70 Jahre Südtiroler Kinderdorf: Neue Lebenswege eröffnen

Was 1956 als Dorf für Kinder in sozialen Notlagen begann, ist heute eine der größten Einrichtungen der stationären Kinder- und Jugendhilfe in Südtirol. Das Südtiroler Kinderdorf feierte am Sonntag, 4. Oktober sein 70-jähriges Bestehen – und blickt auf sieben Jahrzehnte zurück, in denen sich nicht nur die Gesellschaft, sondern auch die Bedürfnisse von Kindern, Jugendlichen und Familien grundlegend verändert haben.

Rund 50 Kinder und junge Erwachsene finden heute in den Einrichtungen des Südtiroler Kinderdorfes in Brixen und Meran Begleitung und Unterstützung. In sechs Kinder- und Jugendwohngruppen gestalten Erzieherinnen, Sozialpädagoginnen und Psychologinnen gemeinsam mit ihnen den Alltag. Wie Präsidentin Sabina Frei anlässlich des Jubiläums betonte, hat sich das Südtiroler Kinderdorf mit der Gesellschaft verändert: "Wir sind von einem Dorf gestartet, von einem Dorf für Kinder deutscher und ladinischer Muttersprache, die sich in sozialen Notlagen befanden. Heute habe wir uns zu einer Organisation entwickelt, die Teil eines tragenden Netzwerkes ist.“ 

Vom Kinderdorf zum Netzwerk

Die Anfänge des Südtiroler Kinderdorfes reichen in die Nachkriegszeit zurück. 1948 gründete Hermann Gmeiner im österreichischen Imst das erste SOS-Kinderdorf. Einige Jahre später wurde die Idee von Sebastian Ebner für Südtirol aufgegriffen, 1956 das Südtiroler Kinderdorf gegründet.

Standen zu Beginn vor allem Kriegs- und Halbwaisen im Mittelpunkt und lebten Kinder in größeren Familienverbänden mit einer Kinderdorfmutter zusammen, setzt die Einrichtung heute auf multiprofessionelle Teams und unterschiedliche Formen der Begleitung. Teilhabe, Begegnung auf Augenhöhe und stabile Beziehungen bilden dabei zentrale Grundlagen.

Neben der Unterstützung innerhalb von Wohngruppen begleitet das Südtiroler Kinderdorf mit seiner Mobilen Familienarbeit Eltern und Kinder auch direkt zu Hause. Mit Kido.IMPULS ist die Genossenschaft zudem in der Elternbildung tätig, arbeitet mit Kindergärten und Schulen zusammen und unterstützt Gemeinden im Eisacktal bei familienfreundlichen Maßnahmen.

Im Haus Rainegg finden alleinerziehende Frauen mit ihren Kindern vorübergehend ein Zuhause und Unterstützung auf dem Weg in ein selbstständiges Leben.

„Neue Lebenswege finden“

Damit ist aus dem ursprünglichen Kinderdorf über die Jahrzehnte ein Netzwerk unterschiedlicher Angebote für Kinder, Jugendliche und Familien entstanden. Im Mittelpunkt stehen dabei Menschen, die sich in schwierigen Lebenssituationen befinden. „Sie stehen Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zur Seite, die sich in einer schwierigen Lebenslage befinden. Gemeinsam mit ihnen versuchen wir, neue Lebenswege zu finden und neue Chancen aufzuzeigen“, beschreibt Sabina Frei den Auftrag des Südtiroler Kinderdorfes.

Getragen wird diese Arbeit von hauptamtlichen Mitarbeiter*innen, ehrenamtlichem Engagement und einem Netzwerk zahlreicher Partner. Finanziert wird die Genossenschaft durch öffentliche Beiträge, Zuwendungen und Spenden.