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Die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise sind nicht nur in Europa spürbar.

Covid-19 und die Ökonomie

Alex Weissensteiner, Wirtschaftsexperte und Professor für Quantitative Finance an der Freien Universität Bozen, hat sich mit den Wirtschaftsdaten des vergangenen Jahres auseinandergesetzt und analysiert, wie sich die Coronakrise auf die Wirtschaftsentwicklung und die Finanzmärkte auswirkt.

Die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise sind nicht nur in Europa spürbar.

Um die wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronakrise zu verstehen, müsse man sich zunächst mit der Krankheit auseinandersetzen, sagt der Wirtschaftsexperte der Freien Universität Bozen, Alex Weissensteiner, im Rahmen eines Online-Vortrages, den der Raiffeisenverband für seine Mitgliedsgenossenschaften organisiert hatte. Denn Covid-19 sei anders als alle bisherigen Krankheiten. Seit dem Ausbruch der Krankheit in Wuhan, Anfang Jänner 2020, hat Weissensteiner Daten aus aller Welt zusammengetragen und die Auswirkungen der Pandemie auf die Wirtschaft analysiert. Er verweist darauf, dass die Vergleichbarkeit der Daten aufgrund der unterschiedlichen Teststrategien schwierig ist. Unabhängig von der Art der Zählung gäbe es seit Oktober in allen Ländern einen erneuten extremen Anstieg an Infektionen.

Alex Weissensteiner, Wirtschaftsexperte und Professor für Quantitative Finance an der Freien Universität Bozen, im Bild bei einem Vortrag für den Raiffeisen InvestmentClub.

In Italien gibt es derzeit rund 4,1 Mio. Infizierte. Betroffen von der Krankheit sind vor allem ältere Menschen, mehr Männer als Frauen und im Vergleich zu einer normalen Grippe breitet sich Covid-19 wesentlich schneller aus. Das Virus hat auch eine längere Inkubationszeit. Fast 20 Prozent der erkrankten Personen müssen ins Krankenhaus, daher bringt diese Krankheit das Gesundheitswesen schneller an seine Grenzen als andere Krankheiten. Und deshalb hat Covid-19 auch gravierende ökonomische Auswirkungen. 

Für seine Analysen zieht Weissensteiner mehrere Kennzahlen aus der Wirtschaft heran und untersucht deren Reaktion auf den Ausbruch und den Verlauf der Pandemie. Weissensteiner kommt dabei u.a. zu folgendem Schluss:

Die Coronakrise ist ein globales Problem. Die massive Intervention der Zentralbanken haben die Aktienmärkte jedoch befeuert und die Preise von Gold, Silber und Bitcoin stark ansteigen lassen. Die Auswirkungen der Pandemie auf die Realwirtschaft fallen unterschiedlich aus. Besonders betroffen von der Krise sind bestimmte Länder wie Spanien, Italien, Großbritannien und Frankreich und bestimmte Sektoren, wie die Filmbranche oder die Flug- und Tourismusbranche. Der Finanzmarkt rechnet derzeit nicht mit einem 2. harten weltweiten Lockdown: „Allerdings besteht die Gefahr, dass wir sehr lange auf dem niederen Zinsniveau beharren. Für die Ankurbelung der Wirtschaft werden damit vermehrt staatliche Interventionen notwendig sein“, so Weissensteiner. Auch die Arbeits- und Konsumgewohnheiten haben sich seit Anfang des Jahres nachhaltig verändert. Homeoffice, Homeschooling und der Trend zum Einkaufen im Netz gehören mittlerweile ganz selbstverständlich zum gesellschaftlichen Leben dazu. Ein weiterer Aspekt ist, dass die Krise langfristige Auswirkungen auf das Bildungsniveau der Kinder haben wird.

Daneben dürfe man allerdings andere Themen nicht außer Acht lassen, sagt der Wirtschaftsexperte und nennt den demografischen Wandel: „Derzeit ist 5 Prozent der Bevölkerung über 80 Jahre alt. In 30 Jahren sind es mehr als zwei Mal so viele. Wir haben dann ein anderes Familienbild, weniger Betreuungsmöglichkeiten zu Hause, weil die Familiengröße sinkt und Frauen mehr im Berufsleben stehen werden.“  Hinzu kommen der technologische Wandel und ein Wertewandel z.B. im Bereich Ökologie. Er zeigt sich trotz allen Veränderungen zuversichtlich und verweist auf das Buch von Yuval Noah Harari "Eine kurze Geschichte der Menschheit“, welches von der Entwicklung der Menschheit erzählt: „Menschen sind in der Lage sich in Millionen zu organisieren. Tiere können das nicht. Und Menschen haben außerdem die wunderbare Gabe, an das zu glauben, was sie sich selbst ausdenken (Beispiel Geld). Das wird auch in Zukunft so bleiben.“

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