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Südtirols Wirtschaft aus Sicht der Banca d‘Italia

Vor kurzem hat die Banca d’Italia den aktuellen Konjunkturbericht der beiden Provinzen Bozen und Trient veröffentlicht. Dieses Mal – Corona bedingt – auf digitalem Wege. Der Live-Stream der Präsentation kann nachgesehen werden.

„Die Pandemie hat die Wirtschaft massiv beeinträchtig“, stellt Petra Degasperi, Mitautorin des Berichtes der Banca d’Italia der Zweigstelle in Bozen, von Anfang an klar. Die Aussichten für die Wirtschaft auf das laufende Jahr und die Zukunft haben sich durch den Corona bedingten Lock-down massiv verändert.

 

Petra Degasperi, Mitautorin des Konjunkturberichtes der Banca d'Italia, Zweigstelle Bozen
Antonio Accetturo, Wirtschaftsforscher der Banca d’Italia und Mitautor des Konjunkturberichtes

Laut Antonio Accetturo, Wirtschaftsforscher der Banca d’Italia und Mitautor des Konjunkturberichtes, spüren die Südtiroler Unternehmen die Folgen vor allem an ihrer Liquidität. Rund ein Drittel der Betriebe riskiere die Zahlungsunfähigkeit. Besonders betroffen seien der Handel und die Tourismusbranche.

Antonio Accetturo erwartet, dass durch die Auswirkungen der Coronakrise die Wirtschaftsleistungen der beiden Provinzen stark zurückgehen werden: „Viele Betriebe mussten in den vergangenen Monaten ihre Tätigkeit einschränken, einstellen oder große Einnahmeverluste hinnehmen. Hinzu kommt, dass die Inlands- und vor allem die Auslandsnachfrage heuer einen Rückgang verzeichnen werden. Viele Betriebe werden daher auch geplante Investitionen aufschieben“, ist er überzeugt. Südtirol sei stark von ausländischen Gästen abhängig, da über 70 Prozent der Südtirol-Urlauber von außerhalb Italiens kommen. Er befürchtet negative Auswirkungen auf die diesjährige Sommersaison. Auch der Export sei von der sinkenden Auslandsnachfrage betroffen. „Die Importe der wichtigsten Handelspartner Südtirols werden im laufenden Jahr um mehr als 10 Prozent nachlassen", so die Prognose des Experten. Es dürfte für Südtirols Betriebe wesentlich schwieriger werden, Waren und Dienstleistungen ins Ausland zu verkaufen.

Auch an der Situation auf dem Arbeitsmarkt seien die Folgen der Krise ersichtlich: Die Beschäftigung im Dienstleistungssektor und in Branchen, die mit dem Gastgewerbe verbunden sind, ist gesunken, die Anzahl der Menschen in Lohnausgleich hingegen stark gestiegen. Die Wirtschaft der beiden Provinzen zeichnet nach wie vor durch eine hohe Beschäftigungsquote aus.

Im Vergleich zu anderen Provinzen Italien steht die Wirtschaft der beiden Autonomen Provinzen Bozen und Trient in der gegenwärtigen Krise jedoch besser da als in der Vergangenheit. Das liegt den Autoren der Studie zufolge daran, dass die Rentabilität der Betriebe und die Eigenkapitalausstattung der Unternehmen in den letzten Jahren gestiegen und die Verschuldung zurückgegangen ist. Auch der Anteil der finanziell anfälligen Unternehmen sei gesunken.

Laut Bericht bleibt auch die Finanzlage der privaten Haushalte weiter stabil. Petra Degasperi: „Bei den Anlageformen war eine Umschichtung zu risikoarmen und liquide Anlageformen zu beobachten. Die Verschuldung der privaten Haushalte bleibt im internationalen Vergleich gering“, so die Expertin der Banca d’Italia Zweigstelle Bozen.

Die Banken spielen eine wichtige Rolle in Südtirols Wirtschaft. Sie leiten wirtschaftliche Mittel weiter und helfen die wirtschaftlichen Folgen für Haushalte und Unternehmen abzufedern, indem sie Kredite vergeben. Die Bankkredite an den nichtfinanziellen Privatsektor stiegen weiter an. Die Kredit-Qualität verbesserte sich, die Bankeinlagen von Haushalten und Unternehmer sind weiter angestiegen. Dies geht aus dem Bericht hervor.

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