Tag der Sozialgenossenschaften: KI verantwortungsvoll einsetzen

Wie können Sozialgenossenschaften angesichts wachsender Anforderungen gestärkt werden? Welche Aufgaben kann künstliche Intelligenz im Sozialbereich übernehmen und wo bleibt der Mensch unverzichtbar? Mit diesen Fragen beschäftigte sich der gestrige Tag der Sozialgenossenschaften, zu dem der Raiffeisenverband Südtirol am Mittwoch, 14. Oktober, in die KONVERTO in Bozen Süd eingeladen hatte. Im Rahmen der Tagung wurde zudem über die Neuigkeiten des Fachbereichs Soziales & Non Profit berichtet. Vorgestellt wurden auch neue Mitglieder des Sektors sowie aktuelle Ergebnisse des Paritätischen Komitees, die Aufschluss über aktuelle Tendenzen im Bereich Soziales & Non Profit geben.

Verbandsobmann Herbert Von Leon und Generaldirektor Christian Tanner hoben in ihrer Begrüßung hervor, dass Künstliche Intelligenz für Sozialgenossenschaften eine wertvolle Unterstützung sein kann, insbesondere bei administrativen Aufgaben und der Aufbereitung von Informationen. Gleichzeitig betonten sie, dass ihr Einsatz verantwortungsvoll erfolgen müsse und die persönliche Betreuung niemals ersetzen dürfe. Gerade im Sozialbereich gelte es, die Chancen der Digitalisierung zu nutzen, ohne die Bedürfnisse der Menschen aus den Augen zu verlieren.

Ein fachlicher Impuls kam von Michael de Rachewiltz von Eurac Research. In seinem Vortrag mit dem Titel „Automatisierbar oder unverzichtbar menschlich? KI im Sozialbereich“ sprach er über die Möglichkeiten und ethischen Grenzen künstlicher Intelligenz in der sozialen Arbeit. 

Seine zentrale Botschaft: Die technische Machbarkeit allein beantwortet noch nicht die Frage, ob eine Aufgabe tatsächlich an ein KI-System übertragen werden sollte. Anhand konkreter Praxisbeispiele zeigte er auf, dass KI zwar schnell plausible Antworten liefert und Arbeitsprozesse unterstützen kann, die individuelle Lebenssituation eines Menschen jedoch nicht vollständig erfasst.

Besonders deutlich werde dies dort, wo soziale Arbeit auf Beziehung, Vertrauen und Verantwortung beruht. Eine automatisierte Antwort könne beispielsweise allgemeine Empfehlungen zum Verhalten eines Kindes liefern. Ob das Kind jedoch besondere Unterstützung benötigt, könne nur im konkreten sozialen Zusammenhang beurteilt werden.

De Rachewiltz betonte, dass soziale Arbeit mehr sei als die Erbringung einer fachlichen Leistung. Anerkennung, Vertrauen und ein verantwortliches Gegenüber seien wesentliche Voraussetzungen dafür, dass Hilfe wirksam werden könne. Daraus ergebe sich eine grundlegende Frage für soziale Einrichtungen: Welche Aufgaben dürfen technische Systeme übernehmen und wer trägt weiterhin die Verantwortung für Entscheidungen und deren Folgen? 

Wie künstliche Intelligenz bereits in der Praxis eingesetzt werden kann, zeigten weitere Beiträge der Veranstaltung. Neben Einblicken in die Arbeit des KONVERTO Lab, präsentiert von Norman Marmsoler, beschäftigten sich Alberto Gittardi, Direktor der Sozialgenossenschaft Alpenhilfe, und Alessia Toso, Verantwortliche für den technisch-pflegerischen Bereich, mit dem Einsatz von KI in der Fürsorge und Pflege und stellten praktische Anwendungsfälle vor.

In einer anschließenden Diskussionsrunde, welche von Gloria Dolliana und Sophie Raifer moderiert wurde, vertieften Michael de Rachewiltz von Eurac Research, Norman Marmsoler, Head of KONVERTO Lab, und Lisa Ploner, Projektleiterin Wohnen im Alter, die Frage, wie technologische Entwicklungen sinnvoll in soziale Dienstleistungen eingebunden werden können.