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„Ohne Freiwillige würde es die Weltläden in Südtirol nicht geben.“

Seit 1986 steht der 5. Dezember im Zeichen des Ehrenamtes. An diesem, von den Vereinten Nationen (UN) ausgerufenen internationalen Tag des Ehrenamtes soll das ehrenamtliche Engagement anerkannt und gefördert werden. Zwei, die sich ein Leben ohne Ehrenamt nicht vorstellen können sind Hans Schwingshackl, Obmann des Weltladen Twigga in Bruneck und Sophie Baumgartner, Freiwillige und Verwaltungsrätin des Weltladen Bozen. Beide sind überzeugt: „Ohne Freiwillige würde es die Weltläden in Südtirol nicht geben.“

Hans Schwingshackl ist mit ehrenamtlichem Engagement bereits aufgewachsen. Seine Mutter unterstützte Menschen in der näheren Umgebung und spendete Teile ihrer bescheidenen Einkünfte für die Mission. Er selbst engagierte sich seit seiner Jugend in der Jugendarbeit, Telefonseelsorge oder für Menschen mit psychischer Beeinträchtigung - ehrenamtlich. Nach seiner Pensionierung übernahm er die Obmannschaft des Weltladens in Bruneck. Und seither setzt er sich für den fairen Handel ein. Dabei lässt er keinen Zweifel an der Bedeutung der Freiwilligenarbeit: „Wir sind auf Menschen angewiesen, die freiwillig in den Weltläden mitarbeiten. Ohne Ehrenamt würden die Weltläden in Südtirol nicht funktionieren.“ Im Weltladen Bruneck „Twigga“ arbeiten derzeit zwei Teilzeitangestellte und 15 Personen, die wöchentlich mindestens einen halben Tag mitarbeiten. Twigga heißt übrigens Giraffe auf Swahili. Der lange Hals der Giraffe soll – laut Homepage des Weltladens - das Hinausschauen über die eigenen Grenzen sowie die Aufgeschlossenheit für die Schönheiten und Probleme der Welt symbolisieren.

Und genau so zeigt sich Sophie Baumgartner: Aufgeschlossen für die Schönheiten und Probleme der Welt. Über das Schulprojekt „Faire Pause“ am Franziskaner Gymnasium in Bozen fand sie bereits als Schülerin zu den Weltläden. Später leistete sie hier ein Freiwilligenjahr ab und betreute Kampagnen, Social-Media-Auftritt der Organisation oder Veranstaltungen.

Nach ihrem Aufenthalt in England, wo sie Mathematik, Latein und Griechisch studierte, kehrte sie wieder nach Südtirol zurück. Als Verwaltungsrätin des Weltladen Bozen engagiert sie sich stark für bewussten Konsum und organisiert monatlich eine queere Kleidertauschparty im Goethehaus – ein Herzensprojekt, weil es zeigt, wie man Kleidung teilt statt wegwirft: „Wir leben in einer privilegierten Welt und besitzen mehr als genug Kleidung. Unsere Lebensweise geht auf Kosten anderer“, sagt sie. Besonders kritisch sieht sie die Textilindustrie, die massiv zur Umweltbelastung beiträgt und häufig auf Kosten von Menschenleben produziert. Insgesamt stellt sie das Modell „Unternehmen“ in Frage, wo sich einzelne auf Kosten anderer bereichern. Das Erwirtschaftete solle vielmehr der Gemeinschaft zugutekommen, so Baumgartner. In ihrer Arbeit für den Weltladen Bozen sieht sie eine konkrete Möglichkeit, etwas für die Gemeinschaft und zu einer langfristigen Veränderung beizutragen. Dabei verweist sie auf Projekte in Bolivien, Marokko, Ecuador oder den Philippinen, wo durch den Fairen Handel Schulen gebaut oder Projekte gegen sexualisierte Gewalt umgesetzt werden können. Sie selbst lebt ihre Überzeugung auch im Alltag, alles andere wäre nicht authentisch sagt sie.

Was bringt ehrenamtliches Engagement?

Für Hans Schwingshackl ist die freiwillige Tätigkeit und das Wissen um faire und transparente Wirtschaftsbedingungen im Weltladen sinnstiftend. Dies gilt besonders für Menschen im Ruhestand, die hier nach dem Ausstieg aus dem Berufsleben eine neue Bestätigung, soziale Kontakte und Anerkennung finden können: „Der Kontakt zur Kundschaft und die besonderen Produkte motivieren alle Beteiligten des Weltladens, gemeinsam an einem Strang zu ziehen.“ Ihm zufolge sollten sich alle Menschen noch vor der Pensionierung fragen: „Welche Tätigkeit schafft einen Ausgleich zu dem, was ich bisher gemacht habe? Gibt es etwas, das ich in meinem Leben ergänzen oder der Gemeinschaft zurückgeben möchte?“ Das Engagement im Weltladen hätte auch für junge Menschen viel zu bieten, meint Schwingshackl und verweist auf die Praktika im Weltladen, die Einblick in alternative Wirtschaftsformen geben – und im Lebenslauf Anerkennung finden.

Dies kann Sophie Baumgartner nur bestätigen. Im Laufe ihres ehrenamtlichen Engagements im Weltladen habe sie sehr viel gelernt, erhielt Einblicke in viele neue Bereiche und lernte Menschen kennen mit einer ähnlichen Einstellung.

Gesellschaftliche Verantwortung

Für Sophie Baumgartner ist der Faire Handel ein lebendiges Zeichen dafür, wie Wirtschaft ohne Ausbeutung funktionieren kann. Hans Schwingshackl verweist auf die Werte des Fairen Handels und die genossenschaftliche Struktur: „Das mache die Weltläden zu Orten, in denen wirtschaftliche Praxis und gesellschaftliche Verantwortung zusammengehören.“

Der Internationale Tag des Ehrenamtes ist eine wunderbare Möglichkeit dies sichtbar zu machen und andere Menschen für das Ehrenamt zu begeistern.

Weiterführende Information zu den Weltläden finden Sie auf der Homepage des Netzwerks der Weltläden Südtirol: https://www.weltladen.bz.it/.

Die folgenden Weltläden sind Mitglied beim Raiffeisen Südtirol:

  • Weltladen Twigga
  • Weltladen Latsch
  • Weltladen Bozen
  • Weltladen Brixen
  • Weltladen Klausen
  • Weltladen Sterzing
  • Weltladen Schlern

Weiterführende Information zur Freiwilligenmanagement in den Südtiroler Weltläden liefert der entsprechende Leitfaden, der von den Südtiroler Weltläden ausgearbeitet wurde.