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Obmann Maximilian Ploner: "Das macht den Weltladen Schlern besonders"

Der Umweltmanager, Winzer und Fachmann für erneuerbare Energien Maximilian Ploner engagiert sich ehrenamtlich als Obmann der Sozialgenossenschaft Weltladen Schlern. Im Interview erzählt er, was den Weltladen Schlern besonders macht.

Raiffeisen Nachrichten: Warum engagieren Sie sich als Obmann für den Weltladen Schlern?

Maximilian Ploner: Es hat mich immer interessiert, mich für den Fairen Handel einzusetzen. Der Weltladen Schlern hat sich angeboten, da er von Freundinnen und Freunden gegründet wurde. Über sie bin ich mit dem Weltladen in Kontakt gekommen – und die Idee hat mich von Anfang an begeistert.

Was ist das Besondere am Weltladen Schlern?

Der Weltladen Schlern hat viele Besonderheiten – das merkt man schon beim Betreten des Geschäfts. Es ist ein sehr schönes Geschäft geworden, und wir bieten hochwertige Produkte aus dem Fairen Handel an. Damit unterstützen wir zahlreiche soziale Genossenschaften weltweit. Eine große Besonderheit ist das ehrenamtliche Engagement: Viele freiwillige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter halten das Geschäft Tag für Tag, das ganze Jahr am Laufen. Davon profitieren der Weltladen, der Faire Handel und das gesamte Schlerngebiet.

Der Weltladen Schlern bietet hauptsächlich Fairtrade-Produkte an. Gibt es auch Kooperationen mit lokalen Produzierenden, wie bei anderen Südtiroler Weltläden?

Der Großteil unserer Produkte stammt aus dem internationalen Fairen Handel, aber wir führen auch regionale Produkte. Dabei achten wir besonders auf biologische Qualität. Wir stehen in engem Kontakt mit den Bäuerinnen und Bauern, deren Produkte wir im Sortiment haben. Beispielsweise bieten wir Essig von Kandlwaalhof, Sirupe vom Stanglerhof, Pilze von Kirnig oder Schokolade von Karuna an – um nur einige zu nennen. Es handelt sich um sehr hochwertige Produkte.

Wie viele Freiwillige arbeiten derzeit im Weltladen Schlern?

Auf unserer Liste stehen etwa 30 Freiwillige, davon sind rund 20 regelmäßig im Einsatz.

Wie bewerten Sie die gegenwärtige Geschäftsentwicklung?

Wir sind zufrieden. Gegründet haben wir uns im Jahr 2019 mit der Unterstützung vom Weltladen Klausen. 2023 erfolgte die Trennung von der Sozialgenossenschaft Weltladen Klausen, von da an haben wir uns neu organisiert. Natürlich könnte es immer noch etwas mehr sein, aber insgesamt sind wir zufrieden mit der Entwicklung.

Der Weltladen in Kastelruth profitiert vom großen Tourismusaufkommen. Wie wird er von der einheimischen Bevölkerung angenommen?

Unsere Hauptkundschaft sind Einheimische – nicht nur aus der Gemeinde, sondern aus dem gesamten Schlerngebiet. Natürlich profitieren wir besonders in der Hochsaison auch vom Tourismus. Viele Gäste freuen sich über unser Angebot und kaufen gerne bei uns ein. Das gilt ebenso für unsere Stammkundinnen und -kunden aus der Region: Der Weltladen ist ein Ort der Begegnung, des Gesprächs und des Austauschs.

Welche Ziele verfolgen Sie in den nächsten Jahren?

Uns ist die Öffentlichkeitsarbeit sehr wichtig. Wir möchten den Gedanken des Fairen Handels stärker in die Gemeinde tragen. Deshalb organisieren wir Vorträge und Produktverkostungen, bei denen Produzentinnen und Produzenten ihre Produkte vorstellen. Unser Ziel ist es, für den Fairen Handel zu sensibilisieren und Fragen zu beantworten wie: Warum ist Fairer Handel wichtig? Was kann er weltweit bewirken? Diesen Weg möchten wir konsequent weitergehen.

Der Weltladen Schlern ist als Genossenschaft organisiert. Warum haben Sie diese Unternehmensform gewählt?

Die Form der Sozialgenossenschaft erleichtert unsere Arbeit, weil sie uns Zugang zu bestimmten Förderungen ermöglicht. Zudem ist das System bereits etabliert – wir konnten es übernehmen und anwenden, ohne bei null beginnen zu müssen. Sehr wertvoll ist für uns die Partnerschaft mit dem Raiffeisenverband. Er unterstützt uns in Bereichen, die wir ehrenamtlich nicht bewältigen könnten, etwa bei Buchhaltung, Kostenrechnung und Lohnabrechnungen. Dadurch können wir uns auf unsere Kernaufgaben konzentrieren: das Ehrenamt, den Fairen Handel und die Öffentlichkeitsarbeit. Es ist eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe.

Welches Ziel verfolgt der Weltladen Schlern über Vorträge und Verkostungen hinaus?

Das Ehrenamt ist – gemeinsam mit dem Fairen Handel – das Fundament unserer Arbeit. Ohne freiwilliges Engagement wäre unser Betrieb nicht möglich. Langfristig möchten wir mit unseren Gewinnen soziale Initiativen unterstützen. Dafür sind wir noch nicht ganz so weit, aber es ist ein klares Ziel.

Gibt es einen Wunsch an Gemeinde oder Politik?

Wir wünschen uns Anerkennung für die Arbeit der Weltläden. Hinter dem Betrieb stehen viele ehrenamtliche Stunden – nicht aus Eigeninteresse, sondern mit dem Ziel, einen Beitrag zu einer gerechteren Welt zu leisten. Politisch gesehen wäre eine stärkere finanzielle Unterstützung für Sozialgenossenschaften hilfreich. Es ist oft ein schmaler Grat, am Ende des Jahres positiv abzuschließen. Bestehende Förderungen sind sehr willkommen, da sie den finanziellen Druck mindern.

Hat sich seit der Geschäftseröffnung das Bewusstsein in der Bevölkerung verändert?

Meiner Ansicht nach ja. Das zeigt sich daran, wie gut der Weltladen angenommen wird. Wir haben viele Stammkundinnen und -kunden. Die ehrenamtlich Mitarbeitenden verstehen sich als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren: Wir stehen hinter der Idee des Fairen Handels und tragen diese Überzeugung nach außen. Ich denke, das Bewusstsein hat sich durchaus positiv entwickelt.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit anderen Weltläden im Netzwerk?

Ich finde es authentisch, dass jedes Geschäft eigenständig geführt wird und eigene Schwerpunkte setzt. Gleichzeitig sind wir im Netzwerk verbunden und stehen im regelmäßigen Austausch, auch bei gemeinsamen Treffen. Wir entwickeln Projekte, nutzen Synergien und kooperieren insbesondere mit nahegelegenen Weltläden, etwa bei Sammelbestellungen, um Transportkosten zu reduzieren.

Was wünschen Sie sich für die kommenden 50 Jahre?

Dass wir weiterhin bestehen, als engagiertes Team zusammenarbeiten und unsere ehrenamtliche Arbeit erfolgreich fortsetzen können – auch in den nächsten 50 Jahren.

Vielen Dank für das Gespräch!