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Raiffeisenverband
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TeamGreen: Gemeinsam Verantwortung für morgen stärken

Wie gewinnen Genossenschaften junge Menschen für ein Mandat? Darüber und andere Fragen tauschten sich der Raiffeisenverband Südtirol und Vertreter*innen von TeamGreen der Raiffeisen Ware Austria (RWA) Mitte September bei Bergmilch Südtirol in Bozen aus. Dabei wurde deutlich: Die Wege in Österreich und Südtirol sind unterschiedlich, die Fragen dahinter aber oft dieselben.

Die Herausforderungen ähneln sich dies- und jenseits des Brenners. Viele Genossenschaften wachsen. Die Betriebe werden größer, Entscheidungen haben oft größere Auswirkungen als früher und die Aufgaben für Verwaltungsräte, Vorstände und Aufsichtsräte nehmen zu. „Wir stellen fest, dass es zunehmend schwieriger wird, neue Mandatarinnen und Mandatare für die Genossenschaften zu finden. Die Verantwortung steigt und da gibt es oft auch eine gewisse Zurückhaltung. Umso wichtiger ist es, neue Mandatare auf ihre Aufgaben vorzubereiten.“, sagte Verbandsobmann Herbert Von Leon.  

Auch Generaldirektor Christian Tanner betonte, dass es dabei um mehr als Fachwissen geht: „Wenn wir die nächste Generation von Mandatarinnen und Mandataren gewinnen wollen, müssen wir verstehen, welche Verantwortung und Anforderungen mit dieser Rolle verbunden sind.“ Darauf aufbauend brauche es passende Bildungsangebote, die fachliches Wissen vermitteln und gleichzeitig die Menschen in ihrer Rolle stärken.
Wie das konkret aussehen kann, zeigte der Vergleich zwischen Österreich und Südtirol. Im österreichischen Lagerhaus-Verbund gibt es einen verbindlichen Rahmen für die Ausbildung von Funktionären und Funktionärinnen. Klare Anforderungen, festgelegte Schulungsmodule und regelmäßige Weiterbildungen sollen sicherstellen, dass die Funktionäre auf ihre Aufgaben vorbereitet sind. In Südtirol setzt der Raiffeisenverband bislang stärker auf freiwillige Bildungsangebote und die Eigenverantwortung der einzelnen Genossenschaften. 

„Laufend lernen“

Lukas Fuchs, der bei der RWA die Bildungs- und Funktionärsentwicklung begleitet, brachte den Grundgedanken auf den Punkt: „Lagerhaus muss eine Organisation sein, wo alle laufend lernen.“ Der Bedarf dafür sei groß. Neue digitale Möglichkeiten, künstliche Intelligenz oder sich verändernde Marktbedingungen bringen regelmäßig neue Fragestellungen mit sich. Wer Verantwortung übernimmt, müsse bereit sein, sich laufend mit diesen Themen auseinanderzusetzen. „Lernen und Entwicklung kosten Zeit und Geld. Beides ist knapp. Aber gerade deshalb können wir es uns nicht leisten, nicht zu lernen. Aber Genossenschaften müssen Organisationen sein, wo alle laufend lernen!“

Der Raiffeisenverband Südtirol stellte bei dem Treffen AgriLead vor. Der gemeinsam mit der Freien Universität Bozen entwickelte Zertifikatslehrgang richtet sich an neue und amtierende Mandatare landwirtschaftlicher Genossenschaften. Die Themenpalette reicht vom Genossenschaftswesen bis zu Personal- und Betriebswirtschaftsthemen. Bildungsberater Alexander Watschinger sieht den Nutzen nicht allein im vermittelten Wissen: „Die Rückmeldungen zeigen, dass sich viele Teilnehmer nun sicherer in ihrer Rolle fühlen und sich differenzierter in die Arbeit ihrer Gremien einbringen können.“ Mindestens ebenso wertvoll sei der Austausch unter den Teilnehmern. Viele nehmen neue Ideen mit und profitieren von den Erfahrungen ihrer Kolleginnen und Kollegen.

TeamGreen: Netzwerk als Türöffner

Auf diesen Austausch setzt auch TeamGreen. TeamGreen ist ein Netzwerk aus jungen, motivierten Menschen aus Lagerhausgenossenschaften in Oberösterreich, Niederösterreich, der Steiermark und dem Burgenland. Den Mitgliedern bietet die Plattform Raum, um das Genossenschaftswesen der Lagerhäuser zukünftig mitzugestalten und zu prägen. Das vor rund acht Jahren gegründete Netzwerk der RWA bringt junge aktive und künftige Funktionärinnen und Funktionäre aus verschiedenen Lagerhaus-Genossenschaften zusammen. Zum Programm gehören Schulungen, Exkursionen und Fachreisen. Vor allem aber geht es darum, Menschen miteinander in Kontakt zu bringen. „Wenn jemand neu in eine Genossenschaft kommt, denkt er vielleicht: Ich bin der einzige junge Funktionär oder die einzige junge Funktionärin“, erklärte TeamGreen-Programmleiterin Andrea Hackl-Pascher von der RWA. Im Netzwerk merke man schnell, dass andere vor ganz ähnlichen Fragen stehen. „Man hat die Möglichkeit, sich mit Funktionären aus anderen Genossenschaften auszutauschen. Ich glaube, das ist auch einer der großen Werte von TeamGreen.“

Auch Karl Reiner, Obmann des Raiffeisen-Lagerhauses Wiener Becken und selbst TeamGreen-Mitglied, kennt diesen Nutzen aus eigener Erfahrung: „Durch TeamGreen wurde einem viel Angst genommen. Man bekommt Einblicke, hat ein Netzwerk und kommt mit anderen Funktionären zusammen.“ Das erleichtere den Einstieg und zeige jungen Menschen, dass sie in ihrer Genossenschaft tatsächlich etwas bewegen können.

Über den Tellerrand schauen

Beim Treffen in Bozen ging es auch um die Frage, was beide Seiten voneinander lernen können. „Uns verbindet die zentrale Frage, wie wir Menschen für Verantwortung in Genossenschaften begeistern und sie auf diesem Weg erfolgreich begleiten können“, sagte Alexander Watschinger. Für Herbert Von Leon liegt auch darin der Wert solcher Begegnungen. Österreich hat mit verbindlichen Ausbildungswegen bereits mehrere Jahre Erfahrung gesammelt. Gleichzeitig konnte der Raiffeisenverband zeigen, welche Erfahrungen in Südtirol mit AgriLead gemacht wurden.

Nach dem fachlichen Teil am Vormittag wurde der Austausch beim gemeinsamen Mittagessen fortgesetzt. Den Abschluss bildeten eine virtuelle Betriebsführung durch Bergmilch Südtirol und eine Produktverkostung. Dabei zeigte sich noch einmal, was schon in den Gesprächen immer wieder angesprochen wurde: Für junge Funktionärinnen und Funktionäre sind persönliche Kontakte oft genauso wertvoll wie die Inhalte eines Seminars. Wer sich mit anderen austauschen kann, lernt nicht nur schneller, sondern gewinnt auch Sicherheit für die eigene Aufgabe.