschen daran teilhaben können. Alles andere ist diskriminierend.“

Er verweist darauf, dass Barrierefreiheit ein Weg ist, der gegangen werden muss, da er gesetzlich vorgeschrieben ist. Dabei sei es naheliegend Vereine der Betroffenen mit einzubeziehen, wie Independent, der Verein der Sehbehinderten oder auch Adlatus. Dort gibt es Fachleute, die wissen, worauf man Rücksicht nehmen soll. Dies geschehe jedoch noch viel zu wenig.

Der World Telecommunication and Information Society Day erinnert daran, dass digitale Teilhabe ein gemeinschaftlicher Auftrag ist. Es geht nicht nur um Innovation, sondern auch um Verantwortung: dafür zu sorgen, dass niemand zurückgelassen wird. Denn Digitalisierung per se ist weder inklusiv noch ausschließend – sie ist das, was Menschen daraus machen. Sie kann Brücken bauen oder Gräben vertiefen.

Der Verein adlatus ist ein privater Verein für Menschen mit Beeinträchtigung EO, der sich seit 1978 für die Anliegen von Menschen mit Beeinträchtigung einsetzt. Die Schwerpunkte des Vereins sind Freizeitgestaltung, die Gewährleistung von Mobilität und die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für architektonische und mentale Barrieren.