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Evi Brunner, Verwaltungsrätin Kellerei Eisacktal: „Man wächst an den Herausforderungen“

Seit drei Jahren führt die Junglandwirtin Evi Brunner den Martscholerhof, den sie von ihren Eltern übernommen hat. Seit rund einem halben Jahr engagiert sie sich zudem als Verwaltungsrätin der Kellerei Eisacktal – als einzige Frau im Gremium.

Raiffeisen Nachrichten:Wie sind Sie zum Engagement als Verwaltungsrätin der Kellerei Eisacktal gekommen? 

Evi Brunner: Schon während meiner Oberschulzeit begleitete ich meinen Vater zu Veranstaltungen und Fortbildungen der Eisacktaler Kellerei sowie des Beratungsrings. Dadurch erhielt ich wertvolle Einblicke in die vielfältigen Aufgaben und Herausforderungen, die mit der Führung eines landwirtschaftlichen Betriebs verbunden sind. Nachdem ich den Hof übernommen hatte, wurde ich bald darauf gefragt, ob ich Interesse hätte, für den Verwaltungsrat zu kandidieren. Damals lehnte ich ab, da meine Kinder noch sehr klein waren. Als ich jedoch im vergangenen Jahr erneut angefragt wurde, stellte ich mir die Frage: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“

Wie bringen Sie sich als einzige Frau im Gremium ein? 

Ich finde, man sollte so sein, wie man ist, und eine eigene Meinung haben. Im Verwaltungsrat kommen viele unterschiedliche Sichtweisen zusammen, und jeder kann seine Ideen einbringen. Ich möchte nicht anders behandelt werden, nur weil ich eine Frau bin. Wichtig ist, dass man seine Meinung vertritt und gemeinsam gute Lösungen findet. 

Wie geht es Ihnen dabei? 

Mir gefällt die Aufgabe sehr gut, weil ich Einblicke bekomme, die man als einfaches Mitglied nicht hat. Natürlich ist es eine Männerdomäne, aber man darf sich davon nicht unterkriegen lassen. Mir gefällt der Austausch mit Menschen, die unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven mitbringen. Es werden viele Ideen diskutiert, und gemeinsam sucht man nach den besten Lösungen. 

Welche Situation haben Sie bisher als herausfordernd erlebt? 

Eigentlich keine besondere. Die Männer im Verwaltungsrat sind sehr verständnisvoll und behandeln mich gleich wie alle anderen. Die Herausforderung besteht eher darin, selbstbewusst aufzutreten und sich einzubringen. Aber genau das macht die Aufgabe auch spannend. 

Was halten Sie von der Unternehmensform Genossenschaft? 

Ich halte die Genossenschaft für eine sehr gute Unternehmensform. Viele Menschen bringen ihre Meinung ein, Entscheidungen werden gemeinsam getroffen, und daraus entsteht meist etwas Gutes. Genau dieser Zusammenhalt und das gemeinsame Arbeiten an einem Ziel machen die Stärke einer Genossenschaft aus. 

Was gefällt Ihnen an der Arbeit am Hof? 

Unser Hof ist sehr vielseitig. Wir betreiben Weinbau, Obstbau, Apartments und einen Buschenschank mit Törggelen. Mir gefällt sowohl der Umgang mit den Gästen und der Trubel als auch die Arbeit im Weingarten, wo ich die Ruhe genießen kann. Das braucht man mit Kindern manchmal auch. 

Stichwort Kinder: Wie gelingt Ihnen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf? 

Das ist oft schwierig, da ich viel Verantwortung trage. Meine Eltern leben noch am Hof, mein Mann und die Kinder ebenfalls. Man muss schauen, dass alles weitergeht, aber wir helfen alle zusammen. Ich werde von allen Seiten tatkräftig unterstützt, und auch meine beiden Schwestern sind da, wenn ich wirklich Hilfe brauche. 

Wie geht es Ihnen in Ihrer Führungsrolle? 

Gut. Wie überall gibt es positive und negative Seiten. Es hängt sehr viel Verantwortung an mir, und manchmal frage ich mich, was passiert, wenn ich das alles nicht mehr schaffe. Doch irgendwie geht es immer weiter, solange man zusammenhält. Ich schätze es sehr, mit meiner Familie arbeiten zu können, und ich sehe, dass sich Fleiß auszahlt. 

Gibt es etwas, auf das Sie stolz sind? 

Ich bin stolz darauf, dass ich mich dazu entschlossen habe, unseren Hof zu übernehmen – trotz der vielen Herausforderungen wie steigende Kosten, Familie, Haushalt und die Verantwortung für den gesamten Betrieb. 

Was fällt Ihnen leicht? 

Ich glaube, mir fällt es leicht, mit Frauen und Männern umzugehen. Oft fällt es Frauen leichter, mit Frauen zu kommunizieren. Männer sind hingegen oft lieber unter Männern, wie es auch bei uns im Verwaltungsrat jahrelang gewesen ist, weil es eben eine Männerdomäne war. Mir fällt es leicht, sowohl mit Frauen als auch mit Männern zu kommunizieren. 

Gab es herausfordernde Situationen in Ihrem Leben? 

Herausforderungen kommen immer wieder, kleinere und größere. Ganz einschneidende Situationen habe ich glücklicherweise noch nicht erlebt. Man wächst an den Herausforderungen. 

Viele Frauen erleben es als Herausforderung, sobald sie Kinder haben, weil alles auf den Kopf gestellt wird. 

Bei mir dauerte die Elternzeit, glaube ich, gerade einmal eine Woche. Am dritten Tag nach der Geburt bin ich schon wieder spazieren gegangen. Viele sagen, ich sei eine lässige Mama, die ihre Kinder überallhin mitnimmt und ihnen gleichzeitig Grenzen aufzeigen kann. 

Und wie gehen Sie mit Herausforderungen um? 

Oft gelingt etwas besser, manchmal weniger gut. Niemand ist als Meister vom Himmel gefallen. Viele Herausforderungen bespreche ich zu Hause mit meiner Familie. Dort bekomme ich viel Unterstützung, und gemeinsam finden wir eine Lösung. Bis jetzt sind wir aus Herausforderungen immer gut herausgekommen. 

Und was bedeutet Macht für Sie? 

Das Wort Macht ist für mich eher negativ besetzt, da es für mich bedeutet, über andere zu regieren wie ein König. Das mächtigste für mich ist, dass die Familie zusammenhält und man gesund ist. Das gibt Kraft. 

Gibt es Menschen, die Sie inspirieren? 

Meine Eltern. Ich bewundere, wie sie den Betrieb von meinen Großeltern übernommen und weiterentwickelt haben. Es gibt für mich kaum etwas Inspirierenderes als die eigenen Eltern. Familie und Zusammenhalt sind das Wichtigste. 

Wie stehen Sie zum Thema Frauenförderung? 

Ich mache nicht unbedingt einen großen Unterschied zwischen Frau und Mann. Alle verdienen es, gefördert zu werden. Wenn der Wille da ist, kann jeder etwas aus seinem Leben machen. Bei uns fehlt es vielleicht noch etwas an der Sichtbarkeit von Frauen. Ihre Arbeit findet oft im Hintergrund statt und wird dadurch weniger wahrgenommen, obwohl Frauen häufig das stärkste Glied in der Familie und im Betrieb sind. 

Und wenn eine Frau überlegt, für ein Gremium zu kandidieren, sich aber nicht traut? 

Dann würde ich sagen: unbedingt versuchen. Auch Männer brauchen ein bisschen weiblichen Enthusiasmus. Ich selbst war zunächst etwas skeptisch, in einem reinen Männergremium zu arbeiten. Aber ich wurde sehr gut aufgenommen. Jede Frau, die Interesse hat, sollte es sich einfach anschauen. Danach kann sie immer noch entscheiden, ob es das Richtige für sie ist. 

Was macht Sie glücklich? 

Da kommen wir wieder auf das Thema Familie zurück. Familie, Gesundheit und die einfachen Dinge im Leben machen mich glücklich. 

Vielen Dank für das Gespräch!