Annemarie „Anni“ Kaser kennt die Südtiroler Milchwirtschaft wie kaum eine andere. Seit über 30 Jahren arbeitet sie im Sennereiverband Südtirol, seit genau 20 Jahren ist sie dessen Direktorin. Im Podcast „Nah.dran.ge(h)n“ des Raiffeisenverbandes Südtirol https://nahdrangehn.podigee.io/ spricht sie mit Thomas Hanni über persönliche Erinnerungen, berufliche Verantwortung und große Zukunftsfragen einer Branche, die tief mit Südtirol verbunden ist.
Aufgewachsen ist Kaser auf einem Bergbauernhof in Lüsen. Diese Kindheit habe sie stark geprägt, erzählt sie im Gespräch: das Spielen im Wald, das Mithelfen am Hof, das frühe Übernehmen von Verantwortung. „Es gab kein: Das dürfen nur die Buben tun, das darf nur das Mädchen tun“, sagt Kaser. Alle hätten mitangepackt. Besonders ihre Mutter sei für sie ein großes Vorbild gewesen.
Auch ihr Vater Franz Kaser, langjähriger Obmann des Milchhofs Brixen und eine prägende Persönlichkeit des Südtiroler Genossenschaftswesens, kommt im Podcast zur Sprache. Von ihm sei ihr vor allem ein Satz geblieben: „Der Frieden hat seinen Preis, aber er ist immer günstiger als ein Krieg.“
Von Lüsen nach Wien – und zurück zur Milch
Eigentlich interessierte sich Annemarie Kaser zunächst für Literatur. Schließlich entschied sie sich aber für Agrarwissenschaften an der Universität für Bodenkultur in Wien. Der Wechsel vom kleinen Dorf in die Großstadt habe ihren Horizont geöffnet und sie selbstständiger gemacht. 1993 kam sie zum Sennereiverband, 2006 wurde sie Direktorin – als einzige Frau unter mehreren männlichen Bewerbern.
Heute sieht sie Führung vor allem als Teamarbeit. Gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Weiterentwicklung und Dienstleistung für die Milchhöfe und Bauernfamilien seien zentral. Ihre Leidenschaft für die Milchwirtschaft sei auch nach vielen Jahren ungebrochen: „Es ist immer wieder etwas Neues.“
Milchwirtschaft im Umbruch
Im Podcast geht es auch um die großen Veränderungen der Branche. 1993 gab es in Südtirol noch rund 7.000 Milchlieferanten, heute sind es etwa 3.900 – bei gleichzeitig gestiegener Milchmenge. Die Qualität, die Zertifizierungen und die Professionalisierung hätten stark zugenommen.
Ein zentrales Thema ist die Fusion von Mila und Brimi zum Milchhof Südtirol. Kaser bezeichnet sie als zukunftsweisenden Schritt, betont aber zugleich die Rolle kleinerer Sennereien, die mit regionaler Verankerung und Nischenprodukten weiterhin wichtig seien. Der Sennereiverband bleibe als unabhängiger Dienstleister für Qualität, Beratung, Zertifizierung und Kontrolle unverzichtbar.
Auch Frauen in Führungspositionen sind Thema. Kaser spricht sich für gemischte Teams und reelle Chancen für Frauen aus. Quoten seien ihr zwar nicht sympathisch, „aber mir gefallen die Ergebnisse davon“.
Zum Schluss blickt Kaser nach vorne: Sie wünscht der Südtiroler Milchwirtschaft Mut, Innovationskraft und die Fähigkeit, weiterhin Produkte zu schaffen, die Konsumentinnen und Konsumenten schätzen – damit auch künftig ein fairer Milchpreis für die Bäuerinnen und Bauern möglich bleibt.
Den ganzen Podcast mit Annemarie Kaser gibt es jetzt auf https://nahdrangehn.podigee.io/ zum Nachhören.


