Raiffeisen Nachrichten: Warum wurde die Stiftung Wohnen Südtirol gegründet?
Leo Resch: Die Stiftung Wohnen setzt sich für leistbare Mietwohnungen ein, damit breite Bevölkerungsschichten eine passende Mietwohnung finden können. In den nächsten Jahren möchten wir in allen Bezirken des Landes Mietwohnungen anbieten.
Wie soll das gelingen?
Lisa Ploner: Unser Ziel ist es, möglichst viele Mietwohnungen zu bauen oder bestehende Kubaturen zu sanieren und in allen Bezirken des Landes aktiv zu werden.
Leo Resch: Wir stehen bereits mit vielen Gemeinden in Kontakt. Je nach Bedürfnissen der Gemeinden und ihrer Bürgerinnen und Bürger unterscheiden sich auch die Bauprojekte. Da gibt es beispielsweise Bestandsgebäude wie in Latsch, eine ältere Wohnbauzone in Margreid oder zu entwickelnde Wohnbauzonen wie in Bruneck oder die „Rast-Wiesen“ in Eppan.
Welche konkreten Ziele verfolgt die Stiftung Wohnen Südtirol?
Lisa Ploner: Unser Ziel ist es, möglichst viele Mietwohnungen zu realisieren, um Einfluss auf den Mietmarkt nehmen zu können. Zudem möchten wir uns eine gewisse Routine aneignen, damit wir künftig noch schneller in die Umsetzung gehen können. Die ersten Projekte werden sicherlich etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen. Auch für die Gemeinde Brixen ist ein solches Vorhaben Neuland – sie leistet derzeit wertvolle Pionierarbeit. Wir sind jedoch überzeugt, dass die Abwicklung schneller erfolgen kann, da bereits wichtige Entwicklungsarbeit geleistet wurde.
Grundsätzlich möchte die Stiftung selbst Mietwohnungen realisieren. Gleichzeitig unterstützen wir andere Organisationen mit unserem Wissen und den Erfahrungen, die wir derzeit sammeln oder bereits gesammelt haben. Das bedeutet, dass wir andere Stiftungen, Bezirksgemeinschaften, Organisationen, Gemeinden oder auch kirchliche Einrichtungen unterstützen, die selbst Mietwohnungen errichten. Unser Ziel ist es, dass in Südtirol möglichst viele Mietwohnungen durch unterschiedliche Akteure entstehen und dadurch langfristig die Mietpreise sinken oder zumindest nicht weiter so stark steigen wie in den vergangenen Jahren.
Leo Resch: Die derzeit größte Herausforderung besteht darin, dass die Mieten und Wohnungspreise wesentlich schneller steigen als die Löhne. Würden sich beide Entwicklungen parallel bewegen, wäre der Druck deutlich geringer. Wir leben in einem Land, in dem Grund und Boden knapp sind, während die Baukosten in den vergangenen Jahren drastisch gestiegen sind. Hinzu kommt, dass viele Wohnungen touristisch genutzt werden, etwa als Zweit- oder Ferienwohnungen. Deshalb ist es in Südtirol besonders schwierig, leistbare Mietwohnungen zu finden. All diese Faktoren zusammen machen den Wohnungsmarkt komplex, angespannt und teuer. Genau deshalb versuchen wir als Stiftung Wohnen Südtirol, diesem Trend entgegenzuwirken.
Warum habt ihr euch für die Mitgliedschaft im Raiffeisenverband entschieden?
Lisa Ploner: Einerseits, weil die insgesamt 40 Stifter – darunter 27 Raiffeisenkassen, der Raiffeisenverband, die Raiffeisen Landesbank und weitere Organisationen der Raiffeisen-Familie – uns nahestehen. Andererseits teilen wir die Werte, für die Raiffeisen steht: Subsidiarität und Solidarität.
Die Stiftung muss kostendeckend funktionieren. Für jedes einzelne Vorhaben müssen Businesspläne erstellt werden. Die Projekte müssen sich selbst tragen, insbesondere in der Anfangsphase, wenn die Stiftung Kapital einbringt. Mittel- und langfristig muss dieses Kapital wieder an die Stiftung zurückfließen, damit neue Projekte gestartet werden können. Auch aus dieser Perspektive ist die Grundausrichtung sehr genossenschaftlich geprägt.
Leo Resch: Mehr als zwei Drittel der Raiffeisenkassen sind bereits dabei und zeigen großes Interesse daran, dass in ihren jeweiligen Gebieten neue Wohnungen entstehen. Auch der Raiffeisenverband unterstützt uns mit seiner Expertise. So standen uns etwa die Rechts- und die Steuerabteilung bei der Erarbeitung des Statuts, der Gründung der Stiftung sowie bei der Ausgestaltung der rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen zur Seite.
Ohne die Expertinnen und Experten des Raiffeisenverbandes gäbe es die Stiftung in dieser Form nicht. Insofern haben wir uns stark am Genossenschaftsgedanken orientiert: Man schließt sich zusammen, um gemeinsam etwas zu erreichen, das ein Einzelner nicht schaffen könnte. Es geht darum, einen Mehrwert für die Gemeinschaft in Südtirol zu schaffen.



