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Frauen sichtbar machen: Sprache und Präsenz bewusst einsetzen, Strukturen verändern

Frauen gestalten Unternehmen und Genossenschaften maßgeblich mit. Doch ihre Leistungen, Kompetenzen und Stimmen werden nicht immer entsprechend wahrgenommen. Warum das so ist und was Frauen, Führungskräfte und Organisationen dagegen tun können, stand beim Netzwerktreffen des Arbeitskreises Frauen in der Führung von Genossenschaften im Mittelpunkt.

Am 24. September lud der beim Raiffeisenverband Südtirol angesiedelte Arbeitskreis Frauen in der Führung von Genossenschaften zum Netzwerktreffen in die Eurac Research nach Bozen. Unter dem Motto „Frauen wirken – sichtbar, hörbar, präsent“ beleuchteten zwei Referentinnen und die anschließende Gesprächsrunde das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven. Fazit: Sichtbarkeit ist nicht nur eine Frage des persönlichen Auftretens. Sie wird auch von Sprache, Strukturen und den Rahmenbedingungen in Organisationen geprägt. 

Sichtbarkeit beginnt mit Präsenz 

Wie Frauen ihre Wirkung im beruflichen Umfeld bewusst stärken können, zeigte Katharina von Bruchhausen, Business Communication Training, in ihrem Vortrag „Raum einnehmen – Präsenz, die überzeugt“. Es gehe nicht darum, sich zu verbiegen oder vorgegebene Verhaltensweisen zu übernehmen. Entscheidend sei vielmehr, die eigene Wirkung zu kennen, Raum bewusst einzunehmen, die eigene Position klar zu vertreten sowie Beziehungen und Allianzen aufzubauen. Sichtbarkeit entstehe damit bereits im beruflichen Alltag – durch die Art, wie Menschen auftreten, kommunizieren und sich in Entscheidungsprozesse einbringen. 

Sprache entscheidet mit, wer in unseren Köpfen sichtbar wird 

Valeria Dejaco, Geschäftsführerin und Vize-Obfrau der Kommunikationsagentur Ex Libris Genossenschaft, richtete in ihrem Impulsreferat „Sprache wirkt: Fair formulieren schafft Sichtbarkeit“ den Blick auf die Wirkung von Sprache. „Bezeichnungen wie ‚Geschäftsführer‘, ‚Obmänner‘ oder ‚Bauern‘ mögen Frauen mitmeinen – sie führen aber nicht automatisch dazu, dass Frauen auch mitgedacht werden“, betonte Dejaco. Denn Sprache erzeuge Bilder im Kopf und präge damit unsere Vorstellung davon, wer bestimmte Berufe, Funktionen oder Führungsaufgaben ausübt. 

Faire Formulierungen seien deshalb ein vergleichsweise einfacher Ansatzpunkt, um Sichtbarkeit zu erhöhen. Anhand der für den Raiffeisenverband ausgearbeiteten Tipps zum fairen Formulieren zeigte Dejaco konkrete Möglichkeiten für die Praxis auf. Ihr Appell: „Faire Sprache muss nicht von Beginn an perfekt sein. Entscheidend ist, sich auf den Weg zu machen.“

Mehr Frauen in Verantwortung: Fortschritte – aber weiterhin Luft nach oben 

Dass Sichtbarkeit eng mit tatsächlicher Beteiligung an Entscheidungsprozessen zusammenhängt, zeigte auch Barbara Camporeale, Vizepräsidentin von iDEE, der Vereinigung der Frauen im italienischen Credito Cooperativo. Die Organisation setzt sich dafür ein, den Anteil von Frauen in Governance und Management zu erhöhen und weibliche Talente zu fördern. 

Die Entwicklung zeigt Fortschritte: 2019 waren 15 Prozent der Spitzenfunktionen im italienischen Genossenschaftsbankensystem mit Frauen besetzt, 2025 waren es 30 Prozent. Je nach Funktion bestehen allerdings weiterhin deutliche Unterschiede: Frauen stellten im November 2025 36 Prozent der Verwaltungsratsmitglieder, aber lediglich fünf Prozent der Präsidentinnen und sechs Prozent der Generaldirektorinnen. 

Sichtbarkeit ist nicht nur Aufgabe der Frauen 

Wie sich die Situation konkret in Genossenschaften darstellt, diskutierten anschließend Ursula Thaler, Vorsitzende des Arbeitskreises Frauen in der Führung von Genossenschaften, Paulina Schwarz, Obfrau der Raiffeisenkasse Etschtal und Verwaltungsrätin der Raiffeisen Landesbank, Barbara Camporeale, Vizepräsidentin von iDEE, Carmen Zwick, Mitglied des Kontrollausschusses von Vi.P – Verband der Vinschgauer Produzenten für Obst und Gemüse, sowie Christian Tanner, Generaldirektor des Raiffeisenverbandes Südtirol. 

Im Gespräch ging es unter anderem darum, wie Frauen für Mandate und Führungsaufgaben gewonnen werden können, welche Erfahrungen sie in traditionell geprägten Branchen machen und welche Verantwortung Führungskräfte und Organisationen tragen.

Sichtbarkeit darfnicht ausschließlich als Aufgabe der Frauen verstanden werden. Frauen können selbstbewusst auftreten, Netzwerke aufbauen und Verantwortung übernehmen. Gleichzeitig braucht es Organisationen, die Zugänge ermöglichen, Potenziale erkennen, Frauen gezielt ansprechen und Rahmenbedingungen schaffen, in denen unterschiedliche Perspektiven tatsächlich in Entscheidungen einfließen. 

„Genau hier setzt der Arbeitskreis Frauen in der Führung von Genossenschaften an. Er fördert den Austausch, macht Frauen in verantwortungsvollen Funktionen sichtbar und möchte weitere Frauen ermutigen, Führungs- und Gremienaufgaben in Genossenschaften zu übernehmen“, sagte Astrid Schweiggl, Leiterin des Bereichs Beratung & Marketing-Services im Raiffeisenverband Südtirol, die durch den Abend führte. 

Beim anschließenden Networking nutzten die Teilnehmerinnen die Gelegenheit, die Gespräche zu vertiefen, Erfahrungen auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen.