Im Podcast Nah.dran.ge(h)n spricht Georg Kössler jetzt offen über prägende Entscheidungen, persönliche Beweggründe und seine Vision für die Zukunft der Südtiroler Obstwirtschaft. Ein hörenswertes Gespräch über Verantwortung, Gemeinschaft und den Wert des Apfels.
Vom Verband zur schlagkräftigen Vermarktungsorganisation
Als Georg Kössler 2008 zum Obmann gewählt wurde, stand der VOG vor großen Herausforderungen. Die EU-Marktordnung für Obst und Gemüse verlangte stärkere Erzeugerorganisationen, gebündelte Marktauftritte und mehr Professionalität. Kössler erkannte früh, dass es ohne tiefgreifende strukturelle Veränderungen schwierig werden würde, die Interessen der über 4.000 bäuerlichen Familienbetriebe langfristig zu sichern.
Ein zentraler Meilenstein seiner Amtszeit war die Einführung der einheitlichen Sortierung und in weiterer Folge die vollständige zentrale Vermarktung aller Äpfel auf VOG-Ebene. Was zunächst auf Skepsis stieß, entwickelte sich zum „Gamechanger“: Heute werden rund 550.000 Tonnen Äpfel aus elf Genossenschaften gemeinsam vermarktet – in über 70 Märkten weltweit. Damit ist der VOG die größte Apfel-Vermarktungsorganisation Europas.
Sorteninnovation, Nachhaltigkeit und internationale Vernetzung
Neben der Vermarktung trieb Kössler auch die Erneuerung des Sortiments entscheidend voran. Als Obmann des Sortenerneuerungskonsortiums setzte er sich dafür ein, den Südtiroler Apfel konsequent an Markttrends und Konsumentenbedürfnisse anzupassen. Der Anteil an Vertragssorten stieg in den letzten zehn Jahren von rund 12 auf 36 Prozent – eine Weichenstellung für die Zukunft.
Gleichzeitig war Kössler international stark vernetzt: in europäischen und weltweiten Gremien, bei Marktpartnern und auf Reisen in andere Obstbaugebiete. Diese Einblicke bestätigten ihn immer wieder in der Überzeugung, dass Südtirol mit seiner kleinstrukturierten, aber hochprofessionellen Landwirtschaft weltweit anerkannt ist.
Auch in gesellschaftlich sensiblen Fragen – etwa beim Thema Nachhaltigkeit und Pflanzenschutz – suchte Kössler letztendlich den Dialog. Mit der Nachhaltigkeitsstrategie sustainapple wurde die Arbeit der bäuerlichen Familien stärker sichtbar gemacht und die Kommunikation nach außen verbessert.
Nach 17 Jahren an der Spitze zieht Kössler ein positives Fazit: „„Ich gehe mit der Genugtuung, dass wir vieles umsetzen konnten, was mir wichtig war. Und was wir erreichen konnten, konnten wir nur gemeinsam erreichen.
Ein Obmann aus der Praxis – und ein Mann des Ausgleichs
Was Georg Kössler besonders auszeichnete, war seine Doppelrolle: Funktionär und Praktiker. Als Obst- und Weinbauer wusste er aus eigener Erfahrung, wovon er sprach. Gleichzeitig galt er als diplomatischer Brückenbauer, der unterschiedliche Interessen zusammenführte. Unter seiner Führung wuchs der VOG zu einer Art „Familie“ zusammen – nicht immer einer Meinung, aber geeint im Ziel.
