Wenn Walter Kral von Energie spricht, geht es ihm nicht nur um Kilowattstunden oder Stromleitungen. Es geht um Verantwortung, Zusammenarbeit und um die Überzeugung, dass regionale Lösungen langfristig die besten sind. Seit mehr als 20 Jahren engagiert sich der Obmann der Elektrogenossenschaft Pens für die Stromversorgung im hinteren Sarntal. Im Podcast „Nah drangehen“ erzählt er, wie aus einer gemeinsamen Idee vor 50 Jahren ein modernes Versorgungsnetz entstanden ist – und warum die Zukunft der Energieversorgung für ihn ebenfalls genossenschaftlich ist.
Die Geschichte der Elektrogenossenschaft Pens beginnt bereits vor ihrer offiziellen Gründung im Jahr 1974. Anfang der 1970er-Jahre sollte auch das hintere Sarntal an eine sichere Stromversorgung angeschlossen werden. Was fehlte, waren jedoch nicht Ideen, sondern finanzielle Mittel und Infrastruktur.
Also packten die Menschen selbst an. Bauern stellten Holz aus ihren Wäldern für Strommasten bereit, Dorfbewohner hoben Gräben aus und arbeiteten unzählige Stunden in Eigenleistung. Noch bevor die Genossenschaft offiziell gegründet wurde, lebten ihre Grundwerte bereits:
- Eigenverantwortung,
- Solidarität und
- gemeinsames Handeln.
Innerhalb weniger Monate entstand ein komplettes Stromnetz – von Rabenstein bis Pens. Im Sommer 1974 floss schließlich erstmals Strom durch die Leitungen.
„Die Werte der Genossenschaft waren schon da. Die Leute haben alle gemeinsam zusammengearbeitet.“
Als Walter Kral 2003 in den Vorstand der Elektrogenossenschaft eintrat, standen neue Herausforderungen bevor. Das Netz musste modernisiert, erweitert und auf den steigenden Strombedarf vorbereitet werden. Heute versorgt die Genossenschaft rund 500 Stromanschlüsse. Ein großer Teil der Leitungen wurde unterirdisch verlegt – sicher vor Schnee und Unwetter.
Für Kral liegt der wesentliche Unterschied zwischen einer Genossenschaft und einem klassischen Energieunternehmen in der lokalen Wertschöpfung: „Durch das System Genossenschaft haben wir das Geld, das wir erwirtschaften, wieder in die Leitungen investiert und somit ein wirklich solides und nachhaltiges Stromnetz aufgebaut. Die Wertschöpfung bleibt damit in der Region und kommt unmittelbar den Mitgliedern zugute."
Die Energiewende verändert das Stromnetz
Die Anforderungen an die Stromversorgung haben sich in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend verändert. Früher genügte es, Haushalte mit Licht und wenigen elektrischen Geräten zu versorgen. Heute stellen Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen, leistungsstarke landwirtschaftliche Maschinen und Elektrofahrzeuge völlig neue Anforderungen an das Netz.
Vor allem die zunehmende dezentrale Stromproduktion verlangt leistungsfähigere Leitungen und zusätzliche Trafostationen. Gleichzeitig müssen Stromnetze immer intelligenter gesteuert werden.
Ein zentrales Zukunftsprojekt ist für ihn deshalb die Erneuerbare-Energie-Genossenschaft Sarntal Plus, deren Gründungsmitglied und Vizeobmann er ist. Ziel ist es, möglichst viel lokal erzeugten Strom auch lokal zu nutzen.
Erneuerbare Energiegemeinschaften schaffen genau diese Möglichkeit: Produzenten und Verbraucherinnen schließen sich zusammen und profitieren gemeinsam von regional erzeugter Energie.
„Die Energiegemeinschaft war für uns die Möglichkeit, morgen allen Menschen die Chance zu geben, von der lokal produzierten Energie zu profitieren.“
Langfristig denkt Kral noch größer. Seine Vision ist eine gemeinsame Energieversorgung für das gesamte Sarntal – von einer einzigen genossenschaftlichen Struktur getragen: „Ich denke, dass das Sarntal genügend Fachkräfte, genügend Energie und auch die Möglichkeit hätte, das in einem einzigen Verteilergebiet zu vereinen.“
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