Frauen leisten fast die Hälfte der Arbeit in der Landwirtschaft – in den Führungsgremien der Genossenschaften sind sie jedoch kaum vertreten. Genau darüber wurde gestern Abend bei der Veranstaltung „Frau.Macht.Zukunft“ in der Obstgenossenschaft CAFA in Meran diskutiert. Organisiert wurde der Abend vom Arbeitskreis Frauen in der Führung von Genossenschaften des Raiffeisenverbandes Südtirol gemeinsam mit der Obstgenossenschaft CAFA und der Südtiroler Bäuerinnenorganisation. Bereits in der Auftaktrunde sprachen sich Herbert Von Leon, Obmann des Raiffeisenverbandes und Markus Pircher, Obmann der Obstgenossenschaft CAFA für die wertvolle Rolle der Frauen in Gremien aus und brachten auch entsprechende Beispiele aus der Praxis ein.
Die Zahlen sprechen für sich:
- 45 Prozent aller in der Landwirtschaft tätigen Personen sind Frauen.
- Fast 17 Prozent Prozent führen selbst einen Betrieb oder sind Eigentümerinnen.
- nur 5 Prozent Frauenanteil in den Führungsgremien landwirtschaftlicher Genossenschaften
„Hier besteht nach wie vor Handlungsbedarf“, betonte Ursula Thaler, Vorsitzende des Arbeitskreises Frauen in der Führung von Genossenschaften. Der Arbeitskreis setzt sich seit 2015 dafür ein, Frauen in Genossenschaften sichtbarer zu machen und sie gezielt für Führungsaufgaben zu motivieren. Dazu gehören Netzwerkveranstaltungen, Erfahrungsaustausch sowie die Vorstellung von Frauen in Führungspositionen.
Veränderung ist möglich
Dass Veränderung möglich ist, zeigen andere Bereiche des Genossenschaftswesens: In Sozialgenossenschaften besetzen Frauen beinahe die Hälfte der Gremien und bei den Raiffeisenkassen stieg der Frauenanteil in den letzten Jahren deutlich.
Im Impulsreferat verdeutlichte Rebecca Fill Giordano, systemische Organisationsentwicklerin, Arbeits- und Organisationspsychologin anhand von wissenschaftlichen Erkenntnissen und praxisnahen Beispielen, dass vielfältig besetzte Gremien innovativer, nachhaltiger und wirtschaftlich erfolgreicher arbeiten. Unterschiedliche Perspektiven stärkten demnach die Qualität von Entscheidungen, förderten Kreativität und verbesserten die Unternehmenskultur.
Gerade in Genossenschaften gehe es weniger um Macht im klassischen Sinn, sondern vielmehr um Vertrauen, Kooperation und gemeinsames Gestalten betonte sie: „Wenn Frauen sich zusammenschließen, sich gegenseitig stärken und sichtbar Verantwortung übernehmen, entsteht Macht im besten Sinn: verbindend, kraftvoll und zukunftsbildend“, so die Referentin und weiter: „Führung beginnt nicht mit einem Titel, sondern mit einer inneren Haltung – mit Klarheit und Selbstvertrauen.“
Für mehr Vielfalt in Gremien
In der anschließenden Gesprächsrunde diskutierten Ursula Thaler, Nadia Zambelli, Produktionsleiterin der CAFA, sowie die Vinschgauer Bezirksbäuerin Elisabeth Tappeiner Weiss über persönliche Erfahrungen, gesellschaftliche Hürden und die Frage, wie Frauen künftig stärker in Entscheidungsprozesse eingebunden werden können.
Dabei wurde deutlich: Frauen gestalten die Landwirtschaft längst entscheidend mit. In den Führungsgremien der landwirtschaftlichen Genossenschaften spiegelt sich diese Realität jedoch noch nicht ausreichend wider.
Genau hier setzt die Arbeit des Arbeitskreises Frauen in der Führung von Genossenschaften an: mit Vernetzung, Sichtbarkeit und konkreter Ermutigung für eine Zukunft in Genossenschaften mit mehr Vielfalt. Der Abend klang mit anregenden Gesprächen und vielen neuen Kontakten aus.



